Die Röschenzer reiben sich derzeit die Augen, wenn sie den Dorfkern besuchen. Das Zentrum der Laufentaler Gemeinde ist nicht wiederzuerkennen. Früher unattraktiv, strahlt es seit wenigen Tagen weit über die 1900-Einwohner-Ortschaft hinaus.

An der Oberdorfstrasse standen lange Zeit ein in die Jahre gekommenes Bauernhaus und eine ungenutzte Kegelbahn. Von der einstigen Tristesse ist bei unserem Besuch nichts mehr zu spüren. In den vergangenen Monaten entstanden hier die Röschenzer Hofgärten, die in der Region ihresgleichen suchen. Der schmucken Überbauung sind ein Café und eine Spa-Landschaft mit Sauna und Floatingbecken angegliedert, die der Öffentlichkeit offen stehen.
Gleich nebenan befindet sich das Restaurant und Hotel Röschenzerhof, das sich in den letzten Jahren zu einem Geheimtipp für Feinschmecker mausern konnte. Seit 2014 bietet das Lokal eine exquisite Küche zu eher gehobeneren Preisen.

Vereinsamung entgegenwirken

Bei einer grossen Skulptur, die ein wenig an die Werke von Jean Tinguely erinnert, holt uns Béatrice Speiser ab. Die Baslerin ist Geschäftsführerin der Inspiranda AG, welche sowohl das Restaurant als auch die Überbauung mit knapp 20 Wohnungen verantwortet. «Unsere Wohnungen richten sich vor allem an ältere Menschen. Sie sind rollstuhlgängig und rollatorgerecht», sagt sie. Die bisherigen drei Mieterinnen und Mieter seien alle im Pensionsalter. Sie könne sich aber gut vorstellen, dass sich auch Familien oder Paare hier wohlfühlen.

«Die Hofgärten sind kein Altersheim», betont Speiser. Den Mietern stehe es jedoch frei, Dienstleistungen wie Kehrichtentsorgung, Waschen und auch Spitex-Dienste in Anspruch zu nehmen. «Oftmals vereinsamen ältere Menschen. Das möchten wir verhindern», erklärt sie im grossen Café. Der Austausch mit der übrigen Bevölkerung solle im Zentrum stehen. Von den Dorfbewohnern habe sie bisher viele positive Rückmeldungen erhalten. Dem pflichtet eine ältere Frau, die seit zwei Wochen hier wohnt, bei: «Alle, die mich besuchten, waren begeistert.» In den Spa-Bereich wage sie sich nicht, da sie wasserscheu sei, sagt die Pensionärin. Aber für die Yogakurse interessiere sie sich sehr.

Von Anfang an hinter das Projekt stellte sich der Röschenzer Gemeinderat. «Die Anlage ist eine Bereicherung für unser Dorf», sagt Gemeindepräsident Remo Oser. Wichtig sei für ihn, dass die Hofgärten mit ihrem Café und ihren Bädern der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stehen. Im Idealfall werde die Überbauung zu einem Begegnungsort.

«Nicht nur für Besserverdiener»

Als wir eine der vielen noch leerstehenden Wohnungen im dreistöckigen Bau besuchen, fällt die obligate Frage zu den Mietkosten. «Unsere Wohnungen sind nicht nur für Besserverdiener gedacht», sagt Béatrice Speiser. Der Mietpreis belaufe sich zwischen 1100 und 2300 Franken.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Rechnung der Inspiranda AG in Röschenz aufgeht. Weit erschwinglicher ist übrigens ein Eintritt in die Bäder. Zwei Stunden kosten pro Person 25 Franken.