Auf den Basler Urs Schweizer folgt an der ACS-Spitze der Baselbieter Andreas Dürr. Wird sich damit der Fokus Richtung Land verschieben?

Andreas Dürr: Nein. An der Ausrichtung ändert sich nichts. Der ACS beider Basel, der seinen Sitz übrigens in Muttenz hat, hat Mitglieder aus der gesamten Nordwestschweiz und war schon immer in beiden Basel stark.

Wie viele Mitglieder hat der ACS in den beiden Basel eigentlich?

Wir haben in Stadt und Land ungefähr gleich viele Mitglieder, insgesamt sind es 12'000. Pro Kopf gibt es in keinem Kanton so viele ACS-Mitglieder wie im autokritischen Basel. Der ACS ist hier tief im Bürgertum verankert und blickt auf eine über 120-jährige Geschichte zurück.

Das Klischee besagt: Der TCS ist der grosse Verband für Otto-Normalfahrer, der ACS der exklusive Club für den gut situierten Herrn im Jaguar.

Dieser Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen. Wir sind kleiner als der TCS, und der Club-Gedanke ist immer noch ausgeprägt. Das kommt auch von unserer Sportgruppe her. Viele Oldtimer-Fahrer sind zudem ACS-Mitglied. Aber ein elitärer Verein sind wir von unserer Mitgliederstruktur sicher nicht mehr.

Welches ist Ihr wichtigstes Ziel als neuer ACS-Präsident?

Ich möchte, dass der ACS in der Verkehrspolitik noch entschiedener und pointierter auftritt. Er soll noch stärker zum politischen Sprachrohr der Automobilisten der Region werden. Die Probleme auf den Strassen haben sich in den vergangenen Jahren akzentuiert. Damit will ich aber keinerlei Kritik am bisherigen Präsidenten Urs Schweizer üben. Diese Kritik würde ja auf mich zurückfallen: Ich war in den letzten 14 Jahren ACS-Vizepräsident.

Mit der aktuellen Verkehrspolitik in beiden Basel sind Sie unzufrieden?

Das ist so. Der Fokus liegt vor allem in der Stadt zu stark auf der Förderung des Langsamverkehrs.

Der Kanton Baselland gilt hingegen als strassenbau-freundlich.

Es gibt im Baselbiet wie in der Stadt eine Blockade im Strassenbau. In den vergangenen zehn Jahren ist eine einzige neue Strasse gebaut worden: die A 22 zwischen Pratteln und Liestal, bezahlt notabene via Sonderfinanzierung von den Autofahrern. Ansonsten hat sich das Strassennetz seit den 1980er-Jahren kaum verändert. Und dies, obwohl Bevölkerung, Wirtschaft und Mobilität stark gewachsen sind.

Seit 1990 hat im Baselbiet die Zahl der eingelösten Fahrzeuge um über 60 Prozent zugenommen, in Basel-Stadt waren es im selben Zeitraum trotz prononciert autofeindlicher Politik ebenfalls 20 Prozent. Der Zustand mit den täglichen Staus auf der A 2 ist unhaltbar.

Was muss denn nun passieren?

Dass Bund und Kantone den Rheintunnel bauen wollen, ist zu begrüssen. Dieser wird aber zu knausrig geplant: In zwei Röhren mit je nur einem Fahrstreifen und einem Pannenstreifen. Wir brauchen keine Entlastung, keinen Bypass für die Stadtautobahn, sondern eine vollwertige Umfahrung von Basel. Das wäre ein Tunnel mit mindestens vier Fahrspuren. Der Schänzli-Tunnel wird während sieben Jahren saniert, aber ohne jegliche Kapazitätserweiterung. Es wäre sinnvoll, eine Redundanz, etwa einen Entlastungstunnel von der A 2 Richtung A 18, zu bauen. Was ich begrüsse: Dass der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels bei der Stadttangente Handlungsbedarf erkannt hat und sich für den Gundelitunnel einsetzt.

Mehr Strassen gleich mehr Verkehr.

Das ist das Mantra von Rot-Grün – und prima vista nicht aus der Luft gegriffen. Allerdings: Der Umkehrschluss, mit dem Verzicht auf neue Strassen Mehrverkehr verhindern zu können, ist falsch. Die Zunahme der Mobilität ist eine Tatsache und lässt sich nicht einfach mit den Wunschträumen aus dem rot-grünen Lager wegbringen.

Sie wollen einfach mehr Strassen.

In diese Ecke lasse ich mich nicht stellen. Wichtig ist im städtischen Raum eine klare Hierarchisierung der Strassen. Dann bin auch ich für die grossen öV-Projekte wie das Herzstück. Verkehrssysteme funktionieren nur im Verbund. Es braucht beides, auch den motorisierten Individualverkehr. Deshalb wehre ich mich, wenn die Verkehrsträger gegeneinander ausgespielt werden.

Der ideologische Kampf Strasse vs. Schiene wird mit der Zunahme an Elektroautos an Bedeutung verlieren.

Ich hoffe es. Ich befürchte aber, dass die Auto-Gegner auch künftig gegen den Individualverkehr schiessen werden. Einige Vertreter aus dem rot-grünen Lager wollen aus Prinzip keine Autos in der Stadt. Wenn das Argument Abgase und Lärm einmal wegfällt, dann wird man die Autos bekämpfen, weil sie in der Stadt Platz benötigen. Was mich positiv stimmt: Die Einschränkungen fürs Gewerbe und die Autofahrer stossen auch in der Stadt immer stärker auf Kritik.