Der Gelbringfalter ist wieder da. Besser gesagt: Er war nie wirklich weg. Aber man hat ihn nicht mehr wahrgenommen, weil die Bestände im Baselbiet stark zurückgegangen sind. Nun wurde der Falter mit dem speziellen Ringmuster auf den Flügeln in Waldenburg wieder gesichtet. Das erste Mal seit 88 Jahren, wie das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain mitteilt. Und das Überleben an diesem Ort war mit viel Glück verbunden.

Bräunliche Flügel mit hellem Rand begrenzt, schwarze, gelb umrandete Flecken: So sieht ein Gelbringfalter aus. Eine Flügelspannweite von rund fünf Zentimeter zeichnet ihn zudem aus. Seine Vorlieben: lichte Wälder und Blütennektar. Und als Raupe mag er am liebsten Gräser. Doch genau die lichten Wälder — oder eben deren Verschwinden — liess den Gelbringfalter fast aussterben. Heute ist der Falter in der Schweiz stark gefährdet, die zweithöchste Gefährdungsstufe, bevor er als ausgestorben gilt. Die Art ist zudem europaweit unter Schutz gestellt.

Zu viel Schatten

Und schuld ist, wer hätte es gedacht, wiedermal der Mensch. Wie so oft nicht aus reiner Boshaftigkeit, sondern als Nebeneffekt seines Einwirkens auf die Natur. Ein Rückblick: Der Wald sah im Mittelalter noch ganz anders aus als heute. Mehr Licht, weniger hohe Bäume, viel Gras und etwa auch Orchideen waren damals zu finden. Und weil es im Mittelalter weniger Weideflächen gab, trieben die Bauern ihr Vieh in den Wald.

Dieses tat sich gütlich an der Flora und der Wald litt darunter. Das ökologische Gleichgewicht stimmte schon bald nicht mehr, wie Paul Imbeck vom landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain erklärt. «Das war ein eigentlicher Raubbau am Ökosystem», sagt er. Und weil dies so war, ging es dem Wald je länger, je schlechter.

Ab anfangs des 20. Jahrhundert liess der Mensch deshalb die Bäume länger wachsen. Zirka 150 Jahre lässt man die Bäume heute stehen. Das half zwar dem Wald, dafür wurde der Gelbringfalter um seinen Lebensraum gebracht. Denn die hohen Bäume bringen viel Schatten auf den Waldboden und das mag diese Schmetterlingsart gar nicht. Sowie übrigens auch die Jura- oder Aspisviper nicht, welche ebenfalls gefährdet ist.

Noch mehr Gelbringfalter?

Seit längerer Zeit sei in den Kantonen Solothurn und Aargau der Gelbringfalter gesichtet und dementsprechend auch geschützt worden, erklärt Imbeck. Seit diesem Jahr läuft zudem ein Programm von Pro Natura Schweiz, das genauer untersuchen soll, ob es im Nordwestschweizer Jura noch weitere Vorkommen gibt und welches Umfeld das Überleben der Gelbringfalter begünstigt.

In Waldenburg hatte der Falter wohl sehr viel Glück. Denn im Naturschutzgebiet Chapfflüeli hat der Kanton Baselland im Rahmen des seit 1998 laufenden Projekts Naturschutz im Wald einen grossen Teil des Gebiets in einen lichten Wald nach mittelalterlichem Vorbild umgewandelt. Allerdings ohne Waldweide.

Die Fläche wird jedoch gemäht, um seltene Pflanzenarten zu fördern. Nun also mit einem angenehmen Nebeneffekt: Der Lebensraum der Gelbringfalter bleibt erhalten. Paul Imbeck sagt, dass die tagaktiven Falter an diesem Ort die Jahrhunderte überdauert haben dürften. «Die Art ist nicht dafür bekannt, sehr mobil zu sein», so Imbeck.

Eine Immigration aus dem nahegelegenen Naturpark Thal, wo bereits ein Projekt zum Schutz des Falters durchgeführt wurde, sei deshalb eher unwahrscheinlich. Imbeck geht davon aus, dass durch die Massnahmen in Waldenburg der Falter dort überlebt.