Ausser wegen Mordversuchs hatte das Baselbieter Strafgericht den heute 53-Jährigen 2010 der schweren Körperverletzung und weiterer Delikte schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft wollte darauf zusätzlich auch eine Verwahrung, zog ihre Appellation jedoch vor dem Kantonsgericht noch am ersten Prozesstag zurück.

Dabei verwies die Staatsanwältin auf die Aussagen des zuvor befragten Gutachters. Dieser hatte beim Angeklagten keine psychische Störung beobachtet, wie sie das Gesetz bei einer Verwahrung voraussetzt. In einem solchen Fall sei eine Verwahrung nicht möglich, sagte die Staatsanwältin.

Familiendrama

Die Verteidigung hatte in ihrer Appellation ein Urteil bloss wegen Totschlags- oder eventuell Tötungsversuchs im Affekt und eine Strafe von dreieinhalb oder sechs Jahren beantragt. Der Opferanwalt beantragte einen Schuldspruch auch wegen Sexualdelikten, von denen der Mann erstinstanzlich freigesprochen worden war, sowie 15 Jahre Haft.

Hintergrund des Falls ist ein Familiendrama. Am 25. April 2004 schoss der Mann auf seine Tochter und deren Freund. Die junge Frau wurde mittelschwer verletzt. Der Angeklagte stellte sich, flüchtete aber nach einem Suizidversuch 2005 aus der Psychiatrie und wurde dreieinhalb Jahre später von Grenzwächtern bei Laufenburg AG festgenommen.

Der Mann mit seinem «hierarchisch-konservativen Familienbild» sei nicht damit fertig geworden, dass seine Tochter einen Freund hatte und ausgezogen war, hatte die erste Instanz festgehalten. Den vom Mann stets bestrittenen Vorwurf des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung wies sie indes wegen Widersprüchen in den Aussagen der Tochter ab.


Urteil am Donnerstag


In einem Aktengutachten hatte zudem der Gutachter keine Anzeichen für eine Auseinandersetzung des Mannes mit seiner Tat gesehen und ihm eine «belastete» Prognose bezüglich eines weiteren Angriffs auf seine Tochter ausgestellt. Der Angeklagte widersprach nun: Während seiner Flucht hätte er dafür ja schon genug Zeit gehabt.

Weiter sagte der Mann, er habe «alles falsch gemacht»: Man sollte seine Kinder ziehen lassen und sich nicht verleiten lassen, den grössten Mist seines Lebens zu bauen, er habe Zeit zum Nachdenken gehabt. Einer Therapie gegenüber zeigte er sich indes nicht offen. Das Urteil des Kantonsgerichts wird am Donnerstag erwartet.