Es brodelt am Erikaweg 1 in Langenbruck. Es schnauben die Baumaschinen. Seit 23. März wird die alte Uhrenfabrik der Revue Thommen in Schuss gebracht – für über eine Million Franken. Entsprechende Kredite hat die Gemeindeversammlung zwar gesprochen: 750000 Franken für den Kauf, 1,25 Millionen Franken für den Umbau.

Im September 2009 schien die bereits damals langfädige Diskussion um fehlende Schulzimmer denn auch endlich beendet und eine Lösung in Sicht. Um dem «akuten Schulraummangel», wie es Gemeindepräsident Hector Herzig damals nannte, entgegenzuwirken, hatte man Kauf und Umbau des alten Fabrikgebäudes beschlossen. Was nun aber für Unmut sorgt, ist, dass aus der ehemaligen Uhrenfabrik kein Raum für die Schule werden soll, sondern ein Kulturzentrum. Die Schülerzahlen seien rückläufig, hiess es letzten Februar plötzlich vonseiten des Gemeinderates.

Herzig: Nicht weiter aufbauschen

«Das hat man aber schon vorher gewusst», entgegnet Andreas Zwahlen, Gemeindepräsident bis 2008. Eine Kommission, die sich mit dem Schulraumproblem befasste, erkannte gemäss Zwahlen bereits Anfang 2006, dass die Schülerzahlen rückläufig waren. Darum vermutet er hinter Herzigs Vorgehen absichtliche Falschinformation: «Dass die Schülerzahlen abnehmen würden, hatten wir schon vorher im Gemeinderat besprochen. Herzig hat wissentlich falsch informiert. Die Faktenlage ist eigentlich klar.»

Herzig entgegnete bereits letzte Woche in der «Basler Zeitung», sich nichts vorzuwerfen und stets transparent kommuniziert zu haben. Auf die Anfrage der bz wollte er keine weitere Stellungnahme abgeben: «Es wurde doch schon alles gesagt, und ich finde, die Sache sollte nicht weiter aufgebauscht werden.»

Nichts mehr mit Demokratie zu tun?

Andreas Zwahlen dagegen kann das Vorgehen seines Nachfolgers weder verstehen, noch gutheissen: «Das hat doch nichts mehr mit Demokratie zu tun.» Sogar den Namen habe man bereits beschlossen, fährt er kopfschüttelnd fort: «KVL. Kultur- und Vereinszentrum Langenbruck. Aber wie viel Kultur kann und darf sich ein kleines Dorf wie Langenbruck leisten?» Herzig spiele sich hier als eine Art Kultur-Papst auf und wolle sich, ganz offensichtlich, selbst ein Denkmal setzen, so Zwahlen weiter, «aber wir haben genug Kultur.»

Darum hat er sich seinem Sohn Alexander und dessen Mitstreiter Andreas Müller angeschlossen, Regierungsrat und Ombudsmann um Hilfe zu ersuchen. Im Eilverfahren forderten sie bereits im Februar das Eingreifen der Regierung. Ihr Brief landete allerdings am falschen Ort, weshalb ein zweiter nötig wurde. Nun fordern sie einen sofortigen Baustopp, eine neue Diskussion über die Kreditvorlage und eine allfällige, neue Abstimmung an der Gemeindeversammlung. «Denn für dieses Projekt», betont Zwahlen, «ist nie Geld gesprochen worden.» Bis Ende Mai hat der Langenbrucker Gemeinderat nun noch Zeit, gegenüber der Regierung Stellung zu nehmen. Schmettert diese die Beschwerde ab, soll das KVL bereits im September eingeweiht werden.