Der tragische Unfall von Dienstagmittag, bei dem in Muttenz ein zehnjähriger Knabe auf einem Fussgängerübergang bei der Haltestelle Käppeli von einem Tram erfasst und erheblich verletzt worden ist, wirft Fragen zur Tramsicherheit auf. Denn der Knabe geriet nach dem Aufprall unter das Tram, obwohl es sich bei diesem um den Typ Combino handelte, also ein Tram der moderneren Generation mit tief nach unter gezogener Schnauze. Diese Schnauze sollte auch verhindern, dass Personen bei einem Frontal-Zusammenstoss unter das Tram geraten können.

Dass das beim Unfall in Muttenz nicht spielte, erklärt der Sprecher der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), Benjamin Schmid, mit der dortigen Situation: «Auf Überlandstrecken wie in Muttenz fahren die Trams auf Hochgleisen. Damit ist der Abstand zwischen Tramunterboden und Boden grösser als in der Stadt, wo die Gleise meist in den Boden eingelassen sind.»

«Tango» mit Crashfront

Die modernen BVB-Niederflur-Trams, das heisst neben dem «Combino» auch das ganz neue «Flexity», verfügen im Gegensatz zu den alten, höher stehenden Trams über keine sogenannten Fender mehr. Das sind vor den Vorderrädern an der Unterseite der Trams montierte Fallgatter, die herunterfallen, sobald der vor ihnen angebrachte Auslösebügel mit einem Hindernis in Kontakt kommt. Zweck der Fender ist, den Kontakt von Gegenständen auf den Geleisen mit den Tramrädern zu verhindern. Sie schützen somit auch Personen davor, überrollt zu werden.

Wie ein solcher Fender beim Unfall in Muttenz gewirkt hätte, ist hypothetisch. Trotzdem die Frage: Gehen die BVB jetzt bezüglich Sicherheitsvorkehrungen über die Bücher? Schmid sagt: «Alle unsere Trams erfüllen die Normen des Bundesamts für Verkehr. Der Unfall beschäftigt die BVB sehr. Zusammen mit Fachexperten unternehmen wir alles, um Unfälle wie diesen in Zukunft zu verhindern.»

Auch die Baselland Transport AG (BLT) setzt bei ihrer neusten Tram-Generation, dem «Tango», bei der Prävention von Überroll-Unfällen auf die Tram-Schnauze. Fredi Schödler, Leiter Betrieb und Technik, erklärt den Mechanismus so: «Das Tango-Tram verfügt über eine Crashfront. Das heisst, die Nase ist so ausgebildet, dass Fussgänger aufgeladen und auf die Seite des Trams geleitet werden.»

Man habe bei Stadler Rail grosses Gewicht auf deren Konstruktion gelegt und die «Tango»-Schnauze liege so tief, dass sie Fussgänger unterhalb des Knies treffe. Bei einem Unfall auf einem Übergang in Münchenstein im Jahr 2014 habe sich die Crashfront denn auch bewährt: Die betroffene Person sei aufgeladen und lediglich durch den Aufprall verletzt worden. Auf einem Hochgleis-Abschnitt kam es bis jetzt noch nie zu einem Zusammenstoss zwischen einem Tango-Tram und einer Person. Und die seitlichen Unfälle mit Personen in der Stadt liefen meistens glimpflich mit Prellungen ab, ergänzt Schödler.

Der verletzte Muttenzer Junge lag gestern immer noch im Spital, befindet sich aber laut Polizei ausser Lebensgefahr.