Den Maulkorb, den Präsident Paul Hofer bei den Baselbieter Freisinnigen intern verhängt hat, scheinen so manche abzulegen. Nach und nach bekennen jene Politiker Farbe, deren Namen seit Wochen für den Platz neben Bildungsdirektorin Monica Gschwind herumgereicht werden.

Doch es sind keine guten Nachrichten. Es hagelt weiter munter Absagen. Mit einer Ausnahme: Erstmals redet der grosse Unbekannte der FDP, Daniel Recher, Klartext. Der 37-jährige Ziefner tauchte im Februar überraschend als möglicher Kandidat in den Medien auf und wurde von Hofer bereits mit einigem Lob bedacht. Selbst hielt er sich bis jetzt aber noch mit einem klaren Bekenntnis zurück. Nun sagt er auf Anfrage der bz: «Ich bin grundsätzlich interessiert am Amt des Regierungsrats. Ich will Verantwortung übernehmen.»

Innerhalb der FDP tut Recher dies erst seit 2015, als er der Partei beitrat. Dort sitzt er mittlerweile im Parteirat. Politische Ämter in Exekutive oder Legislative kann er nicht vorweisen. «Das sehe ich nicht als Nachteil. Dafür kann ich mit meiner Sicht frische Inputs geben.» Über was Recher dafür verfügt, ist Führungserfahrung – notabene eine Eigenschaft, die Hofer erst vergangene Woche in einem Gastbeitrag in dieser Zeitung als besonders wichtig hervorgehoben hat. Zufall?

Rolf Richterich wägt noch ab

Recher hat an der HSG studiert und sich 2014 mit einer Beratungsfirma im Bereich Zahnmedizin selbstständig gemacht. Zudem stieg er im Militär bis zum Major auf. «Die Regierungsarbeit sehe ich wie jene eines CEO von einer mittelgrossen Firma. In so einem Unternehmen braucht es klare Führungsstrukturen», sagt er. Dass Recher, wie die bz weiss, von einigen gestandenen FDP-Politikern kritisch beäugt wird, lässt ihn kalt. «Wenn sich jemand bewirbt, der besser für dieses Amt geeignet ist als ich, ist das für mich kein Problem. Aber wenn es mich braucht, dann stehe ich bereit.» Am Ende entscheide die Parteibasis.
Und das ist genau die Krux der FDP – und der Vorteil Rechers: Niemand sonst in der Partei hat bisher Interesse bekundet. Fast der einzige bekannte Freisinnige, der noch nicht abgesagt hat, ist Rolf Richterich, Chef der FDP-Fraktion im Landrat. Auch gestern sagt der Laufner: «Ich habe mich noch nicht entschieden.» Er lasse sich auch nicht unter Druck setzen. Immerhin sagt er nun: «Es geht nicht darum, ob ich mir das Amt des Regierungsrats zutraue, denn das tue ich sicher. Es geht um die Frage, ob ich es überhaupt will.» Richterich spricht damit seine berufliche Verpflichtung als selbstständiger Unternehmer mit einer Swimming-Pool-Firma an.

Richtung Recher setzt er gleichwohl schon eine kleine Spitze: «Der Erste macht nicht immer das Rennen.» Und Richterich bestätigt, was viele seiner Parteikollegen ebenso festgestellt haben: Erst seit Kurzem zeigt sich Recher überhaupt an Parteianlässen, was man ihm als berechnend auslegen könnte.

Saskia Schenkers Fokus ist der Beruf

Aber eben: Traut sich niemand sonst in den Ring, bleibt Rechers einziger Gegner die noch offene Parteistrategie. Überlässt die FDP der SVP die Kandidatur für den zweiten Sitz, um die Allianz zu retten oder geht man alleine? Nur Letzteres würde eine Zweier-Kandidatur ermöglichen. Zum Stand möchte Hofer nichts sagen, es mehren sich aber intern die Stimmen, die genau dies fordern, da der wahrscheinliche zweite SVP-Kandidat Thomas de Courten vielen Freisinnigen als nicht wählbar erscheint.

In die lange Liste der Absagen – Balz Stückelberger, Christof Hiltmann, Daniela Schneeberger, Reto Wolf, Christine Frey, Christoph Buser, Markus Eigenmann – tragen sich nun auch Landrätin Saskia Schenker und die Gemeindepräsidenten Mike Keller (Binningen) und Stephan Burgunder (Pratteln) ein. «Ich kann mir keine Kandidatur für die Regierung 2019 vorstellen», schreibt Schenker per SMS aus China. Sie wolle sich auf ihre Arbeit beim Krankenkassenverbands Curafutura konzentrieren. Trotz ihres Engagements in der FDP-Parteileitung liege ihr «Hauptfokus auf dem beruflichen Weg».

Mike Keller sieht kaum Chancen

Und Keller sagt: «Bei den Regierungswahlen 2015, bei denen Monica Gschwind gewählt wurde, war auch ich bereit, anzutreten. Doch jetzt nicht mehr.» Kellers Absage ist taktisch. Er scheint sich nicht verheizen lassen zu wollen, wenn er darauf hinweist, wie schwierig es werden dürfte, den einzigen freien Sitz 2019 für die FDP zu verteidigen. Schliesslich tritt die SP mit einem weitum anerkannten Anspruch auf einen Regierungssitz an. Auch Stephan Burgunder legt seinen Fokus anderswo: «Für 2019 ist eine Regierungskandidatur kein Thema.» Er sei erst seit zwei Jahren Gemeindepräsident Prattelns und wolle dort noch einiges bewirken. Recher bleibt vorerst also konkurrenzlos.