Regula Diehl hat es geschafft. Knapp ein Jahr, nachdem die bz publik gemacht hat, dass die 54-jährige Anwältin und Basler Ombudsfrau für Altersfragen und Spitex im Rennen um die Leitung einer entsprechenden neuen Anlaufstelle in Baselland ist, steht nun fest, dass sie sich durchgesetzt hat. Auf Anfrage bestätigen dies Diehl und die drei beteiligten Baselbieter Verbände. Der Gemeinde- (VBLG), der Heim- (BAP) und der Spitexverband (SVBL) müssen jetzt noch die vertraglichen Details mit Diehl aushandeln und sich untereinander auf die genaue Finanzierung der Ombudsstelle einigen. Auch bedarf es der Zustimmung der BAP-Mitglieder- und der SVBL-Delegiertenversammlung. Ein Scheitern befürchtet aber niemand mehr.

Einige Heime sind skeptisch

Auch der Starttermin steht: Ab dem 1. Januar 2015 soll ein über Jahre bemängeltes Manko im Landkanton behoben sein. Dann erhalten auch Baselbieter Betagte, die in einen Konflikt mit ihrem Altersheim oder ihrer Spitexorganisation geraten, eine unabhängige Anlaufstelle, die zwischen den beiden Parteien vermittelt und schlichtet. «Nicht zuletzt die Häufung von Konflikten in der jüngeren Vergangenheit hat ja leider gezeigt, dass es auch in Baselland eine unabhängige Schlichtungsstelle braucht», sagt VBLG-Geschäftsführer Ueli Kräuchi. Für Lukas Bäumle vom Spitexverband endet nun ein unhaltbarer Zustand: «Wir sind einer der letzten Kantone überhaupt, der noch keine Ombudsstelle für Altersfragen hat.»

Am kritischsten gibt sich der Heimverband. Geschäftsführer Andi Meyer informierte just gestern Nachmittag die Heimleitungen und Stiftungsräte mit einem Schreiben über den aktuellen Stand. «Wir haben als Verband schon viel Überzeugungsarbeit bei unseren Mitgliedern geleistet, doch einzelne Heime sind noch skeptisch.» Der BAP möchte deshalb sicherstellen, dass immer erst alle internen Beschwerdemöglichkeiten ausgeschöpft werden, ehe die unabhängige Ombudsstelle eingeschaltet wird. Auch Diehl ist sich dieser Skepsis bewusst: «Bei einzelnen Heimleitungen bestehen Ängste, dass wir uns zu stark einmischen. Da müssen wir behutsam sein.»

Büro wohl am Rümelinsplatz

Finanziert werden soll die Ombudsstelle, die sich Diehl mit ihrem Anwaltskollegen Martin Dumas teilen wird, von BAP und SVBL. Auch hier hat der Heimverband noch gewisse Vorbehalte: «Wir finden eigentlich, dass sich ebenso Gemeinden und Kanton an den Kosten beteiligen sollten», sagt Meyer. Vom Kanton gibt es dazu aber eine klare Absage: «Die Heime sind Sache der Gemeinden», stellt Gabriele Marty von der Abteilung Alter und Gesundheit der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion klar. Und Kräuchi weist darauf hin, dass die Gemeinden sich indirekt beteiligen, da sie Heime und Spitexorganisationen mitfinanzierten.

Die Kosten bewegen sich in einem überschaubaren Rahmen. Gegenüber der bz legt Diehl ihre Forderung offen: «Ich rechne in Baselland mit Kosten zwischen 60 000 und 70 000 Franken pro Jahr.» Dabei orientiert sie sich an Basel-Stadt. Dort koste der Betrieb zwischen 30 000 und 40 000 Franken. Dies umfasse nicht bloss ihr und Dumas’ Honorar, sondern auch die Infrastruktur und das Sekretariat. Zudem sei es kein Fixum, sondern sie werde jeweils nur «auf Abruf» bezahlt.

Auch ein Büro im Baselbiet?

Den Hauptsitz möchte Diehl in ihrer Anwaltspraxis am Rümelinsplatz haben. Offen ist, ob die Verbände ihr zusätzlich ein Büro in Baselland zur Verfügung stellen oder sie etwa die jeweiligen Gemeindeverwaltungen für Gespräche an neutralem Ort nutzen darf. Bedingung für das Engagement ist, dass die viel beschäftigte Diehl alle Anfragen sorgfältig behandelt. Und Kräuchi betont: «Der Vertrag ist nicht auf Lebzeiten. Jetzt starten wir mal und schauen, wie es läuft.» Von vornherein unbegründet ist die Kritik, dass eine Baslerin für die Baselbieter Stelle ausgewählt wurde. Diehl verrät: «Ich stamme aus dem Aargau – und habe immerhin das Allschwiler Bürgerrecht.»