Ein gut gehütetes Geheimnis in Ziefen ist gelüftet. Der Bürgerrat liess am Montagabend die Katze aus dem Sack und präsentierte am nördlichen Dorfeingang eine Skulptur mit drei Nünichlinglern in hohen Zylindern und Besenmann. Die hellen Baumstämme dahinter stehen im Kontrast zu den schwarzen Figuren. An der kleinen Feier dabei waren auch drei «richtige» Nünichlingler.

Der Bürgerrat unterliess es – ob bewusst oder unbewusst –, im Verlauf der Vorbereitungsarbeiten die Dorfbevölkerung auf sein Projekt aufmerksam zu machen. Nicht wenige fragten sich: Was soll das? Auch war nie ein Baugesuch publiziert: Der Kanton schob den Ball an die Einwohnergemeinde Ziefen weiter; der Gemeinderat sah sich dafür nicht zuständig, weil das Land im Besitz der Bürgergemeinde ist.

Deren Präsident Dominik Tschopp und Vize Markus Hug, der die Eisenplastik gestaltet hatte, erklärten unisono: Eine Skulptur sei immer eine mutige Sache – es gebe Befürworter wie Gegner. Dass der Ziefner Bürgerrat begeistert ist, versteht sich von selbst. «Sackstark ist diese Skulptur und dass wir den Mut aufgebracht haben, so was auf die Beine zu stellen», betonte Hug. Aus seinen Schilderungen war aber auch zu hören, dass der Gemeinderat vom Vorhaben weniger angetan war. Gemeindepräsidentin Cornelia Rudin und Gemeinderat Patrick Dänzer nahmen in der Gästeschar diese Äusserungen zur Kenntnis, ohne jedoch das Wort zu ergreifen.

«Richtiges Thema erwischt»

Für Tschopp ist klar, dass zu den Aufgaben der Bürgergemeinde gehört, das kulturelle Brauchtum zu unterstützen. Deshalb hätten sie die Nünichlingler thematisiert. Deren Anfänge gehen bis in die 1830er-Jahre zurück (siehe Box). Dominik Tschopp wies auf die Bekanntheit hin und erwähnte Auftritte an der Olma in St. Gallen, am Sächsilüüte in Zürich und am Unspunnenfest in Interlaken. Googelt man im Internet nach «Nünichlingler», stösst man zuerst auf Einträge und Fotos zum Ziefner Brauch. «Auch das zeigt: Wir haben das richtige Thema erwischt», meinte der Bürgerratspräsident. Der Nünichlingler-Brauch war früher im Baselbiet verbreitet.

Die Metallplastik wird während der Nacht beleuchtet, um die mystische Stimmung der Nünichlingler zur Geltung zu bringen. Die Plastik ist pflegeleicht. Die Figuren sind aus zwölf Millimeter dickem Stahlblech entstanden und mit Laser ausgeschnitten worden. Sie sind feuerverzinkt, schwarz beschichtet und wiegen je 300 bis 400 Kilo. Die bis zu fünf Meter hohen Eichenstämme stammen aus dem Ziefner Wald und werden ebenfalls Generationen überdauern. Links neben dem Kunstwerk steht eine Willkommens-Tafel; darunter befindet sich ein genormter Rahmen, wo mit Plakaten auf aktuelle Dorfanlässe hingewiesen werden kann.

Das ganze Projekt kostet die Bürgergemeinde laut Markus Hug rund 25'000 Franken.
Die Idee wurde vor rund zwei Jahren angerissen. Immer wieder gab es Widerstände. Schliesslich rangen sich die Verantwortlichen zu einer Version durch, zu der alle Involvierten Ja sagen konnten.