Die Senioren der Grauen Panther Nordwestschweiz schütteln ungläubig den Kopf: Da wollen mit dem Universitätsspital Basel (USB) und dem Kantonsspital Baselland (KSBL) die beiden grossen öffentlichen Spitäler der beiden Basel fusionieren, doch das dritte öffentliche Haus bleibt aussen vor: das Felix Platter Spital (FPS). In den letzten Wochen immer vehementer fordert der Senioren-Verein, dass das FPS in das Mega-Projekt des Universitätsspitals Nordwest integriert wird (bz vom 5. Juni).

Das kommt nicht von ungefähr, ist doch das Felix Platter das wichtigste Zentrum für Altersmedizin der Region. Gleichzeitig werden im Rahmen der Spitalfusion die akutgeriatrischen Betten auf dem Bruderholz gestrichen.

Die Sorge der Senioren steigt, dass das altersmedizinische Angebot nach der Fusion schlechter sein wird als heute. Dies konnten die beiden Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (BS) und Thomas Weber (BL) bisher auch nicht ganz entkräften. Für die Grauen Panther wirkte es wie eine Ausrede, als Engelberger an ihrem Podium Anfang Juni sagte, das FPS müsse sich erst auf seinen eigenen Neubau konzentrieren, der im April 2019 eröffnet werden soll. «Dann auch noch Teil der Fusion zu sein, wäre für das Spital zu viel», so der CVP-Regierungsrat.

Integration des FPS kommt später

Erstmals meldet sich nun das Felix Platter Spital selbst zu Wort. Und CEO Jürg Nyfeler stellt gegenüber der bz klar: «Das war keine Ausrede von Lukas Engelberger. Wir befinden uns in einer intensiven Neubauphase, welche die volle Aufmerksamkeit und die Ressourcen der Führungspersonen und der Mitarbeitenden erfordert. Dies betrifft unser gesamtes Haus und alle Abläufe, nicht ‹nur› einzelne Gebäude oder einen Standort.» Komme hinzu, dass das FPS nicht dieselben IT-Systeme wie USB und KSBL verwende, was die gleichzeitige Integration in die Fusion zusätzlich erschweren würde.

Doch aufgeschoben heisst nicht aufgehoben, das macht Nyfeler deutlicher denn je: «Wir kooperieren schon heute so eng mit dem Unispital, da wäre die Fusion der nächste logische Schritt.» Zwar habe es bis dato keine offiziellen Gespräche der Verwaltungsräte der drei Häuser dazu gegeben, doch informell würden sich die drei CEOs Nyfeler, Werner Kübler (USB) und Jürg Aebi (KSBL) durchaus austauschen. Er persönlich gehe davon aus, dass die Integration des Felix Platter in einigen Jahren akut wird. «Aber erst, nachdem sich das Unispital Nordwest etabliert hat.»

Nyfeler outet sich als flammender Befürworter der Spitalgruppe. Die Fusion der öffentlichen Spitäler sei der einzig richtige Schritt, entgegnet er jenen, die eher eine lockerere Verbundlösung fordern. Nur so könnten Synergien optimal genutzt werden. Dieses Votum kommt nicht ganz uneigennützig: Er rechnet damit, dass das FPS vom Bettenabbau auf dem Bruderholz – rund 150 Patientenbetten weniger – profitieren wird.

Mit dem Neubau an der Burgfelderstrasse kommen zu den 250 bisherigen noch 40 Betten hinzu. «Zusammen mit dem Adullam-Spital werden wir die Patienten auffangen können», sagt Nyfeler. Dabei kalkuliert er knallhart: «Der ganze Abbau auf dem Bruderholz wird bei uns nicht wieder aufgebaut, das wäre wegen der unsicheren Entwicklung des stationären Bedarfs ein zu grosses Investitionsrisiko.»

Muss Baselland Geriatrie ausbauen?

Ganz grundsätzlich will das Felix Platter künftig mehr Baselbieter Patienten anlocken, liegt doch deren Anteil heute erst bei knapp 20 Prozent. «Gerade Oberbaselbieter Patienten nutzen die Möglichkeit der freien Spitalwahl bei uns noch zu wenig», sagt Nyfeler. Die Spitalfusion würde die Zusammenarbeit mit Baselland viel einfacher machen.

Und dann wird Nyfeler deutlich: «Ein Scheitern der Fusion von USB und KSBL wäre nicht für uns, aber für die Gesundheitsregion ein Problem.» Jeder Kanton würde dann wieder stärker auf sich selbst schauen. Für Nyfeler ist sogar folgendes Szenario denkbar: «Baselland baut dann eine eigene zusätzliche Infrastruktur für Altersmedizin auf.»