Die Rathausstrasse ist für Liestal das, was die Freie Strasse für Basel ist – DIE Einkaufsstrasse. Deshalb soll sie auch möglichst kundenfreundlich daherkommen. Heute ist sie aber ein unansehnlicher Flickenteppich und mit den Trottoir-Kanten links und rechts eine Hürde für Behinderte sowie eine Einschränkung für Veranstaltungen.

Kein Wunder steht die Neugestaltung der Rathausstrasse seit Jahren zuoberst auf Liestals Wunschliste. Seit letztem August ist der Handlungsdruck noch grösser geworden, als der Einwohnerrat ein Postulat von Diego Stoll (SP) und Daniel Spinnler (FDP) einstimmig überwies. Dessen Stossrichtung: Die Rathausstrasse sollte inklusive Leitungen im Untergrund möglichst schnell, benutzerfreundlich und kostengünstig saniert werden.

Etwas mehr als ein halbes Jahr später steht zwar noch kein definitiver Fahrplan, aber das Vorhaben wird greifbarer. Der zuständige Stadtrat Franz Kaufmann sagt: «Das laufende Jahr gehört der Planung, die Ausführung folgt in den Jahren 2016 und 2017.» Als nächster Schritt wird dem Einwohnerrat im Herbst eine Baukredit-Vorlage in der Grössenordnung von drei Millionen Franken unterbreitet.

Eine Zustimmung vorausgesetzt, soll dann nach der Fasnacht 2016 mit den Untergrundarbeiten, das heisst vor allem der Sanierung der Abwasserleitungen und dem Einziehen einer Sauberwasserleitung, begonnen werden. Zwischen Dezember 2016 und März 2017 ruhen die Arbeiten laut Kaufmann, um das Weihnachtsgeschäft respektive die Fasnacht nicht zu stören.

Brutal oder länger leiden?

Danach folgt die Neugestaltung der Oberfläche. Diese soll dereinst aussehen wie jetzt in den Nebenstrassen Kanonengasse und Rosengasse: eine praktisch niveaulose Ebene mit einer kleinen Absenkung gegen die Wasserrinne hin. Während diese aber in den beiden Gassen in der Mitte liegt, soll die Rathausstrasse zwei Rinnen erhalten, je eine in jeder Strassenhälfte. Kaufmanns Begründung: «Wir müssen eine grössere Fläche entwässern und wir wollen mit den beiden Rinnen den Hauptstrassen-Charakter der Rathausstrasse gegenüber den Nebengassen betonen.»

Doch die Detailgestaltung läuft noch. Denn weil Liestal über ein Ortsbild von nationaler Bedeutung verfügt, redet hier auch die kantonale Denkmal- und Heimatschutzkommission mit.

Und mit ins Boot will Kaufmann unbedingt auch das Gewerbe nehmen; eine erste Sitzung mit KMU Liestal findet demnächst statt. Für deren Sprecher Michael Bischof gibt es auch noch eine Alternative zu Kaufmanns Plan: «Die grösste Frage für uns ist, ob man die Sanierung in möglichst kurzer Zeit, das heisst etwa in acht Monaten, durchziehen will, oder ob man auf die weniger brutale, dafür längere Leidenszeit von 18 Monaten setzt.»

KMU selbst ist sich hierzu nicht schlüssig und will noch eine Umfrage bei den Detaillisten lancieren. Für Bischof aber ist klar: «Die Rathausstrasse muss gemacht werden, auch wenn die Bauzeit für Detaillisten und Kunden nicht toll ist.»

Und auch klar ist: Im September 2017 wird die neue Rathausstrasse mit einem Stedtlifest gefeiert. Im Kern-OK sitzen Stadtpräsident Lukas Ott sowie Michael Bischof als KMU- und Daniel Fischer als Vereins-Vertreter.