Hölsteins ungewöhnlicher Aufruf in den Gemeindenachrichten hallt nach. Am Montag bat die Gemeinde ihre Kabelfernsehkunden, die über die EBL Telecom an das gemeindeeigene Netz angeschlossen sind, einen eventuellen Wechsel zur Konkurrentin Swisscom zu überdenken. Ein Verbleib bei der EBL sei ein «Bekenntnis zur eigenverantwortlich geführten Gemeinschaftsantenne der Gemeinde», da die Gebühren deren Erhalt ermöglichten (die bz berichtete).

Bei der Swisscom kommt dieses Vorgehen nicht gut an. Gegenüber der bz wird Sprecherin Annina Merk deutlich: «Es muss jede Gemeinde selber entscheiden, wie stark sie sich von Kabelanbietern für die Vermarktung einspannen oder missbrauchen lassen will. Den Kunden bei einem Wechsel ein schlechtes Gewissen zu machen, halten wir jedoch für zweifelhaft.»

EBL möchte noch stärker werben

Dass eine Gemeinde auf Bitten eines privaten Anbieters wie der EBL Telecom derart aktiv in den Wettbewerb eingreife, sei laut Merk zudem schweizweit neu. Zum konkreten Inhalt des Hölsteiner Schreibens möchte die Swisscom zwar keine Stellung nehmen. Merk hält es aber für wichtig, dass der Wettbewerb fair geführt werde. So sollte für die Leser der Gemeindenachrichten zumindest klar erkennbar sein, wer der genaue Absender einer Botschaft ist und welche Interessen dahinter steckten.

Für die Swisscom ist klar: «Wir werden das Vorgehen der Konkurrenz und der Gemeinden weiter im Auge behalten und bei Bedarf entsprechend reagieren.» Dies könne verstärkte Marketingaktivitäten umfassen, nicht aber das Einspannen von Gemeinden, «um die Konkurrenz schlecht zu machen», so Merk. Die EBL Telecom ihrerseits kündigt an, selbst «werbetechnisch noch sehr, sehr stark zulegen» zu wollen, wie Geschäftsleiter Adrian Koessler sagt.