Lang ists her, seit ich zum letzten Mal bei strömendem Dauerregen gewandert bin. Ich kann mich nur an Schulreisen oder Märsche im Militär erinnern. Gestern geschah es fakultativ. Wie schön doch die Natur auch bei anti-sommerlichem Wetter sein kann. Und kein Jammern wie auf der Schulreise und kein Gemotze wie im Militär bei den rund 40 Leserwanderern. Ganz im Gegenteil: Eine gut gelaunte Schar erkundete die Landschaft zwischen Bubendorf und Lampenberg. Dazwischen erzählte Samantha Freivogel als Wanderleiterin von Baselland Tourismus Wissenswertes über den Eichenwittwald und das Schloss Wildenstein.

Interessant auch, wem man während einer Etappe begegnet. Neben Nationalrätinnen, Landrätin und Grossrat natürlich dem Fussvolk. Dabei ergeben sich unterhaltsame Gespräche. Zum Beispiel mit einem Rentner aus Augst, der im bernischen Wohlen aufgewachsen ist, Metzger gelernt, vier Jahre in Südafrika gelebt hat und seit vielen Jahren im Baselbiet wohnt. Oder mit Max Lüscher aus Wohlen AG, der beim ersten Zwischenhalt spontan einen Vers von «Ein Berner namens ...» zum Besten gab. Applaus.

Glück hatten wir Redaktoren, dass sich Franz Schweizer aus Bretzwil zur Wandergruppe gesellte. Der Hobbyfotograf war dauernd am Drücker, auch abseits der Wege, und schoss viele Fotos. Er stellte uns einige zur Verfügung. Am besten gefällt mir das grosse Foto auf dieser Seite, welches das zwölfte Teilstück des Leserwanderns nicht eindrücklicher dokumentierten könnte.

Vor der Rückkehr machten wir im geschichtsträchtigen Gasthaus Abendsmatt in Lampenberg Halt. Dieses ist dienstags geschlossen. Doch das Personal öffnete das Restaurant für uns Wanderer und verwöhnte uns mit Leckereien. Dies war das Tüpfelchen auf dem i.

Gestern zeigte sich: Auch bei trostlosem Wetter – und das erst noch im Sommermonat Juli – kann die Stimmung beim Wandern fröhlich sein. Denn bei strömendem Regen über nasse Felder und durch tropfende Wälder zu marschieren, erlebt man nicht alle Tage.