Frau Grimbichler, Sie übernehmen das Gemeindepräsidium zu einem – so scheint es – nicht ganz einfachen Zeitpunkt. Was ist in Gempen los?

Eleonora Grimbichler: Den Zeitpunkt der Übernahme des Präsidiums erlebe ich nicht als erschwert durch allfällige Unstimmigkeiten. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und die Einarbeitung braucht Zeit. Von vielen Seiten der Gemeinde erhalte ich Unterstützung; ich erlebe mir gegenüber eine grosse Offenheit. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch den Gemeinderat nehme ich als ein gutes Team wahr, welches offen und lösungsorientiert diskutieren kann.

Von aussen besteht der Eindruck, das Dorf sei in zwei Teile gespalten. In dieser schwierigen Phase ist das traditionelle Dorffest aufgeschoben. Der alle drei Jahre stattfindende Anlass ist ein Höhepunkt des Dorflebens und kittet die Gemeinde zusammen.

Eine Spaltung in zwei Teile kann ich persönlich nicht feststellen. Das Nichtstattfinden des Dorffestes nächstes Jahr hat unter anderem damit zu tun, dass die Organisation des traditionellen Gempenfestes mit grossem Aufwand verbunden ist: vielen fehlt einfach die Zeit momentan.

Wie hängt das Projekt Jugendarena mit den Unstimmigkeiten im Dorf zusammen?

Unstimmigkeiten gab es im Zusammenhang mit dem Standort. Die Arbeitsgruppe Jugendarena hat sich sehr für eine breite Kommunikation eingesetzt – sei es mit Artikeln im Dorfblatt, der Zeitung, im Internet oder mit Infoveranstaltungen. Sicher sind auch heute einige Einwohnerinnen und Einwohner über den Standort nicht glücklich. Ich kenne jedoch Gegner des Standortes, die sagen: «Es ist nun so wie es ist.»

Befürworteten Sie auch den jetzigen Standort des Pumptracks, der nun gebaut wird?

Ich habe für den jetzigen Standpunkt gestimmt.

Es ist die Rede davon, dass sich die «Alte Garde» nicht damit abfinden könnte, dass nun Jüngere an die Macht gekommen seien. Bei den Gemeindewahlen 2017 mussten die etablierten Ortsparteien FDP und SP je einen ihrer beiden Sitze abgeben. An ihrer Stelle gewann die SVP einen zweiten Sitz und die Freie Liste Gempen (FLG) zog erstmals – mit Ihnen – in den fünfköpfigen Gemeinderat ein. Per Juli verlor die FDP auch das Gemeindepräsidium. Veränderte dies zu viel aufs Mal in der Gemeinde?

Der Ausgang der Wahl 2017 war eine Überraschung. Gempen hat sich verändert in den letzten Jahren, viele Zuzüger engagieren sich im Dorf. Ich denke, es ist normal, dass politische Strukturen, die lange Zeit bestanden haben, auch einmal ändern können. Das heisst nicht, dass die Vorgänger ihre Arbeit nicht gut und gründlich gemacht haben.

Ein Leserbriefschreiber in der bz schreibt, die Zustände im neugewählten Gemeinderat seien «gravierend» – weil sich die jungen Leute ungenügend in die politische Arbeit eingearbeitet hätten.

Die Personen, die zurückgetreten sind, sollten sich zu ihren Gründen selber äussern.

Weshalb und von wem werden die neuen politischen Kräfte angefeindet?

Ich persönlich bin bis jetzt zu keinem Zeitpunkt angefeindet worden. Als ich mich bereit erklärte, das Präsidium zu übernehmen, habe ich mit den Präsidien der anderen Parteien gesprochen, bevor ich mich offiziell dafür zur Verfügung stellte. Sie haben mir alle ihre Unterstützung zugesagt.