Lange haben Schulleitung und Schulrat der Zwingner Primarschule zugewartet und vertröstet. Jetzt setzt der Kanton Baselland dieser Taktik ein Ende: Die Bildungs-, Kultur und Sportdirektion (BKSD) stellte der Schule den Bericht zur aufsichtsrechtlichen Anzeige des Lehrervereins (LVB) zu.

Zwei Monate lang hat der Kanton den Stundenplan analysiert und diverse Gespräche mit Schulrat, Schulleitung und den betroffenen Lehrern geführt. Das Fazit ist klar: «Es ist sicherzustellen, dass stundenplankonforme Fächer verwendet werden und keine einseitigen Methoden zur Anwendung kommen. Religiöse oder sektiererisch anmutende Ausprägungen sind zu unterlassen», heisst es im Bericht, der der bz vorliegt. Diese Vorgaben müssen mit Beginn des Schuljahres 2018/19 umgesetzt werden.

Eurythmie und Gartenarbeit

Der Schulrat deutet diese Weisung in einem gestern publizierten Brief an die Eltern und Lehrer gleich selbst: «Eurythmie, Epochenunterricht und Morgenspruch sind in der Form, wie sie heute angewendet werden, nicht statthaft.» Der Schulrat habe bereits erste Massnahmen eingeleitet und werde diese konsequent durchsetzen. Was das genau bedeutet, wollte Schulrat Harald Schmidlin auf Anfrage jedoch noch nicht sagen.

Aus Sicht des Kantons gibt es keinerlei Handlungsspielraum: «Unsere Auflage ist verbindlich. Sie kann auch nicht auf dem Rechtsweg angefochten werden», sagt Beat Lüthy, Leiter des Amts für Volksschulen (AVS). Er berichtet von «deutlichen Signalen» des Schulrates, sich daran zu halten. Und Schulleiter Erich Rubitschung hält immerhin fest: «Wir befolgen grundsätzlich die Weisungen des AVS.»

Der Bericht gibt auch erstmals Einblick, wie stark der Unterricht in Zwingen von der Pädagogik Rudolf Steiners durchsetzt war. Letztlich geht es um die Methoden zweier Lehrerinnen. Sie verteidigten den Einsatz von eurythmischen Elementen. Jeweils im Winterhalbjahr sei eine Lektion Eurythmie praktiziert worden. Im Sommerhalbjahr wurde diese dann durch eine Lektion Gartenarbeit ersetzt.

Die BKSD hält fest, dass der Lehrplan keine solchen Fächer vorsehe. «Es ist nicht verboten, im Rahmen der Methodenfreiheit gewisse solcher Elemente einfliessen zu lassen», sagt Lüthy, «doch die Ausprägung ist in Zwingen das Problem.»

Noch zwei Beschwerden hängig

Dasselbe gilt für den Epochenunterricht. Laut dem Bericht hat eine der Lehrerinnen vollständig in Epochen unterrichtet. Der BKSD fiel auf, dass dabei geschichtliche Themen zu kurz kamen. In der 4. Klasse etwa sei nur die Steinzeit behandelt worden. Durch den speziellen Unterricht sei es unmöglich, dass eine Klasse alle zwei Jahre reibungslos übergeben werden kann.

Der Kanton stellte zudem fest, dass die 3. und 4. Klassen eine Lektion zu wenig Unterricht bekamen, was behoben werden muss. Mit Verweis auf die Religions-Neutralität der Baselbieter Volksschule wird auch das «Morgenritual» künftig nicht mehr stattfinden. Bis jetzt sagten die Schüler der beiden Lehrerinnen jeweils «stehend, mit hängenden Armen» das immer gleiche Gedicht Steiners auf.

Inwiefern der Bericht personelle Konsequenzen nach sich zieht, ist offen. Rubitschung ist 64-jährig. Der LVB erwartet «zumindest eine Verwarnung». Und ob sich die beiden Lehrerinnen nach dem Steiner-Verbot noch wohlfühlen, darf bezweifelt werden. Noch ausstehend sind zwei BKSD-Berichte zu einer als «Misstrauensvotum gegenüber dem Schulrat» verfassten Beschwerde der Zwingner Eltern sowie der Starken Schule beider Basel. Sie fordern Neuwahlen des Gremiums. Eine umfassende externe Evaluation der Primarschule Zwingen durch die FHNW liegt dann im Herbst vor.