So wirklich begraben ist die umstrittene Südumfahrung noch nicht. Zusätzlich zu den beiden angekündigten Projektvorschlägen zum Entwicklungsraum Leimental-Birseck- Allschwil (ELBA) legte der Regierungsrat gestern überraschend eine dritte Variante vor, die eine Trasse für eine «äussere Tangente» beinhaltet, die von Aesch über Reinach nach Allschwil ziemlich genau auf der einst geplanten Südumfahrung verläuft.

Dabei hatten die Leimentaler Gemeinden, namentlich Oberwils Gemeindepräsidentin Lotti Stokar, bei der letzten öffentlichen Projektvorstellung im Sommer 2012 ein klares Bekenntnis des Regierungsrats gegen die «stadtferne Südumfahrung, wie sie in den 60ern geplant war», gefordert.

Projekt ELBA besteht aus «Umbau» und «Ausbau»

Das Projekt ELBA erarbeitet mögliche Entwicklungen und Herausforderungen für Verkehr, Siedlung und Landschaft in den Jahren 2030 bis 2050 für den Raum südlich von Basel zwischen Dornach und Allschwil. Die Erkenntnisse des Projekts werden in den Kantonalen Richtplan einfliessen. In den vergangenen drei Jahren liess der Regierungsrat in einem Wettbewerb von sechs Planungsteams Projektvorschläge mit unterschiedlichen Schwerpunkten erarbeiten, von denen er zwei dem Landrat zum Entscheid vorlegen wollte.

Tatsächlich sind es nun aber zwei Projekte plus eins, die vom 6. März bis zum 2. Juni zur Vernehmlassung offenliegen. Die Landratsvorlage beinhaltet neben der Festlegung der Variante auch einen Planungs- und Projektierungskredit von 10,8 Millionen Franken.

Die beiden ersten Projekten fassen klar zwei unterschiedliche Stossrichtungen zusammen: Das Projekt «Umbau» will die bestehenden Achsen ausbauen und sieht keine neuen Elemente vor. Der ÖV wird in diesem Modell bevorzugt. Das Projekt «Ausbau» sieht neue Netzelemente zusätzlich zu den bestehenden Verkehrsachsen vor und behandelt ÖV und Individualverkehr gleichberechtigt.

Die dritte Variante, die der Regierungsrat nun dem Landrat zur Annahme empfiehlt, stimmt mit dem Projekt «Ausbau» überein, sieht aber zusätzlich vor, eine Trasse für eine mögliche «äussere Tangente» im Richtplan freizuhalten, die die wichtigsten Wirtschafts- und Wohnzentren miteinander verbinden könnte.

«Südumfahrung war nicht vorgesehen»

Dass dies eine Überraschung ist, bestätigt Kantonsingenieur Oliver Jacobi: «In keiner der ursprünglichen sechs Studien war die ehemalige Südumfahrung vorgesehen.» Dennoch bestreitet er, dass der Regierungsrat die Empfehlungen der Experten ignoriere und die umstrittene Strasse durch die Hintertür wieder in die Planung einführe. Es gehe um eine Sicherung der Trasse im Richtplan, um sich zukünftige Möglichkeiten nicht zu verbauen.

Die Situation sei nicht mehr dieselbe wie vor fünf Jahren, als die sechs Planungsteams den Auftrag erhielten, das vom Kanton geschätzte Wachstum von Arbeitsplätzen und Bevölkerung in die Verkehrs- und Siedlungsentwicklung bis 2050 einzubauen, erklärt Jacobi. «Inzwischen hat der Kanton die Wirtschaftsoffensive gestartet und damit neue Entwicklungen in Gang gesetzt.» Die Regierung wünsche sich deshalb, «die Option offen zu behalten». Da es aber keine Untersuchungen zum detaillierten Verlauf der neuen «äusseren Tangente» gebe, folge die Trasse gemäss der Projektplanung tatsächlich der früher als Bestvariante erarbeiteten Südumfahrung.

Ob, wie und wo die Strasse jemals gebaut werde, müsse dann beizeiten geplant und beschlossen werden, betont Jacobi: «In der Landschaft merkt man solange nichts davon.» Einzige konkrete Auswirkung der Aufnahme der «äusseren Tangente» in den Richtplan sei die Tatsache, dass das für die Trasse reservierte Gelände nicht bebaut werden dürfte. Jacobi ist sich aber sicher, dass die Trassenführung der alten Südumfahrung damals nicht über bestehende Bauzonen vorgesehen war. Allerdings, gibt Jacobi dennoch zu, müssten die Gemeinden Platz für die Zubringerstrassen reservieren: «Das kann durchaus mal ein Einkaufszentrum oder ein Wohnhaus verhindern.