«Wie viele Unfälle müssen noch geschehen, bis endlich alle Bahnübergänge der Waldenburgerbahn mit einer Barriere gesichert werden?» Diese Frage stellt sich Tobias Grossmann aus Lampenberg in einem Leserbrief (siehe bz vom vergangenen Freitag). Er verweist auf den Zwischenfall vom 23.Dezember, als in Niederdorf eine unaufmerksame Autolenkerin beim Abbiegen von der Hauptstrasse in die Bennwilerstrasse den herannahenden Zug der Waldenburgerbahn (WB) übersehen hatte und mit diesem kollidiert war. Es blieb glücklicherweise beim Sachschaden.

Tragisch endete ein Unfall Mitte April 2012. Bei einem Zusammenstoss zwischen einem Lieferwagen und der WB beim Neuhof zwischen Liestal und Bubendorf starb eine 72-jährige Mitfahrerin des Lieferwagens, der Lenker wurde schwer verletzt. Beide Übergänge waren zurzeit der Unfälle ohne Schranken. Derjenige beim Neuhof ist inzwischen aufgehoben und hat 200 Meter talaufwärts einem neuen Platz gemacht, der nun in Betrieb ist. Der Übergang in Niederdorf muss bis Ende 2014 mit Schranken gesichert sein. Dies verlangt neues Bundesrecht, das schärfere Sicherheitsbestimmungen beinhaltet: Bis 2015 müssen alle ungesicherten Bahnübergänge gesichert ober aufgehoben werden.

WB: Mehr als die Hälfte gesichert

Laut WB-Verwaltungsratspräsident Urs Steiner existieren auf der Strecke der Waldenburgerbahn von Liestal nach Waldenburg derzeit 21 Strassenübergänge, deren zwölf bereits mit Barrieren gesichert sind. Bis Ende des kommenden Jahres werden weitere vier mit Wechselblinklichtanlagen und drei mit Andreaskreuzen dem neusten Standard angepasst. Die Kosten übernehmen der Kanton Baselland und der Bund, der Kanton trägt die Hauptlast.

«Wir sind mit den Arbeiten auf Kurs, aber wir müssen schauen, dass wir bis Ende 2014 alles durchbringen. Denn der Zeitplan ist eng», erklärt Steiner und meint weiter: Sie stünden in engstem Kontakt mit Regierungsrätin Sabine Pegoraro und deren Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD). «Die Zusammenarbeit ist sehr gut», windet der WB-Verwaltungsratspräsident der BUD ein Kränzchen.

Auch die BLT muss handeln

Die WB ist in der Nordwestschweiz jedoch nicht das einzige Transportunternehmen mit offenen Bahnübergängen: Auch die Fahrzeuge der Baselland Transport (BLT) gelten – zumindest ausserhalb der Stadt Basel – als Eisenbahnen. Die BLT betreibt die Linien 10, 11 und 17. Bei der Linie 14 stellt die BVB das Rollmaterial, auf Baselbieter Kantonsgebiet ist jedoch die BLT für die Infrastruktur verantwortlich. Zusammen ergibt das rund 61 Kilometer Streckennetz mit 80 Schrankenanlagen – und es werden noch mehr.

Bei den Vorgaben des Bundes befinde sich die BLT im Zeitplan, sagt Direktor Andreas Büttiker: «Bis Ende 2014 sind alle Übergänge saniert oder aufgehoben. Die Finanzierung ist gesichert, die Planeingaben sind gemacht.» Betroffen sind elf Übergänge. Eine unfallreiche Überquerung wird im September mit Schranken «entschärft». Es handelt sind um den Übergang in der Reinacher Schönbachstrasse. Als weitere Projekte nennt Büttiker die Fussgängerquerungen Fleischbachstrasse in Reinach und Weiermattstrasse in Binningen. Hinzu kommen zwei weitere Übergänge in Ettingen. Vor kurzem saniert worden ist der Fussgängerübergang Heiligholz in Münchenstein.

Mit sechs Übergängen wartet der grösste Brocken in Leymen (F) auf die BLT: Dort müssen auf dem 10er-Liniennetz insgesamt sechs Übergänge saniert werden. Wie die WB mit der BUD habe auch die BLT mit den französischen Behörden ein gutes Einvernehmen, wie Büttiker versichert.

Lange Bewilligungsfristen

Die BLT hat mit den Schrankenanlagen gute Erfahrungen gemacht. Dazu Büttiker: «Beim Übergang Ettingerstrasse in Aesch hatten wir ohne Schranken in einem einzigen Jahr dreizehn Unfälle – mit den Schranken keinen einzigen.» Dass das Unternehmen die Sicherungen nicht rascher ausführe, begründet er mit den langen Bewilligungs- und Planungsfristen: «Von der Projektierung bis zur Inbetriebnahme und Einweihung vergehen gut und gerne eineinhalb Jahre.» Auch die Finanzen spielen eine grosse Rolle, kostet doch eine Anlage bis zu einer halben Million Franken.