Es war für viele Zirkusfans ein Schock: Der Circus Nock verkürzt seine Tournee 2019 massiv. Statt acht Monate geht er nur gut drei Monate auf Tournee, statt im März findet die Premiere in Frick erst Ende Juni statt.

Drei Gründe nannte Zirkusdirektorin Franziska Nock vor einem Monat, als die Pläne für die Verkürzung der Tournee publik wurden. Erstens die gesellschaftliche Entwicklung, die den Zirkussen das Leben schwermacht: Sie kämpfen seit Jahren mit sinkenden Zuschauerzahlen. So ging beim Circus Nock die Zahl der Besucher in den letzten zwei Jahren je um fünf Prozent zurück. «Die vergangene Saison war schwer für uns», bilanzierte sie, die zusammen mit ihren Schwestern Verena und Alexandra den Zirkus in siebter Generation führt.

Zweitens will das Familienunternehmen das tourneearme Jahr auch dazu nutzen, um diese Entwicklung abzufangen und den Zirkus für die Zukunft zu trimmen. Drittens führt Franziska Nock das Jubiläum ins Feld. 2020 wird der älteste Schweizer Zirkus 160 Jahre alt – und das soll gebührend gefeiert werden. Die Verkürzung der Tournee sei notwendig, «weil wir einfach die finanziellen und zeitlichen Ressourcen brauchen, um für die Jubiläumstournee ein hochkarätiges Programm auf die Beine zu stellen.»

Nock umschreibt die Herausforderung mit einer Zirkus-Metapher: «Wir jonglieren mit vielen Bällen in der Luft.» Man arbeite an der aktuellen Tournee, plane das Jubiläum und suche «nach kreativen Ideen, um Zirkus wieder näher an die Schweizerinnen und Schweizer zu bringen, die sich in den letzten Jahren anderen Formen von Entertainment zugewandt haben». So wolle man sich Schulklassen, Altersheimen und Unternehmen öffnen, «die auf diese Weise Zirkusluft schnuppern und sich wieder einen Zirkusfloh ins Ohr setzen lassen können».

Auftritte für Firmen und Private

In diese Strategie passt auch das Gastspiel vom Wochenende, für das der Circus Nock sein Chapiteau auf der Zirkuswiese in Frick für die Mitgliederversammlungen der Raiffeisenbank Regio Frick aufschlug. «Anlässe wie diese gehören zu unserer Strategie, den Zirkus zu öffnen für neue Zielgruppen wie Unternehmen mit ihren General-, Kunden- oder sonstigen Versammlungen und Veranstaltungen.» Die Zirkusdirektorin ist überzeugt: «Sie können aus der Magie der Zirkuswelt Inspiration schöpfen und ihren Stakeholdern unvergessliche und originelle Erlebnisse bieten.»

Eine tragende Rolle will der Zirkus auch künftig spielen. «Unser Anspruch als ältester Zirkus der Schweiz ist es, die Magie, die der Zirkuswelt innewohnt, in die Zukunft zu führen», umschreibt Franziska Nock die Zielsetzung. Es gehe immer noch um Entertainment, «aber wir werden Zirkus neu interpretieren und neue Themenwelten schaffen, die alle Sinne einbeziehen: Farben, Aromen, Musik.» Man experimentiere derzeit und sei selber gespannt, was daraus entstehen werde.

Eine Herausforderung bei der Zusammenstellung des diesjährigen Programms war, Artisten zu finden, die sich für eine halbe Saison verpflichten lassen. «Aber wir haben mit unserer langen Tradition und mit unserer Nock-Dynastie im Rücken eines der besten Netzwerke zu grossartigen Artisten und Künstlern auf internationalem Niveau», so Nock. Gestartet wird die Tournee 2019 am 22. Juni in Frick. Die Artisten werden rund zwei Wochen vor Tourneestart eintreffen.

Viele der Gemeinden, die Nock in den letzten Jahrzehnten immer wieder ansteuerte, müssen in diesem Jahr auf ein Gastspiel verzichten. Natürlich seien viele der Gemeinden, die im verkürzten Tourneeplan keinen Platz fanden, enttäuscht, sagt Franziska Nock. «Wir verstehen das. Aber wir müssen in diesem Vor-Jubiläumsjahr mit unseren Ressourcen sehr haushälterisch umgehen, um dafür 2020 umso fulminanter zu unseren Fans in allen Regionen zurückkehren zu können.»

26 Ortschaften steuert Nock in diesem Jahr an. Auffallend dabei: Fast die Hälfte davon liegt im Bündnerland. «Wir sind der einzige Schweizer Zirkus, der regelmässig in Graubünden gastiert», sagt Nock. Dieses Alleinstellungsmerkmal pflege man. «Wir haben in Graubünden daher auch eine sehr, sehr treue Fangemeinde.» Mit Sack und Pack überwindet der Zirkus dabei jedes Jahr drei Alpenpässe. «Einmal vor Ort, lohnt es sich dann auch, in viele verschiedene Spielorte in der Region zu ziehen.»

Unter den Bündner Gastspielorten sind vier im Engadin. «Wir gelten als der ‹Engadiner Nationalzirkus›», sagt Nock. «Unsere Bindung zum Engadin hat eine lange Tradition und ist gegenseitig.» Diese Tradition mit der Moderne zu verknüpfen, ist die Herausforderung, vor welcher Nock steht. Damit es noch lange heisst: Manege frei.