Wie heftig streiten die Baselbieter Freisinnigen untereinander? Nationalratskandidat Martin Wagner meint, Sie würden die Vergangenheit der Partei verkörpern.
Hans Rudolf Gysin:
Wenn ich mich nicht täusche, hat Wagner auch bereits Christoph Blocher ähnlich abqualifiziert. Eigentlich habe ich tatsächlich in der Vergangenheit etwas geleistet. Ich bin jetzt 70 und überlasse das Feld gerne Jüngeren.

Heisst das, dass Sie sich in der Tat in der Zukunft nicht mehr für Ihre Partei einsetzen wollen, wie das der «SonntagsBlick» behauptet?
Das ist falsch rübergekommen. Ich bin seit meiner Zeit beim Jungfreisinn immer zur Partei gestanden. Ich bin ein Liberaler: Niemand würde verstehen, wenn ich wegen ein paar Querelen nach 24 Jahren Nationalrat diese Partei nicht mehr unterstützte. Ich stehe nach wie vor zu meiner Partei in meinem Land und in meinem Kanton. Im Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten werde ich auch die FDP-Liste, die demokratisch an einem Parteitag zusammengestellt wurde, unterstützen. Ich bin daran interessiert, dass die Baselbieter FDP ihren Nationalratssitz halten kann. Wir sollten nicht nur von Hans Rudolf Gysin und Martin Wagner reden. Auf der Liste stehen auch die Namen verdienter Parteimitglieder. Ich möchte keine Präferenzen für einzelne Kandidierende nennen.

Sie sind demnach auch gewillt, anders als es auf Internetsites zu lesen ist, Ihr Mandat in Bundesbern bis im Herbst zu Ende zu führen?
In der Tat habe ich EBL-CEO Urs Steiner, der auch zweiter Nachrückender für den Nationalrat wäre, letzte Woche als Gast im Bundeshaus getroffen. Daraus abzuleiten, ich würde ihm meinen Platz übergeben wollen, ist falsch. Ich bin zu lange in der Politik, um mich für solche Spiele herzugeben. Meine Aufgabe werde ich in Bern zu Ende führen. Vor allem für das wichtige Geschäft Bausparen will ich mich noch voll einsetzen.

Wer den bisherigen Wahlkampf der Baselbieter Freisinnigen verfolgt, erhält nicht wirklich den Eindruck, dahinter stehe eine Strategie. Täuscht unser Eindruck: Hat dieser Wahlkampf bisher in der Hauptsache aus den Attacken Wagners gegen die SVP bestanden?
Ich hoffe schon, dass der Wahlkampf eine andere Form annimmt. Heute habe ich vernommen, dass diese Woche – sechs Wochen nach dem Nominationsparteitag – eine erste Zusammenkunft der Kandidierenden stattfindet. Ich empfehle meiner Partei, jetzt das Heft des Handelns in
die Hand zu nehmen. Es braucht eine gute Strategie. Diese kann nicht aus dem SVP-Bashing Wagners bestehen.

Muss sich die FDP von der SVP abgrenzen?
Ich war immer der Meinung, dass die eigenen Qualitäten hervorgehoben werden müssen und nicht nur negativ über die anderen herzuziehen ist. Die FDP soll klare Standpunkte vertreten und sich dort, wo es nötig ist – etwa bei der Personenfreizügigkeit – von anderen abgrenzen. Leider ist es in Bundesbern üblich geworden, dass die bürgerlichen Parteien vor allem ständig auf den anderen Bürgerlichen herumhacken. Ich habe mich in meiner Karriere nie dazu hinreissen lassen, gegen andere bürgerliche Parteien und Personen zu schiessen. In einem Wirtschaftsverband wie der Wirtschaftskammer Baselland ist es wichtig, mit allen bürgerlichen Partnern zusammenzuarbeiten. Ich bedauere, dass Martin Wagner das anders sieht.

Die bürgerlichen Parteien wollen ohne Listenverbindung jede für sich allein in den Wahlkampf ziehen. Ein Handicap?
Die FDP hat es verpasst, sich rechtzeitig für eine Listenverbindung zusammen mit der CVP und der SVP einzusetzen – für eine Verbindung, die sich für die beteiligten Parteien schon bei mehreren eidgenössischen Wahlgängen ausgezahlt hat. Eine Listenverbindung sorgt nur mathematisch dafür, dass die überschüssigen Stimmen im eigenen Lager verbleiben. Leider hat man in dieser Frage der CVP die Federführung überlassen, welche dann im Alleingang eine Allianz der Mitte-Parteien gegründet hat. Nun: Ich kann mit dem Alleingang leben. Man sollte ihn aber jetzt positiv verkaufen.

Glauben Sie, dass die FDP Ihren Sitz auch in der neuen Konstellation halten kann?
Wir werden den Sitz halten können, wenn es den sieben Kandidierenden gelingt, geschlossen aufzutreten und einen gemeinsamen Wahlkampf mit klaren politischen Zielen zu lancieren.