«Wir sind Dekan!», titelte ein euphorischer Lukas Ott im August 2015 in seinem Internet-Blog. Der damalige Stadtpräsident von Liestal, der sich vehement für einen Uni-Standort im Baselbieter Hauptort eingesetzt hat, scheute keine Kosten und Mühen, um Thomas Gasser die Ehre zu erweisen.

In einem Festakt gratulierte die Stadt ihrem Sohn zur Wahl zum Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Basel. Gasser war der erste Baselbieter überhaupt, der dieses Amt bekleiden durfte. Dass er ein gebürtiger Liestaler ist und als Chefarzt der urologischen Uniklinik beider Basel auch noch im Kantonsspital Baselland arbeitete, trug das Seinige dazu bei, dass seine Wahl von der Politik mit allerlei Symbolik aufgeladen wurde.

Bildungsdirektorin bedauert es

Ott bemängelte in seiner Festrede 2015, dass Baselland noch immer zu wenig als Universitäts-Kanton wahrgenommen werde. Die Wahl Gassers sei deshalb mehr als eine Personalie, «sie hat Symbolkraft für einen Ausbau der Präsenz der Universität Basel in Liestal». Nun steht fest: Diese Symbolkraft verpufft nach nur drei Jahren bereits wieder.

Recherchen der bz zeigen, dass die Fakultätsversammlung bereits am 20. November 2017 von der Öffentlichkeit unbemerkt Gassers Nachfolger gewählt hat. Dies, da der Liestaler auf eine erneute Kandidatur für die Amtszeit von August 2018 bis 2022 verzichtete. Sein Nachfolger wird mit Primo Schär kein Baselbieter – er stammt aus Willisau – und auch keiner, der in Baselland arbeitet – er ist Professor für molekulare Genetik am Zentrum für Biomedizin der Uni Basel und forscht auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung.

«Wir bedauern das natürlich sehr», sagt Bildungsdirektorin Monica Gschwind auf Anfrage. Der Kanton sei stolz gewesen, dass ein Posten einer so wichtigen Fakultät durch einen Baselbieter besetzt gewesen sei. Gasser selbst weiss um die Bedeutung, die seiner Wahl zugemessen wurde. Er sagt aber: «Im Amt bin ich kein Baselbieter, sondern ein Vertreter der Universität.»

Entscheidend sei nicht, dass immer ein Baselbieter Dekan sei, sondern, dass es immer möglich bleibe. Für die Ernennung müssten viele Faktoren zusammenlaufen. Auch der aktuelle Liestaler Stadtpräsident Daniel Spinnler hält den Ball flach: «Es darf nicht von einem Dekan abhängen, ob Liestal einen Uni-Standort erhält.»

Gasser begründet seine Entscheidung unter anderem mit der Amtszeit, die früher nur ein Jahr dauerte, dann aber kontinuierlich gesteigert wurde und neu vier Jahre andauert. «Ich bin nun 60 Jahre alt. Hätte ich weitergemacht, wäre ich bis zu meiner Pensionierung Dekan geblieben. Doch ich möchte noch einmal stärker auf meinen Beruf als Urologe setzen und wieder mehr an der Front tätig sein.»