Das Pferd sass in der zwei Meter tiefen Grube fest. Während die drei Reiter aus Biel-Benken auf der Burg Landskron im benachbarten elsässischen Leymen gegrillt hatten, war eines der drei Pferde abgehauen, eine Böschung hinaufgesprungen und dahinter in ein offenes Gewölbe der Burgruine gefallen.

«Die Besitzer versuchten zuerst, dem Pferd mit Heuballen eine Kletterhilfe zu bauen. Doch dabei fiel es zweimal wieder in die Grube zurück», erinnert sich Ueli Windisch, Einsatzleiter des Grosstierrettungsdienstes (GTRD) für die Nordwestschweiz.

Bei den amateurhaften Rettungsversuchen der Besitzer sei die Gefahr gross gewesen, dass das bis dahin unverletzte Pferd zu Schaden komme. Die Grosstierretter organisierten hingegen schon während der Fahrt vom Fricktaler Stützpunkt Densbüren den Hoflader eines Leymener Bauern. Zusammen mit dem Kranfahrzeug der Feuerwehr und einem speziellen Tragenetz wurde das Pferd dann ohne Blessuren aus der Grube befreit.

«Das sind natürlich die schönsten Fälle: Das Tier wird befreit; und die Besitzer können es gesund mit nach Hause nehmen», sagt Windisch. Frustrierender seien Fälle, wo der Tierarzt im Einverständnis mit dem Besitzer die Tötung des Tieres beschliesst. Spektakuläre Fälle wie jener in Leymen machen aber nur zehn Prozent der Einsätze der Grosstierretter aus: In der überwiegenden Mehrheit transportiert Windischs Team kranke oder verletzte Tiere.

Ein solcher Transport kostet den Besitzer schnell mal 500 bis 1500 Franken oder mehr, je nach Distanz und Aufwand, erzählt Windisch. Die Patienten sind deshalb in erster Linie Pferde: Der Wert einer Kuh zum Beispiel sei relativ gering, sodass sie bei Verletzungen eher notgeschlachtet als verarztet werde. «Das Pferd hingegen ist ein Familienmitglied; da leisten sich die Besitzer viel mehr, wenn es verletzt oder krank wird.»

Dennoch rette der GTRD immer wieder auch unverletzte Kühe aus Güllelöchern, seltener auch Schafe und Ziegen. Exotischste Patienten waren unter anderem ein Nashorn sowie im vergangenen Frühjahr Elefant Yoga im Basler Zoo. GTRD-Gründer Ruedi Keller entwickelte für den Dickhäuter ein eigenes Transportnetz.

Der GTRD wurde vor 17 Jahren als Interessensgemeinschaft gegründet; die Mitarbeiter tun ihren Dienst ehrenamtlich. Windisch arbeitet in Densbüren mit nur drei Kollegen zusammen. Er wäre deshalb froh über Verstärkung. Doch die Anforderungen sind hoch: Die Tierretter müssen sehr flexibel sein, auch in der Freizeit – ebenso ihre Arbeitgeber: «Wir machen das aus reiner Liebe zum Tier. Wirtschaftlich gesehen lohnt sich der Einsatz nicht.»

Alarmiert wird der GTRD über eine eigene schweizweite Notruf-Nummer direkt vom Besitzer oder von der Feuerwehr des jeweiligen Kantons. Im Baselbiet ist die Nummer bei den kantonalen Rettungskräften «hinterlegt», wie Windisch sagt. So war es auch vor einigen Jahren die Feuerwehr, die den GTRD hinzuzog, als in Muttenz ein Pferdestall brannte. «Wir übernahmen zusammen mit dem Tierarzt die Triage und die Erstversorgung der Tiere, sodass sich die Feuerwehr aufs Löschen konzentrieren konnte.»

Stützpunkte gibt es derzeit ausser im Fricktal in den Kantonen Zürich, Sankt-Gallen, Bern und Ticino. Es wird zudem versucht, in Lausanne und im Engadin einen Stützpunkt aufzubauen, was sich jedoch laut Windisch als recht schwierig erweist: «Wir können den medizinischen Teil nur in Zürich ausbilden; die Entfernung ist da für ehrenamtliche Helfer sehr gross.» Ausserdem flössen alle Spendengelder in den Erhalt der bestehenden Infrastruktur. Dennoch bleibt es Ziel des GTRD, in Zukunft die ganze Schweiz abzudecken.