Im Oktober hoffen die meisten Menschen, noch so viele Sonnentage zu erhaschen wie irgendwie möglich. Bei den Pilzlern ist das etwas anders. Sie warten auf Regentage. «Hätte es in den letzten Tagen nicht noch geregnet, hätten wir kaum Pilze für die Ausstellung gehabt», sagt Franziska Maler, Präsidentin des Vereins für Pilzkunde Laufental-Thierstein. Der Verein präsentierte an seiner Pilzausstellung in Zwingen vergangenes Wochenende eine riesige Auswahl an Pilzen aus der Region sowie aus dem Jura und dem Emmental.

Auf Schultischen wurde ein langes Moosbeet angelegt und mit viel Liebe zum Detail mit allerlei Material aus dem Wald garniert. Die Besucher konnten so quasi einem Streifen Waldboden entlang laufen und die schön hergerichteten Pilze darauf bestaunen.

Die Namen der Ausstellungsobjekte, die zwei Tage zuvor noch alle im Wald standen, kommen zuweilen einer Sprachübung für Schauspieler gleich: Gerippter Ritterling, Sparriger Schüppling oder Seidiger Risspilz sind nur einige kurlige Beispiele.

Tod durch Leberversagen

Zu jedem Pilz gab es auf Infotäfelchen den vollständigen lateinischen Namen und Angaben darüber, ob er zum Verzehr geeignet oder giftig ist. Gar mit einem Totenkopf versehen war der grüne Knollenblätterpilz. «Wer diesen Pilz isst, hat erst einmal Durchfall und muss andauernd erbrechen», erzählt die frisch gebackene Pilzkontrolleurin Susanne Lüthi. «Nach einer kleinen Ruhepause tritt dann Leberversagen auf, und nur noch eine Transplantation kann dem Patienten das Leben retten.»

Neben einigen Exemplaren des Publikumslieblings und ebenfalls giftigen Fliegenpilzes gab es auch jede Menge geniessbare Pilze zu sehen. Erstes Gesprächsthema unter den Sammlern ist die derzeit schwache Ausbeute beim Gang durch den Wald. Insbesondere der trockene Sommer führte dazu, dass an Orten, wo die Pilze sonst spriessen, heuer kaum etwas zu finden ist. Das könne sich allerdings schlagartig ändern, beruhigt Franziska Maler. Wenn es regnet und der Boden genügend feucht ist, würden Pilze innerhalb von zwei bis drei Tagen wachsen. «Das geht so schnell, man kann ihnen fast beim Wachsen zusehen.»

Allerdings sei auch ein allgemeiner Rückgang bei den Pilzvorkommen auszumachen. Dazu führten neben den witterungsbedingten Faktoren insbesondere Veränderungen im Forstwesen. Schwere Maschinen und Fahrzeuge beschädigen das Myzel, die fadenförmigen Zellen des Pilzes im Boden. Und weil die meisten Pilze in Symbiose mit einem Baum leben, sei es für diese verheerend, wenn ein Baum gefällt werde. «Von einer einzigen Baumfällung», sagt Maler, «sind Pilze im Umkreis von 500 Metern betroffen.»

«Unglaubliche Vielfalt» 

Aus Sorge um einige schützenswerte Exemplare appelliert die Pilzkundlerin an die Sammler, nur die Pilze zu sammeln, die man kenne und die anderen stehen zu lassen. Bei Unsicherheit solle man jeweils nur einen Pilz und nicht die ganze Gruppe zum Kontrolleur bringen. Wichtig ist, dass man jeweils den ganzen Pilz mitsamt Substrat, einer dünnen Schicht des Bodens, mitbringt. Den giftigen weissen Knollenblätterpilz unterscheidet man vom Champignon unter anderem anhand einer Knolle am Ende des Stiels. Die Verwechslung zwischen diesen beiden Pilzen führt zu den meisten Pilzvergiftungen hierzulande.

«Für mich ist die Welt der Pilze eine einzige Wunderwelt», schwärmt Maler. «Es ist die unglaubliche Vielfalt an Formen und Farben, die mich an den Pilzen so fasziniert. Ein weiterer Sammler stimmt mit ein: «Beim Sammeln ist man getrieben vom Entdeckerinstinkt und geniesst zugleich die Natur, die frische Luft und die Ruhe.»