Thomas Kübler, waren Sie am Neujahrs-Apéro der Wirtschaftskammer?

Thomas Kübler: Ja, ich war dort.

Die Rede von Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser wird Sie nicht erfreut haben.

Ich habe mich in der Tat gewundert.

Was hat Sie gewundert?

Ich war erstaunt über die Vehemenz und das Ausmass der Kritik. Zudem war seine Kritik für mich auch nicht immer einzuordnen. Ich habe mich gefragt: Wer genau ist der Adressat?

Man trete bei der Wirtschaftsförderung «seit fünf Jahren an Ort», sagte Buser. Dann kritisierte er auch die Ansiedlungsbemühungen. In den Jahren 2015 und 2016 habe es dort einen «Nuller» gegeben.

Da kommt sehr viel Unterschiedliches zusammen. Für die Standortpromotion von Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura im Ausland ist «BaselArea» zuständig, die drei Kantone sind die Träger. Buser sass bis Ende 2015 im Vorstand von «BaselArea».

Das heisst, dass Christoph Buser seine Kritik eigentlich auch an sich selber gerichtet hat.

Ich kann nur für unsere Seite sprechen. Wir haben seit 2016 Anpassungen in der Organisation vorgenommen, um die Stärken und Branchenschwerpunkte des Baselbietes besser vermarkten zu können. Im vergangenen Jahr haben sich denn auch erste Erfolge dieser Anpassungen eingestellt. Ferner gibt es weitere Ansiedlungen, zum Beispiel über den Infrapark oder andere private oder öffentliche Quellen.

Er ging auch auf die von Ihnen geleitete Standortförderung ein. Sie dürfe nicht noch näher an die Verwaltung angebunden werden, sagte er, denn das sei «sicher nicht klug».

Diese Befürchtungen wurden bereits in der Vernehmlassung des neuen Wirtschaftsförderungsgesetzes geäussert. Wir haben die Geschäftsführer der drei Wirtschaftsverbände kurz vor Weihnachten noch einmal persönlich darüber informiert, dass wir keine nähere Anbindung an die kantonale Verwaltung prüfen. Wir wollen also nichts monopolisieren. Aber es braucht die Schnittstelle zur Verwaltung, die ist entscheidend.

Weshalb?

Wenn jemand unseren Welcome Desk kontaktiert, so sucht er oder sie nicht einen Profi in Managementberatung oder Unternehmensführung – was bei uns gefragt ist, das sind Verwaltungsprozess-Profis, Leute also, die einen direkten Draht zu den staatlichen Stellen haben und die Wege kennen, etwa, wenn es um Arbeitsbewilligungen, Steuerfragen oder freie Areale geht.

Buser schlug mehr Public-private-Partnership vor.

Wir haben zahlreiche solcher Public-private-Partnerships mit der Handelskammer beider Basel, mit der Wirtschaftskammer und anderen privaten Akteuren. Daran wird nicht gerüttelt. Es gibt auch Kantone, welche die gesamte Bestandespflege oder Standortförderung ausgelagert haben, zum Beispiel Luzern und Schaffhausen. Eine private Trägerschaft, etwa ein Verein, birgt aber auch Probleme. Es stellt sich nur schon die Frage, ob ein privater Akteur überhaupt von staatlichen Stellen Auskünfte einholen darf. Es geht nicht zuletzt um sensible Daten, etwa um Grundeigentum, Nutzungsverträge, Steuerauskünfte und so weiter.

Christoph Buser könnte Interesse daran haben, die Standortförderung bei sich, also bei der Wirtschaftskammer unterzubringen.

Der Landrat hat 2015 entschieden, dass Bestandespflege und Standortförderung in der Verwaltung angesiedelt werden sollen. Ich sage nicht, dass ein privater Akteur diese Leistungen rein betrieblich nicht auch gut machen könnte. Aber ich weise nochmals auf die Schnittstelle zur Verwaltung hin: Die braucht es und sie macht Sinn.

Wo Buser Recht hat: In den letzten Jahren gab es im Baselbiet keinen bedeutenden Firmenzuzug zu vermelden.

Wir hatten und haben durchaus Zuzüge, etwa Jaquet und Selmoni aus Basel-Stadt, oder die UPS oder den Ausbau einer erheblichen Zahl von Arbeitsplätzen durch Coop im Neubau in Pratteln. Weiter gab es Unternehmen, die innerhalb des Kantons oder der Gemeinde umgezogen sind oder daran sind, die Projekte zu organisieren, wie etwa Penta Electric, Stöcklin Logistik, Acino, Rapp oder Skan. Wir müssen bedenken: Die genannten Firmen hätten auch ins Fricktal abwandern können, es gab solche Fälle. Es ist auch eine wichtige Aufgabe, Kunden zu halten.