Es ist das Los der nordkoreanischen Sportler: Wenn sie ins Ausland gehen, interessiert sich kaum jemand für die sportlichen Leistungen. Vielmehr erregen sie Aufsehen, weil sie zu den wenigen Auserwählten gehören, die die letzte kommunistische Diktatur je verlassen dürfen.

Welche Weltgewandtheit sich aber im Land des brutalen Herrschers Kim-Jong Il aneignen lässt, liess sogar Alain Charles Legendre stutzen. Der Direktor des Liestaler Hotels Engel, in dem die U19 der nordkoreanischen Nationalmannschaft in dieser Woche residiert, stellt fest: «Verständigungsprobleme gibt es kaum. Viele sprechen Englisch oder sogar Deutsch.» Auch sonst seien ihm kaum Unterschiede zu anderen Teams aufgefallen, die er im 4-Sterne-Hotel beherbergt. «Die Spieler dürfen auch amerikanische Fernsehsender konsumieren. Und im Foyer nützen sie regelmässig das Internet.» Im Gegensatz zu Mannschaften wie dem FC St.Gallen oder dem Grasshopper Club Zürich, die regelmässig im Hotel Engel logieren, fällt ihm nur auf, dass die Nordkoreaner schärfer essen. Dafür hätten sie nicht etwa einen eigenen Koch mitgenommen. Die Tabasco-Flasche in der eigenen Küche sei einfach stärker beansprucht worden als sonst.

«Interview? Unmöglich»

Ansonsten umgibt den spektakulären Gast aus dem Fernen Osten fast schon europäische Langeweile. Von einem strikten mannschaftsinternen Regime hat Legendre nichts mitbekommen. «Sie trainieren einmal täglich und gehen zweimal spazieren.» Wenn überhaupt, räumt der Hoteldirektor ein, dann sei die asiatische Disziplin abends zu spüren. «Wenn sich die Spieler auf die Zimmer zurückziehen, dann herrscht absolute Stille.»

Nur: Der Schein einer normalen Europareise junger Asiaten trügt. Schon vor dem Spiel gegen die U21 des FC Basel macht Kurt Messerli deutlich, dass Journalisten, die über das irrelevante Sportgeschehen hinaus berichten wollten, unerwünscht seien. Trotz mehrmaliger Nachfrage der bz ist ein Kurzinterview mit einem Spieler nicht möglich. Die 16- und 17-Jährigen werden total abgeschottet. «Was sollen die Ihnen erzählen? Es sind junge Männer, die hier einfach nur Fussball spielen und sich für europäische Vereine empfehlen wollen», sagt Messerli.

Der Lupsinger betreut die nordkoreanische Delegation während ihres Aufenthalts in Liestal. Dank geschäftlichen Beziehungen – Messerli vertreibt Plüschtiere – ist er regelmässig im Fernen Osten unterwegs und hat sich in der Diktatur Respekt und Vertrauen geschaffen. Messerli geniesst die volle Unterstützung des Fussballverbandes. «Wenn ich eine Nationalauswahl in Europa spielen sehen will, organisieren sie mir das.» Die internationalen Transferrechte für nordkoreanische Spieler liegen bei dem 63-Jährigen. Die Parteiführer hätten verstanden, dass sie ihre Fussballtalente zu europäischen Klubs schicken müssen. «Hier werden sie technisch und taktisch geschult», sagt Messerli.

«Denen geht es gut»

Auf der Tribüne des Sportplatzes Gitterli sitzen rund 15 asiatische Männer, rauchend und in schwarze Anzüge gekleidet. «Nein, nein, das sind keine Aufpasser», tritt Messerli der Frage entschieden entgegen. Die Gefahr, dass Spieler türmen, bestehe nicht. «Als Fussballer sind sie in ihrer Heimat privilegiert, denen geht es gut. Und sie wissen, dass sie bei einer Flucht vom Weltfussballverband Fifa gesperrt würden.»