Wie ein Schwerverbrecher fühlte sich der Organisator des Bierlaufs, als er sich pünktlich um 13 Uhr mit seiner Harasse Bier in der Hand zum Start in der Reinacher Aumattstrasse begab. Kollegen warteten keine auf ihn - stattdessen 15 Polizisten und drei Journalisten. Nicht mal der sonst so verlässlicher Bruder war da. Der musste erst noch den Rausch des Vorabends ausschlafen.

Ganz im Stich liessen ihn die Mitstreiter aber doch nicht: Weitere Polizisten hatten die Harassenläufer an der Tramstation abgefangen und die Personalien aufgeschrieben. Denn die Polizei, immer noch traumatisiert von den üblen Schlägereien im Jahr 2009, wollte nichts dem Zufall überlassen. «Ich kann Ihnen nicht genau sagen, wieviele Polizisten im Einsatz sind», sagte ein Gemeindepolizist aus Münchenstein. «Aber es sind gewiss mehr als 40.»

Der Baselbieter Polizeisprecher Meinrad Stöcklin wollte zum Polizeiaufgebot nichts sagen. Er räumte aber ein, dass die Vorbereitungen schwierig seien: «Wir müssen Kaffeesatz lesen. Es würde uns die Arbeit erleichtern, wenn wir wüssten, wer dahinter steckt.» Stöcklin sprach auf die Tatsache an, dass sich auch in diesem Jahr niemand um eine Bewilligung bemüht hatte.

Sprüche zum einstigen Intimfeind

Somit waren heute wohl mehr Polizisten als Teilnehmer im Einsatz: Denn zum einsamen Bierläufer gesellten sich in Reinach kaum mehr als 40 weitere Jugendliche. Das ohnehin schon kleine Grüppchen drohte dann bei der Routenwahl noch auseinanderzufallen. Der harte Kern der Bierläufer nahm die traditionelle Route in Angriff, einige Jüngere wollten einen neuen Weg gehen.

Rund 30 Trinksportler brachen in Richtung Aesch auf. Das Ziel: Die Polizei, die mit der traditionellen Route rechnete, auf dem linken Fuss zu erwischen. Für die Traditionalisten war das keine Option. «Wir lassen uns doch nicht von der Polizei beeinflussen, wo der Bierlauf durchgehen soll», schrien sie. Schliesslich konnten die Jungen überredet werden, den Weg in Richtung Münchenstein und schliesslich Birsköpfli in Birsfelden unter die Füsse zu nehmen - immer schön ausserhalb der Alkoholverbotszonen, die eigens für den Harassenlauf geschaffen worden waren.

Kein einziger Zwischenfall

Ansonsten gab es wenige Reibereien mit dem Intimfeind vergangener Jahre. Zwar lauerten die Polizisten an fast jeder Kreuzung auf - wussten aber die Sprüche nicht zu persönlich zu nehmen. Zudem achteten die Teilnehmer penibel darauf, dass kein Abfall am Wegrand liegen blieb. «Da kann man ja ein Auge zudrücken, wenn wir hin und wieder hinter einen Baum pinkeln», meinte eine 18-jährige Teilnehmerin.

Nach sechs Stunden schliesslich erreichten die Bierläufer das Birsköpfli, wo sie die Brücke passierten und auf dem Boden des Stadtkantons ihre Flaschen leer tranken - währenddem die Polizisten sich am anderen Birsufer vergewissern konnten, dass sich der einstige Grossevent in der Bedeutungslosigkeit verloren hat. Ganz zur Freude der Polizei. Ihr Sprecher hatte am Abend keinen einzigen Zwischenfall zu vermelden.