Mario Bernasconi liegt für neun Wochen in dem Spital, das er retten möchte. Der 75-jährige Rentner, der unter diversen Gebrechen leidet und deswegen auf dem Bruderholz zu den Stammgästen zählt, muss einen Unterschenkel amputieren lassen. Das hält ihn aber nicht davon ab, weiter für sein grosses Ziel zu kämpfen: Dass das Bruderholzspital bei der geplanten Spitalgruppe des Kantonsspitals Baselland (KSBL) mit dem Universitätsspital Basel (USB) nicht zu einer Tagesklinik für rein ambulante Behandlungen umgebaut wird. Dass seine mit 1100 Unterschriften eingereichte Petition im Juni vom Landrat überwiesen wurde, reicht ihm allerdings nicht. «Damit wirklich etwas passiert, soll das Volk über die Zukunft des Bruderholzspitals entscheiden», sagt Bernasconi. Vom Krankenbett aus kündigt er deshalb gegenüber der bz an, nun eine Volksinitiative zu lancieren.

Etwas ist dem gebürtigen Liestaler mit Vergangenheit in der Autopartei dabei wichtig: «Ich bin nicht generell gegen die Zusammenarbeit von KSBL und USB. Diese ist vernünftig.» Doch der Standort Bruderholz müsse unbedingt als vollwertiges Spital erhalten bleiben. Auch die bereits kommendes Jahr geplante Verschiebung der Frauenklinik vom Bruderholz ins Bethesda-Spital (die bz berichtete) gelte es deshalb zu verhindern. Bernasconi sieht sich dabei nicht nur als Kämpfer für die Patienten des Unterbaselbiets, sondern auch für die über 1700 Arbeitsplätze am Standort Bruderholz. Er habe mit Dutzenden Ärzten aus praktisch allen Abteilungen gesprochen: «Die Stimmung ist katastrophal.»

Kundgebung der Ärzte?

Bernasconi befürchtet einen Exodus der Fachkräfte, wie ihn auch die Personalkommission des Bruderholzes in ihrem Protestbrief an die KSBL-Leitung vor einer Woche vorhersagte. Um der Öffentlichkeit die Unzufriedenheit des Personals vor Augen zu führen, schwebt Bernasconi noch etwas anderes vor: «Die Ärzteschaft könnte eine Kundgebung vor dem Spital durchführen. Erste Gespräche habe ich schon geführt.»

Klar ist: Im Gegensatz zur Petition kann Bernasconi die Volksinitiative unmöglich alleine auf die Beine stellen. Die 1500 nötigen Unterschriften dürften weniger das Problem sein. Es mangelt aber am Geld. «Wir werden ein Spendenkonto einrichten, um zumindest die Druckkosten zu decken.» Ein paar tausend Franken müssten dabei zusammenkommen. Aber auch ein schlagkräftiges Initiativ-Komitee fehlt noch. Bernasconi zählt zwar diverse leitende Ärzte auf. Gegenüber der bz bestätigt allerdings erst ein Oberarzt, die Initiative unterstützen zu wollen. Dabei möchte Bernasconi sie bereits diesen Herbst bereit haben.

Der ehemalige Chefarzt Hans Kummer sieht darin Bernasconis Hauptproblem: «Ich stehe der Initiative positiv gegenüber, aber wir sollten jetzt nichts überstürzen. Erst brauchen wir die Unterstützung der Politik, von Fachleuten und Sponsoren. Wenn die Initiative nicht professionell vorbereitet wird, hat sie keine Chance. Wir Privatpersonen können das Anliegen nur anstossen.» Schon alleine den Initiativtext so zu formulieren, dass er der juristischen Prüfung standhalte, sei eine Herausforderung. Erst danach kann mit der Unterschriftensammlung begonnen werden.

Umsetzung wäre schwierig

Auch Bernasconis Hoffnung, mit der Initiative die Planung der Tagesklinik zu verzögern, dürfte vergebens sein. Sowohl beim Kanton wie auch beim KSBL heisst es auf Anfrage, die Arbeiten bis zu einem Volksentscheid weiterzuführen. Sollte das Stimmvolk dann aber den Status quo auf dem Bruderholz verlangen, würde es «mehr als eine grosse Herausforderung», wie KSBL-Sprecherin Christine Frey sagt: «Das wäre natürlich ein deutliches Zeichen und es müsste diskutiert werden, wie man es umsetzen kann. Doch fest steht: Die heutigen Strukturen können sich Kanton und Spital nicht mehr leisten.»