Das Windkraftprojekt auf dem Schleifenberg ist auf Liestaler Boden einen Schritt weiter: Die Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) hat mit dem Grundeigentümer, der Bürgergemeinde Liestal, einen Standortvertrag abgeschlossen. Mit diesem sichert sich die EBL ab: Wenn sie alle anderen noch offenen Fragen mit Ja beantworten kann – die Abklärungen sind zeitraubend und kostspielig – wird die Bürgergemeinde ihr das Land für die drei Windkraftwerke im Baurecht zur Verfügung stellen.

Die vierte angestrebte Anlage des Windparks käme auf Füllinsdorfer Boden zu stehen. Dort wurde gegen den gleichen Vertrag, den nun die Bürgergemeinde Liestal unterzeichnet hat, das Referendum ergriffen. Die Abstimmung wird am 5. Juni stattfinden.

Langsam laufende Windräder

Ab kommendem Herbst will die EBL nun mindestens ein Jahr lang mit einem Mast den Wind messen. Von den Ergebnissen hängt ab, ob der Windpark rentabel ist. «Wir bauen nur, wenn die Anlage wirtschaftlich ist», betont EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner. «Schliesslich verwalten wir treuhänderisch das Geld unserer Kunden.» In die Wirtschaftlichkeitsberechnungen wird auch einfliessen, wie hoch die Einspeisevergütung des Bundes dann sein wird, wenn man mit dem Bau wirklich loslegen kann. Diese wird sukzessiv, analog zu den Solaranlagen, jährlich gesenkt.

Die Windmessungen werden auch die Grundlagen liefern für den Entscheid, welcher Typ Windkraftwerk infrage kommt. Da es sich im internationalen Vergleich um ein Schwachwindgebiet handelt – dies haben die bereits erfolgten Messungen mit Infrarot ergeben – wird man sich für Rotoren mit relativ langen Flügeln entscheiden, die den Wind auf einer möglichst grossen Fläche ernten.

«Dies bedeutet, dass die Windräder relativ langsam mit 10 bis 12 Umdrehungen pro Minute laufen werden», erläutert Projektleiter Martin Strohmaier. Da das jetzt von der Bürgergemeinde zugesicherte Grundstück fast in Nord-Süd-Richtung verläuft und die Haupt-Windrichtung in der Ost-West-Achse liegt, kämen die drei Anlagen optimal nebeneinander zu stehen, ohne sich gegenseitig den Wind wegzunehmen.

Noch viele Hürden

Doch das ist Zukunftsmusik: «Im Schnitt dauert es in der Schweiz acht Jahre vom Projektbeginn bis zum Baugesuch», berichtet Strohmaier, der unter anderem die Pilotanlage auf dem Nufenenpass realisiert hat. «Und dann kommen noch die Einsprachemöglichkeiten.» Als Nächstes stehen nun Untersuchungen zu Flora und Fauna auf dem Schleifenberg an. Dabei geht es jeweils unter anderem um Vogel-Zugrouten und die Distanz zu den Brutgebieten seltener Arten.

Am Projekt ist neben der EBL, die Erfahrungen mit einem Windpark in Ostdeutschland mitbringt, die Liestaler Genossenschaft Adev beteiligt. Diese hat in Saint-Brais im Jura bereits einen Windpark gebaut und seit Jahren im Betrieb.

Auch wenn sich die EBL nun von der Bürgergemeinde Liestal das Exklusivrecht auf den potenziellen Bauplatz vertraglich hat zusichern lassen: Der eigentliche politische Prozess wird erst einsetzen, wenn es um die Umzonung geht. «Erst dann wird sich zeigen, ob es Opposition gegen den Windpark gibt», meint Steiner. Bisher habe die EBL jedoch in Liestal ein positives Klima der Akzeptanz vorgefunden.