Bei den Plänen der beiden Gesundheitsdirektoren Thomas Weber (BL) und Lukas Engelberger (BS), eine gemeinsame Spitalgruppe zu realisieren, stösst besonders auf Kritik, aus dem Bruderholzspital eine ambulante Tagesklinik für operative und interventionelle Eingriffe zu machen. Bestes Beispiel ist die Initiative «Ja zum Bruderholzspital» (die bz berichtete). Gestern stellte das Initiativkomitee zum Start der Unterschriftensammlung sein Anliegen im Detail vor.

Initiative schützt auch Laufen

Die formulierte Gesetzesinitiative möchte im Baselbieter Spitalgesetz folgendes festschreiben: «Das Kantonsspital Baselland (KSBL) sichert die Grundversorgung in Laufen und die erweiterte Grundversorgung an den Standorten Bruderholz und Liestal im stationären und ambulanten Bereich.» Spätestens bis Ende Jahr möchte man die nötigen 1500 Unterschriften beisammen haben. Dass dies gelingen wird, steht ausser Frage. Schon die Zusammensetzung des Komitees mit ehemaligen Bruderholz-Ärzten, Landräten von links bis rechts, Gewerkschaftsvertretern und engagierten Bürgern zeigt, wie breit abgestützt das Anliegen ist.

Vor allem die emotionale Komponente dürfte schwer wiegen. Der ehemalige Bruderholz-Chefarzt und Komitee-Mitglied Hans Kummer betont allerdings: «Natürlich hänge ich an diesem Spital. Ich habe es schliesslich mit aufgebaut. Doch ich mache das nicht aus Nostalgie.» Es seien in den letzten Jahren Millionen investiert worden und das gut 40-jährige Spital sei längst noch nicht abbruchreif. Es aufzugeben bezeichnet Kummer als «Wahnsinn».

Etwas betonte Komiteepräsident Steffen Herbert, SVP-Politiker aus Reinach, mehrfach: «Wir stehen hinter der Idee der gemeinsamen Spitalgruppe mit Basel-Stadt. Auch richtet sich die Initiative nicht gegen Thomas Weber.» Es sei aber wichtig, dass das Volk über so ein wichtiges Thema entscheide. Was aber auch feststeht, ist, dass der Erhalt des Bruderholzspitals mit erweiterter Grundversorgung nicht kompatibel zu den Plänen der Spitalgruppe ist. Dies bestätigt Jürg Sommer, Leiter des Amts für Gesundheit der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) auf Anfrage erneut: «Das Bruderholzspital kann in seiner heutigen Form nicht bestehen bleiben, da es die dafür anstehenden Investitionen nicht stemmen kann.»

Kanton prüft Kostenbeteiligung

Hierzu bemängeln die Initianten, dass sie trotz Anfrage vom Kanton nie Zahlen gesehen hätten, die dies belegen. Von so einer Anfrage weiss man bei der VGD allerdings nichts. Das Komitee hat durchaus Vorstellungen, wie das Bruderholz innerhalb der Spitalgruppe überleben könnte. «Zurzeit bieten noch zu viele Spitäler hochspezialisierte Medizin an. Diese sollte man aufs Basler Unispital konzentrieren», sagt Kummer. Generell brauche es in der Spitalgruppe eine klare Zuordnung der Leistungsaufträge. So könne eher Geld gespart werden als durch den Umbau zur Tagesklinik. «Das ist auf jeden Fall Teil unserer Überprüfungen», sagt Sommer. Es rette aber das Bruderholz nicht.

Sommer betont, dass noch bis Herbst 2016 geprüft werde, in welcher Form tatsächlich eine Tagesklinik realisiert werde. Doch man sei überzeugt, Geld sparen zu können. Die Initianten hingegen zweifeln, dass überhaupt Bedarf für einen derartigen Ausbau des ambulanten Angebots besteht. Stattdessen befürchten sie einen Bettenmangel in Baselland. «Das Meiste, das man ambulant behandeln kann, wird bereits so gemacht. Den stationären Bereich kann man höchstens noch um ein Viertel reduzieren», sagt Komitee-Mitglied und Arzt Heinrich Schaefer. Das nutzt Olivier Kungler, VGD-Generalsekretär, direkt als Steilvorlage: «Die stationären Spitalkosten betragen in Baselland rund 650 Millionen Franken. Ein Viertel zu sparen, hiesse also noch immer über 160 Millionen Franken.»

Die Initianten wehren sich auch gegen die Verlagerung ins Ambulante, weil sich der Kanton nur im Stationären mit 55 Prozent an den Kosten beteiligen muss. Bei ambulanten Eingriffen zahlen die Krankenkassen respektive der Prämienzahler alles. Doch auch hier stellt Kungler etwas in Aussicht: «Wir klären ab, ob sich der Kanton zumindest übergangsweise auch an den ambulanten Kosten beteiligen kann.»