Schon heute ist man mit dem Zug von Basel zehn Minuten schneller in Paris als in Lugano - dabei ist die französische Hauptstadt doppelt so weit entfernt. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember rückt Paris noch näher nach Basel: Die Reisezeit verkürzt sich um 24 Minuten. Dank der neuen Strecke Rhin-Rhône dauert die Reise mit dem TGV nur noch drei Stunden und drei Minuten. Neu verkehren die Hochgeschwindigkeitszüge nicht mehr über Colmar und Strasbourg, sondern über Belfort und Dijon. In Mulhouse halten sie weiterhin.


Die TGV-Strecke Basel-Paris betreiben die Franzosen und Schweizer gemeinsam: mit TGV Lyria, einer Tochtergesellschaft von SNCF und SBB. Die beiden Partnerinnen verstärken ihre Zusammenarbeit. Soeben haben SBB-Chef Andreas Meyer und SNCF-Chef Guillaume Pepy in Paris einen neuen Kooperationsvertrag über zwölf Jahre unterschrieben. Neu erhält die Tochtergesellschaft eine eigene Flotte mit 19 TGV des Typ Pos. Die SBB investieren dafür 100 Millionen Franken. Sie sind mit 26 Prozent an TGV Lyria beteiligt. Bisher war die Tochtergesellschaft nicht im Besitz von eigenen Zügen. Die SBB verfügten nur über drei eigene TGV.

Schneller als per Flugzeug?

Mit dem Ausbau verstärkt die Bahn den Konkurrenzkampf gegen den Flugverkehr. Im letzten Jahr zählte TGV Lyria auf der Strecke Zürich-Basel-Paris exakt 544446 Fahrgäste. Das sind fast 1500 pro Tag. Der Marktanteil der Bahn auf der Strecke Basel-Paris beträgt 60 Prozent. Die übrigen 40 Prozent der Reisenden nehmen das Flugzeug oder das Auto. Die SBB wollen ihren Marktanteil weiter steigern. Die kürzere Reisezeit soll die Fahrgastzahlen in die Höhe schnellen lassen. «Drei Stunden sind eine psychologische Grenze. Diese kann entscheiden, ob man die Bahn oder das Flugzeug wählt», sagt SBB-Sprecher Jean-Louis Scherz.

Die TGV verkehren nicht nur schneller, sondern auch häufiger. Ab Dezember bieten die Bahnunternehmen sechs statt fünf direkter TGV-Verbindungen zwischen Basel und Paris an. Auch die Kapazität wird erhöht: Mit dem Fahrplanwechsel werden auf der Strecke neu doppelstöckige TGV eingesetzt. TGV Lyria baut auch zwischen Genf und Paris aus. Hier hat die aktuelle Offensive bereits Wirkung gezeigt: Die Billigairline Easyjet stellt ihre Genf-Paris-Flüge deswegen ein. Eine ähnliche Wirkung erhoffen sich die beiden Bahngesellschaften für die Flüge ab Basel. Die reine Flugzeit Basel-Paris ist zwar immer noch kürzer. Misst man die Reisezeit aber von Stadtzentrum zu Stadtzentrum, ist die Bahn zumindest gleich schnell.
Die SBB setzen alles daran, dass die neuen TGV so zuverlässig in den Fahrplan integriert werde können, dass sie pünktlich verkehren. Bis jetzt ist das gelungen. SBB-Sprecher Scherz vergleicht die verschiedenen Auslandstrecken seines Unternehmen: «International sind die SBB in Frankreich am pünktlichsten. Hier haben wir keine Probleme wie mit anderen Nachbarländern.» Damit meint er die Bahngesellschaften von Deutschland, Österreich und Italien. Mit den Franzosen stimmt es für die SBB auch finanziell am besten: «TGV Lyria hat sich bewährt. Es ist der Verkehr mit dem Ausland, der am besten läuft. Deswegen investieren wir hier auch.»