Am Tag sind beide Röhren befahrbar. Dies bestätigt das Bundesamt für Strassen (Astra) auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Grund für den Einröhrenbetrieb sind die Arbeiten am neuen Lüftungssystem. Dieses hat nichts zu tun mit der späteren Grundsanierung des Tunnels, für die man eine dritte Röhre bauen wird. Vielmehr wird sie gemäss Astra «als Reaktion auf die verheerenden Brände in Autobahntunnels der letzten Jahre» installiert.

Ab Juli wird man die hinter den neuen Tunnelzentralen liegenden, je 200Meter langen neuen Lüftungsstollen mit den Tunnelröhren verbinden. Dafür muss man jeweils die Zwischendecke demontieren und die neuen Ventilatoren installieren.

Das kleinere Übel

Eigentlich seien diese Schritte bereits für 2012 geplant gewesen, teilt Andrea von Däniken, Juristin im Astra, mit. Dafür wäre aber pro Röhre für fünf Wochen eine Vollsperrung nötig gewesen. Da dies den Verkehr zu stark behindert hätte, habe man sich entschlossen, die Arbeit in die Nacht zu verlegen.

Dies bedeutet, dass man abends die Baustelle einrichten, dann arbeiten und sie gegen Morgen wieder wegräumen muss. «Durch die daraus resultierenden begrenzten Baustunden und die komplexe Logistik verlängert sich die Bauzeit deutlich. Pro Röhre ist deshalb eine Realisierungsdauer von rund zwölf Monaten vorgesehen», so von Däniken. Andererseits vermeide man so die bei «einer wochenlangen Tunnelsperrung unausweichlichen, massiven Staustunden am Belchen».

TCS fordert besondere Massnahmen

Laut von Däniken müsse man nicht mit Behinderungen rechnen. Dies sehen nicht alle so: «Es ist höchste Zeit, dass man diese Arbeiten ausführt», kommentiert zwar Hansjörg von Ins, Centerleiter des TCS beider Basel, das 128-Millionenprojekt. «Aber in Spitzenzeiten wird es zu Staus kommen.» Er regt deshalb an, dass man dann – etwa an Ferien-Reisetagen – die Sperrung aussetzt oder verkürzt.

Urs Roth, stellvertretender Kantonsingenieur im Baselbieter Tiefbauamt, erinnert sich, dass man dies bei Grossanlässen wie Swiss Indoors so gehandhabt habe, als die Autobahnen noch vom Kanton betreut wurden. Die Polizei Baselland habe keine schlechten Erfahrungen gemacht mit der Sperrung einer Tunnelröhre in der Nacht, erklärt Polizeisprecher Nico Buschauer.

Als Stau-Ursache sieht von Ins vor allem die Reduktion auf Tempo60 im Bereich der Fahrbahnwechsel und 80 im Tunnel selbst. Zudem müsse nachts die Beleuchtung umgedreht werden: Tags ist sie beim Eingang heller, um schroffe Übergänge zu vermeiden, in der Mitte gedämpfter. «Nachts kommt man aber vom hellen Tunnel ins finstere Freie. Folgt dann gleich noch ein Fahrbahnwechsel, ist dies eine Gefahrenquelle.»

Über das Autoradio sollte man alle Fahrer bereits am Eingang auf das richtige Verhalten aufmerksam machen. Zudem sollte man bei Staugefahr den Fernverkehr via Navigationsgeräte über die Bötzberg-Autobahn leiten. «Die technischen Voraussetzungen für eine intelligente Steuerung sind vorhanden. Die Umsetzung kostet etwas. Doch dies sollte bei einem Projekt dieser Grösse drinliegen», so von Ins.