Das war eine Abfuhr für Caroline Mall persönlich. Ihre Partei, die SVP, hat in Reinach ein Wählerpotenzial von rund einem Drittel der Stimmberechtigten. Doch bei der gestrigen Doppelersatzwahl in den Gemeinderat erhielt sie von insgesamt 6505 gültigen Stimmen weniger als jede vierte, nämlich 1431.

Gewählt wurden Christine Dollinger (SP) mit 1920 Stimmen und Doris Vögeli (BDP) mit 1880 Stimmen. Dollinger und Vögeli überschritten damit das absolute Mehr von 1627 Stimmen. Für die Besetzung der beiden freien Sitze wird also kein zweiter Wahlgang nötig. Mall hingegen blieb auf der Strecke, ebenso die parteilose Therese Stalder, für die sich 1137 Wähler entschieden.

Als fast einzige Reinacher Einwohnerrätin hatte Mall in der Asylheimaffäre ein forscheres Vorgehen als der Gemeinderat gefordert. Im Rücken hatte sie die «Basler Zeitung», die dem Gemeinderat «Vertuschung» vorwarf. Im Wahlkampf hatte sich Mall als diejenige Kandidatin dargestellt, die als einzige sage, was andere denken würden.

Sie stellte in Aussicht, als Gemeinderätin Druck zu machen, damit in der Asylaffäre aufgeräumt werde. Doch das entsprach offensichtlich dem Wunsch nur eines kleinen Teils der 32,3 Prozent der Reinacher, die ihr Wahlrecht wahrnahmen.

«Reinach will den Status quo»

Mall selber versuchte gestern gar nicht erst, ihr klares Scheitern in Abrede zu stellen. «Es ging bei dieser Wahl um meine Persönlichkeit, und ich bin nun mal ein Enfant terrible.» So gefalle sie sich selber persönlich, «aber offensichtlich nicht einer Mehrheit». Reinach wolle den Status quo. Es gehe der Gemeinde offenbar immer noch zu gut, «da ist kein Platz für eine Frau Mall im Gemeinderat».

Lieber nicht spekulieren

Insofern ist sie sich mit Doris Vögeli einig. Diese sagte, sie engagiere sich seit 17 Jahren in Reinach. «Deshalb kann ich sagen: Reinach ist für eine gemässigte Politik. Man will im Gemeinderat Leute, die Konsens wünschen.» Über Mall sagt sie, in dieser Wahl habe jede Kandidatin selber wissen müssen, wie sie sich positioniere.

«Es ging bei dieser Wahl um meine Persönlichkeit, und ich bin nun mal ein Enfant terrible. So gefalle ich mir persönlich, aber offensichtlich nicht der Mehrheit.» Caroline Mall nicht gewählte Kandidatin der SVP für den Reinacher Gemeinderat

«Es ging bei dieser Wahl um meine Persönlichkeit, und ich bin nun mal ein Enfant terrible. So gefalle ich mir persönlich, aber offensichtlich nicht der Mehrheit.» Caroline Mall nicht gewählte Kandidatin der SVP für den Reinacher Gemeinderat

Vögeli macht klar, dass der Gemeinderat nach den Wirren um die Asylheimaffäre Kontinuität anstreben müsse. «Wir müssen sicher nicht das Ruder in eine komplett andere Richtung werfen.» Sie will nicht darüber spekulieren, ob sie ihre Wahl bereits im ersten Wahlgang den gemässigten Bürgerlichen verdanke, die Mall nicht gewählt hätten.

Christine Dollinger hingegen ist überzeugt, dass sie von Bürgerlichen verschiedener Parteien Stimmen erhalten hat. In den 13 Jahren, in denen sie Politik mache, habe sie gezeigt, dass sie über Parteigrenzen hinweg Lösungen suche. Punkto Asylheimaffäre setzt auch sie auf Konstanz. «Es sind sich alle einig, dass man jetzt die laufenden Untersuchungen abwarten muss.» Und sie sagt einen Satz, den man vom zurückgetretenen Gemeindepräsidenten Urs Hintermann (SP) bereits mehrfach fast wortgleich gehört hat: Man müsse in der Asylheimaffäre schauen, wo Fehler passiert seien, damit man sie in Zukunft nicht wiederhole.

«Hoffnungsschimmer» für BDP

Damit wird klar: Mit den zwei neuen Mitgliedern wird sich die Stossrichtung des Reinacher Gemeinderats kaum ändern – auch wenn die SP einen ihrer beiden Sitze von vornherein aufgegeben hat. Trotzdem hinterlässt die Wahl in der Reinacher Politikwelt Spuren. Die parteilose Therese Stalder lässt offen, ob sie nach ihrem «erfreulichen Ergebnis», wie sie selber sagt, in die Lokalpolitik einsteigen will. Für die kantonale BDP ist die Wahl Vögelis ein Lichtblick. Sie wird die einzige Vertreterin der BDP in einem Baselbieter Gemeinderat sein. «Das ist für uns enorm wichtig», sagt Marc Bürgi, Präsident der Kantonalpartei. «Vögeli ist für uns ein Hoffnungsschimmer.»

Und die vom Reinacher Wahlvolk desavouierte Caroline Mall? Sie sagte, sie wolle sich jetzt vermehrt auf ihr Amt als Landrätin konzentrieren.