Jürg Wiedemann hüllt sich in Schweigen. Er könne nichts sagen zu den Verhandlungen mit Esther Maag. Was wohl eher heisst: Er will nichts sagen.

In der «Schweiz am Sonntag» kündete die ehemalige Landratspräsidentin an, sie werde bei den Grünen Baselland austreten und stehe mit zwei anderen Parteien in Kontakt; unter anderem auch mit den Grünen-Unabhängigen – jener Partei also, die vor rund eineinhalb Wochen nur deshalb ins Leben gerufen worden ist, um Landrat Jürg Wiedemann nach seinem Ausschluss bei den Grünen eine neue politische Heimat zu bieten.

Esther Maag hat ihren Austritt noch nicht eingereicht. «Ich habe der Zeitung gesagt, dass ich es mir überlegen würde», versucht Maag zu relativieren. Beim Anruf der bz befindet sie sich gerade auf der Rückreise von einer Velotour in Italien. Sie müsse nun die nächsten Schritte planen, sagt die Psychologin. Aber ja, sie stehe weiterhin mit den Grünen-Unabhängigen in Kontakt, ebenso mit den Grünliberalen. «Mir ist wichtig», sagt die Liestalerin, «dass ich etwas bewegen kann, dass ich eine aktive Rolle übernehmen kann. Genau das war bei den Grünen nicht mehr möglich.» Mehr gebe es derzeit nicht zu sagen.

Maag wäre ein Coup

Für Wiedemann und «seine» Grünen-Abspaltung wäre der Zuzug von Maag ein Coup. Die Grünen-Unabhängigen werden derzeit als politischer Arm des Komitees Starke Schule Baselland aufgebaut. Dieses hat für heute Mittwochvormittag in Liestal eine Medienkonferenz anberaumt, bei der es seine Kandidierenden für die Nationalratswahlen im Herbst präsentieren wird. Ob Wiedemann auch auf dieser Liste steht, will er noch nicht bestätigen. Es gilt aber als sicher. Die Mitte März bekannt gewordene Anfrage des Komitees und der Umstand, dass Wiedemann sich nicht davon distanzieren wollte, ist einer der Gründe für seinen Rauswurf bei den Grünen.

Gut möglich also, dass der Sekundarlehrer aus Birsfelden heute in Liestal Maags Namen präsentiert – ob sie dann als neues Mitglied der Grünen-Unabhängigen oder der Grünliberalen fungiert, spielt dabei keine entscheidende Rolle, zumindest nicht in Bezug auf die Nationalratswahlen. Denn die Grünen-Unabhängigen streben, das teilten sie bereits Ende März mit, eine Listenverbindung mit GLP und EVP an. Diese Konstellation könnte die Wiederwahl von Grünen-Nationalrätin Maya Graf ernsthaft in Gefahr bringen.

Mit Esther Maag ist der vorläufige Höhepunkt der Austrittswelle bei den Baselbieter Grünen erreicht. Die Partei verlor, neben der Liestalerin, inner acht Tagen die Sektion Birsfelden und zwei Mitglieder der Sektion Allschwil (bz berichtete). Die beiden Abgänge seien bedauerlich, aber durchaus verkraftbar, sagt Julia Gosteli, Präsidentin der Allschwiler Grünen. «Es handelt sich nicht um zwei Mandatsträger, und sie waren auch ansonsten in der Partei nicht besonders aktiv.» Nach den beiden Abgängen zählt die Allschwiler Ortsgruppe laut Gosteli noch 14 Mitglieder. Die Sektion stehe hinter der Arbeit des Kantonal-Vorstands; sie habe keine weiteren Austrittstendenzen feststellen können.

Wer geht noch alles?

Jürg Wiedemann beteuert, ihn würden die Abgänge bei seiner früheren Partei nicht glücklich stimmen. Zwar hätten nun die Grünen-Unabhängigen zwei neue Kräfte, doch die Austritte seien nicht das Ziel gewesen. «Michael Pedrazzi und Martin Friedli waren Mitglieder der Bildungsgruppe der Grünen. Wir, und jetzt spreche ich für das Komitee Starke Schule Baselland, hätten dort gerne weiterhin möglichst viele Vertreter drin.» Die Bildungsgruppe hat einen grossen Einfluss auf die Stossrichtung der Partei in Bildungsfragen. Sie verfasst unter anderem die Vernehmlassungsantworten bei Bildungsgeschäften im Landrat. Nach den beiden Austritten ist Starke Schule noch mit drei Vertretern in der Bildungsgruppe der Grünen vertreten. Es sind dies die Sissacher Landrätin Regina Werthmüller, der Allschwiler Einwohnerrat Mario Elser und Marco Vicente, ebenfalls aus Allschwil. Weitere Abgänge sind jedoch zu erwarten.

Nicht gut auf Esther Maag zu sprechen ist die Parteipräsidentin der Grünen Baselland, Florence Brenzikofer. Sie würde ein gutes Verhältnis zu Maag pflegen, sagt sie auf Anfrage. «Es ist jetzt aber enttäuschend, aus der Presse zu erfahren, dass sie aus der Partei austreten will. Das ist nicht die feine Art.»