Das Projekt Rebberg-Zinggibrunn des Naturschutzvereins Muttenz sieht verschiedene Massnahmen zur Aufwertung des Muttenzer Rebbergs und zur Erhaltung des Lebensraummosaiks vor. 280 Quadratmeter neue Trockenmauern sind geplant, was sowohl ökologisch, als auch ästhetisch eine Bereicherung bedeutet. In den vergangenen drei Wochen haben Zivildienstleistende unter der Leitung von Fachpersonen der Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz (SUS) die ersten zwei Trockenmauern aus Kalkbruchsteinen aufgebaut, welche morgen Freitag fertiggestellt werden.

Neue Lebensräume schaffen

«Mit den Trockenmauern wollen wir neuen Lebensraum für Flora und Fauna schaffen, die eher auf magere, trockene Standorte angewiesen sind. Denn bei all den überdüngten Böden werden diese zunehmend verdrängt», erklärt Martin Erdmann, Projektleiter und treibende Kraft im Naturschutzverein. Da Trockenmauern ohne Mörtel errichtet werden, bieten die Zwischenräume in den Steinen Schlupfwinkel für Kleintiere und Insekten und Platz für spezifische Pflanzen. Ausserdem werden Höhlen für Igel, Nisthilfen für den Wiedehopf und Nischen für Wildbienenkästen in die Mauern integriert.

Unmittelbar vor den Trockenmauern wird auf einem Streifen von jeweils ein bis zwei Metern Breite der fette Oberboden abgetragen und mit einer speziellen Kiesmischung für Magerboden überdeckt. Dadurch können dort Pflanzen wachsen, die nährstoffarmen Boden bevorzugen. Für die Winzer, deren Rebflächen unterhalb der Trockenmauern liegen, bietet dieser Streifen eine ideale Wendefläche für die Bewirtschaftungsgeräte. Durch das Wenden der Maschinen wird der Boden immer wieder aufgelockert.

Schlupfwinkel für Kleintiere

Gefährdete heimische Arten werden im Rebberg schon seit Beginn des Projekts gefördert. Bereits 2013 wurden Nisthilfen für Turmfalken und Schleiereulen in der Projektzone platziert. Erdmann führt selber Inventar über die vorhandenen Vogelarten im Rebberg. «Vögel kann man relativ einfach ausmachen, da man sie auch an ihrem Ruf erkennt. Durch das Vorkommen bestimmter Vogelarten lässt sich auf eine ganze Lebensgemeinschaft aus Tieren und Pflanzen schliessen.» Nicht nur Brutplätze für Vögel werden geschaffen. Kleinstrukturen, wie Holzstapel, Steinhaufen, Sandgruben und so weiter bieten auch Igeln, Wieseln, Eidechsen, Schlangen, Kreuzkröten, Feuersalamandern und manch anderen Kleintieren Unterschlupf und Überwinterungsplätze. Der erstaunlichen Vielfalt im Muttenzer Rebberg wird liebevoll Sorge getragen.

Langfristige Verträge

Martin Erdmann will die langfristige Wirkung seines Projekts sicherstellen. Die Bewirtschafter der betroffenen Parzellen sind vertraglich verpflichtet, die Pflege der Trockenmauern zu übernehmen und erhalten dafür Biodiversitätsbeiträge. Im Allgemeinen ist die Resonanz der Winzer auf das Projekt positiv. Die Vorteile wiegen laut Erdmann den Aufwand auf. In der Gemeinde Muttenz gebe es vereinzelt Kritik an den Aufwertungsmassnahmen. «Vor allem aus dem bürgerlichen Lager tönen Stimmen, die der Ansicht sind, dass man sich das Projekt nicht leisten könne.», deutet Erdmann an. Doch die 61 Prozent Ja-Stimmen in der Gemeindeversammlung, welche Ende 2015 die finanzielle Unterstützung des Projekts angenommen hat, belegen die Zustimmung in der Bevölkerung.

Nebst der Einwohnergemeinde beteiligen sich auch der Fonds Landschaft Schweiz, Swisslos und die Hermann und Elisabeth Walder-Bachmann Stiftung finanziell an dem Projekt. 32 Prozent der Baukosten für die Trockenmauern übernimmt der Zivildienst, der auch die Arbeitskräfte dafür zur Verfügung stellt. Durch Eigenleistungen tragen auch der Naturschutzverein Muttenz, der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband, BirdLife Schweiz, sowie Winzer und Private zum Gelingen des Projekts bei.