Möglichst viele der Anwiler Haushalte sollen in der Woche vom 10. bis 14. September auf Elektromobilität umsteigen. Das strebt das «Experiment Anwil 2050» an. 100 Elektrofahrzeuge stehen zur Verfügung. «Derzeit sind 92 Teilnehmende gemeldet. Das ist eine gute Penetrationsrate», freut sich Gemeinderat Marcel Koenig. Negative Rückmeldungen hätten sie keine erhalten.

«Gibt eine neue Perspektive»

Die Aufgabe, Energie zu sparen, sei per se nichts Attraktives, meint Koenig. Aber wenn man später sehe, was dies für den Nutzer effektiv bedeute und gar keine Einschränkung sei, sondern bloss «etwas anderes», gebe das einen gewissen «Spirit», ist der Anwiler Vizepräsident überzeugt.

Während einer Woche wird täglich in E-Autos, auf E-Töffs und E-Bikes gefahren sowie gemeinsam in Shuttles ein Teil des Arbeitswegs zurückgelegt. Damit sollen der Horizont erweitert und das Bewusstsein gestärkt werden, wer von wo nach wo mit einem neuen Vehikel fährt, zu dem man noch keinen persönlichen Bezug hat. Dies eröffnet laut Marcel Koenig «interessante Möglichkeiten von Mitfahrgelegenheiten. Das gibt eine neue Perspektive.»

Das Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Elektra Baselland (EBL) entstanden, welche die Elektrofahrzeuge verleiht und in Anwil Ladestationen installiert, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Die EBL bietet zudem kostenlose Energieberatung an. «Auf politische Themen wird aber nicht eingegangen», stellt Koenig klar. Mit einem Wettbewerb für E-Solar-Autos werden die Jungen miteinbezogen. Diese basteln in der Schule in 15 Gruppen die Modelle selber. Für die Senioren stehen Elektro-Rischkas bereit, damit sie auf diese Weise chauffiert werden können.

Zum Schluss der Event-Woche steigt am 15. September ein grosses E-Mobility-Fest. Dazu werden rund 700 Besucherinnen und Besucher erwartet. Höhepunkt ist ein Konzert des Schweizer Sängers Luca Hänni, der 2012 als Gewinner der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» bekannt geworden ist. Tags zuvor geht eine Podiumsdiskussion zu Energiethemen über die Bühne.

«Experiment Anwil 2050» ist selbsttragend. Für Teilnehmende und Gemeinde, die bloss die Plattform zur Verfügung stellen muss, entstehen keine Kosten. Diese tragen Sponsoren. «Telebasel» dokumentiert die ganze Woche und sendet täglich, zum Abschluss wird ein längerer Zusammenschnitt mit den Highlights ausgestrahlt.

Umfrage gab Anstoss

Das Energie-Projekt in Anwil nahm seinen Anfang mit einer Bevölkerungsumfrage, welche die Energiekommission unter dem Vorsitz von Marcel Koenig durchgeführt hatte. Dabei sollte ausgelotet werden, wie gross der Wille der Bevölkerung ist, Nachhaltigkeit selber zu leben. Wie ist man bereit, die vom Volk beschlossene Energiestrategie 2050 des Bundes zu antizipieren? Auf diese Frage wollen die Anwilerinnen und Anwiler jetzt eine Antwort geben.

«Wir haben festgestellt, dass unsere Dorfbevölkerung überdurchschnittlich grün ist», erzählt Koenig. An einem Infoanlass vergangenen Dezember gabs eine Konsultativabstimmung mit dem Resultat, dass «ein grosses Mehr» diese Idee weiterverfolgen wollte. Mit dem Kontakt zur EBL konkretisierte sich das Projekt. «Experiment Anwil 2050» ist das Resultat davon.