Das 160-Seelen-Dorf Kilchberg, dem ein dreiköpfiger Gemeinderat vorsteht, muss für sämtliche Exekutivmitglieder eine Nachfolge suchen. Für eine faustdicke Überraschung sorgte Gemeinderat Georges Krieg kurz vor Weihnachten, als er seinen Rücktritt auf Ende 2017 bekannt gab. Schon an der Gemeindeversammlung am 1. Dezember hatten Gemeindepräsident Ernst Grieder und Vizepräsident Andreas Imhof ihre Demission per Ende Juni 2018 verlauten lassen. Nun steht die bevölkerungsmässig kleinste Baselbieter Gemeinde vor der Herkulesaufgabe, einen Sitz per sofort und auf Anfang Juli zwei weitere Mandate im Gemeinderat neu zu besetzen.

Georges Krieg, der vier Jahre lang der Kilchberger Exekutive angehört hatte, kam schon im November der erste Gedanke, per sofort aus dem Amt zu scheiden. Damals informierten ihn Grieder und Imhof, dass sie auf Mitte 2018 ihre Ämter niederlegen würden. «Ich wollte mich jedoch nicht schnell und emotional festlegen», erklärt Krieg. Je länger er aber darüber nachgedacht habe und immer wieder von Leuten gefragt worden sei, wie er mit dieser Situation umgehe und was er plane, sei sein Entscheid gereift. Der 47-Jährige hatte Bedenken wegen der Verantwortung, die er als einziger übrig gebliebener Gemeinderat hätte übernehmen müssen. «Wenn ich es im Verlauf des nächsten halben Jahres nicht gepackt hätte, wären die personellen Probleme noch viel grösser geworden.» Er sei ohnehin «sehr gut» ausgelastet. Georges Krieg hat eine Familie mit drei Kindern und ist auch beruflich stark eingespannt.

«Ruck durchs Dorf»

«Mit meiner sofortigen Demission wollte ich gleich einen Strich unter meine Gemeinderatstätigkeit ziehen», betont Krieg und fügt an: «Ich verspreche mir jetzt, dass nun ein Ruck durchs Dorf geht und die Bevölkerung aufgerüttelt wird.» Auch wenn sein Rücktritt die ganze Sache nicht einfacher mache, so glaubt Georges Krieg, dass sich jemanden finden lässt, der ein paar Monate parallel mit Ernst Grieder und Andreas Imhof Kilchbergs Geschicke leiten kann.

Gemeindepräsident Ernst Grieder zeigt sich «überrascht» vom raschen Abgang Kriegs, will dessen Rücktritt aber nicht weiter kommentieren. «Ich hätte es besser gefunden, wenn ein Bisheriger geblieben wäre, um mit zwei Neuen den künftigen Gemeinderat zu bilden.» Für den bald 65-jährigen Grieder kann die neue Situation aber auch eine Chance sein. Drei neue Gemeinderatsmitglieder könnten unbelastet an ihre Aufgaben herangehen und müssten nicht das Gefühl haben, etwas zu übernehmen.

Ernst Grieder verhehlt nicht, dass ihn die schwierige Lage beschäftigt. «Ich habe ein bisschen Angst, dass wir niemanden finden», meint er im Hinblick auf den Wahltermin am 4. März. In den kommenden Tagen wird im Dorf ein Flugblatt verteilt, um interessierte Personen für den Gemeinderat zu gewinnen. Auf den 16. Januar ist ein Informationsabend angesetzt. «Dann schauen wir, ob Leute kommen, und ob sich jemand interessiert», so Grieder. Dieser war bereits von 1992 bis 2002 Gemeindepräsident, Andreas Imhof von 2002 bis 2008. Auf die Frage, ob er sich allenfalls ein drittes Mal für ein Gemeinderatsamt zur Verfügung stellen könnte, antwortet Ernst Grieder zwar kurz, aber umso deutlicher: «Sicher nicht!»