«Sie haben sich zu fest auf das Know-how ihrer Mitarbeiter verlassen. In diesem Kontext, in dem es um die Sicherheit geht, hätten sie das nicht dürfen.» Das sagte Gerichtspräsidentin Jacqueline Kiss bei der Urteilsbegründung vor dem Strafgericht in Muttenz.

Sie verurteilte den 58-jährigen Inhaber einer Gerüstbaufirma wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen: Er habe sich zuwenig darum gekümmert, dass seine Mitarbeiter die Sicherheitsvorschriften einhalten. Im Mai 2011 starb ein 25-jähriger Arbeiter auf einer Baustelle in Laufen, weil er über ein Eternitdach lief, einbrach und knapp zehn Meter in die Tiefe stürzte.

Gefährliche Abkürzung

Dabei nahm er offenbar eine gefährliche Abkürzung zu einem bestehenden Gerüst auf der Südseite. Einige Wochen zuvor im April 2011 hatte der Firmeninhaber bei einem Rundgang über die Baustelle zwar dem 25-Jährigen einen richtigen und sicheren Weg auf das hintere Dach durch das Innere des Gebäudes gezeigt, doch bei den Arbeiten im Mai 2011 war kurzfristig der Vorarbeiter ausgetauscht worden, der die Gerüstarbeiten leiten sollte. Dieser 40-jährige Gerüstmonteur kannte die komplexe Baustelle nicht im Detail und liess sich vom 25-Jährigen den Weg zeigen: Der Weg führte offenbar über das Dach. Wie oft die Arbeiter vor dem Unfall direkt auf dem Eternitdach herumgelaufen sind, blieb vor Gericht unklar.

Doch auch der 40-jährige Gerüstmonteur wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt: Er mache diese Arbeit seit dem Jahr 2000 und sei deshalb sehr erfahren. Auch habe er selbst bestätigt, dass jedes Kind wisse, dass Eternitdächer nicht sicher seien. «Sie haben Ihren Kollegen nicht daran gehindert, einen Weg zu nehmen, der höchst gefährlich war. Da hätten sie sich als Vorarbeiter durchsetzen müssen», warf ihm Gerichtspräsidentin Kiss vor.

Mit dem Schuldspruch auferlegte das Gericht den Verurteilten auch diverse Zivilforderungen, nebst den Verfahrenskosten haften die zwei Männer solidarisch für gesprochene Genugtuungen: Die Eltern des verstorbenen Arbeiters erhalten je 20'000 Franken, der heute achtjährige Sohn 30'000 Franken. Die Freundin des Verstorbenen muss ihre Forderungen in einem Zivilprozess geltend machen, weil unklar blieb, wie eng die Beziehung tatsächlich war.

Fall wird wohl weitergezogen

Wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, verhängte das Strafgericht bedingte Geldstrafen, kürzte aber die Höhe um ein Drittel, weil das Verfahren inakzeptabel lange gedauert habe: 240 Tagessätze wären laut Gericht angemessen gewesen, konkret kürzte es die Strafen für beide Angeklagten auf 160 Tagessätze. Der Fall wird wohl von den Verurteilten ans Kantonsgericht weitergezogen.