Nicht nur ein Baselbieter, sondern ein schweizweites Vorzeigeprojekt sei «Obstgarten Farnsberg», sagte am gestrigen Medienrundgang in Ormalingen Suzanne Oberer. Sie muss es als ehemalige Präsidentin des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbands und heutige Präsidentin vom Dachverband Birdlife Schweiz eigentlich wissen.

Doch woran misst man den Erfolg eines solchen Ökologisierungsprojekts? Nimmt man die beiden Vogelarten Gartenrotschwanz und Rotkopfwürger, die beim Start des Projekts vor zwölf Jahren im Vordergrund standen, als Gradmesser, muss man «Obstgarten Farnsberg» als Flop bezeichnen. Denn der Rotkopfwürger, der landesweit um den Farnsberg ein letztes Refugium vorfand, ist seit 2011 auch hier verschwunden. Und ein brütendes Gartenrotschwanz-Paar konnte letztmals 2014 nachgewiesen werden, obwohl Vogelschützer 160 ganz auf diesen Vogel ausgerichtete Nistkästen aufgehängt haben. Die Wissenschaft rätselt über die Gründe.

Auch die Produktevielfalt aus dem Projektgebiet – das ist nur ein Teil – ist beachtlich.

Auch die Produktevielfalt aus dem Projektgebiet – das ist nur ein Teil – ist beachtlich.

Denn gerade der Gartenrotschwanz fände um den Farnsberg einen Garten Eden vor, den ihm zwei Dutzend Bauern aus Buus, Hemmiken, Gelterkinden, Ormalingen und Rickenbach bereitet haben. Dies mithilfe von Vogelschützern, zahlreichen Stiftungen, einem von Birdlife mandatierten Fachberater und last but not least Ökozahlungen vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Dazu ein paar Zahlen: Seit dem Projektstart im Jahr 2004 sind 1500 Hochstamm-Obstbäume und 3600 Sträucher gepflanzt sowie 12,6 Hektaren Blumenwiesen und 2,2 Hektaren extensiv genutzte Weiden angelegt worden.

Insekten als Erfolgsschlüssel

Und es fliesst viel Herzblut. Das gilt auch für jene drei Bauern, die gestern einzelne Aspekte der ökologischen Aufrüstung vorstellten. So meinte Peter Ritter bei seinem Exkurs über die unerlässliche Pflege von Hochstammbäumen: «Am schönsten ist das Baumschneiden im Winter. Dann sind der Baum und ich ganz alleine.» Erich Schweizer freute sich über den gut laufenden Hochstammfrüchte-Absatz, sei es beim Direktverkauf oder dank Coop-Joghurts und Hero-Konfitüren.

Allerdings, so fügte Schweizer bei, seien die Produktionsbedingungen wegen Schädlingen und klimabedingten Pflanzenkrankheiten schwieriger geworden. Und Christian Weber hob die Freiheiten hervor, die ihm «Obstgarten Farnsberg» belasse: «Damit ein solches Projekt eine Chance hat, muss jeder Bauer die Teile, die er umsetzt, in die Produktionsabläufe auf seinem Betrieb einbetten können.» Weber verwies auch auf die zentrale Bedeutung der Insekten. Denn die drei Dutzend Brutvogelarten, die in den Hochstammobstgärten lebten, seien überwiegend Insektenfresser. Insekten leben vor allem in extensiv bewirtschafteten Wiesen. Doch weil Vögel im hohen Gras schlecht an die Insekten herankommen, braucht es in der Nähe der Bäume kurzrasige Stücke und offene Böden. Auch solche Elemente gibt es im Projektgebiet reichlich.

Misst man «Obstgarten Farnsberg» an all den artenfördernden Mosaiksteinen, die sich zu einem abwechslungsreichen Landschaftsbild zusammenfügen, ist das Projekt alles andere als ein Flop. Und es soll noch weitergehen. Der passionierte Vogelschützer Ueli Lanz kündete bis 2018 diverse zusätzliche «Naturoasen» an. Das sind in erster Linie grösserflächige Ast- und Steinhaufen, die von einem Saum umgeben sind, der jährlich nur zur Hälfte gemäht wird. Lanz: «Das ist ein gedeckter Tisch für Vögel und Reptilien.» Vielleicht merkts auch der Gartenrotschwanz.