Im Kanton Baselland ist das Rennen um den einzigen Sitz im Ständerat so offen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Zu den Wahlen vom 20. Oktober treten mit Maya Graf (Grüne), Eric Nussbaumer (SP) und Daniela Schneeberger (FDP) drei langjährige und profilierte Nationalräte um die Nachfolge von Claude Janiak (SP) an, der das Baselbiet in den vergangenen zwölf Jahren im Stöckli vertreten hat und nicht mehr kandidiert. Wahlprognosen sind schwierig; so gut wie sicher ist nur, dass keine Kandidatin und kein Kandidat im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreichen wird.

Der Liestaler SP-Nationalrat Nussbaumer startet mit einer Hypothek in den Wahlkampf. Grund ist die Frauenfrage. Nur sechs Politikerinnen sitzen derzeit in der 46-köpfigen kleinen Kammer. Damit ist der Frauenanteil so tief wie seit 1991 nicht mehr. Und er droht im Oktober weiter zu sinken, weil bis auf eine einzige Frau alle Ständerätinnen zurücktreten. «Natürlich ist das ein Thema. Es kann nicht sein, dass der Ständerat zu einem praktisch reinen Männergremium wird», sagt der Baselbieter Grünen-Präsident Bálint Csontos.

Noch nie eine Frau im Stöckli

Auch für FDP-Präsidentin Saskia Schenker spielt die Frauenfrage eine wichtige Rolle – auch weil Baselland noch nie einen weiblichen Vertreter im Stöckli hatte. «Sollte sich dies am 20. Oktober ändern, wäre das ein starkes Signal», sagt Schenker und fügt an: «Frau sein allein genügt aber nicht. Ich wünsche mir natürlich die Wahl von Daniela Schneeberger.» Dasselbe sagt Grünen-Chef Csontos in Bezug auf die eigene Kandidatin Maya Graf, die als Co-Präsidentin des Schweizer Frauendachverbands Alliance F wirkt.

Die Grüne Graf und die Freisinnige Schneeberger sind politisch weit voneinander entfernt, sie funktionieren aber als Persönlichkeiten ähnlich: Beide sind im ländlichen Oberbaselbiet verwurzelt, wirken sehr nahbar und haben auch zu Menschen ausserhalb ihrer Partei einen unkomplizierten Zugang. Vor allem Graf gilt trotz pointiert linker Positionen als Sympathieträgerin erster Güte im mehrheitlich bürgerlichen Kanton. 2015 erzielte sie mit 36'043 Stimmen das beste persönliche Resultat aller Nationalratskandidierenden, obwohl die Grünen nicht einmal halb so viele Parteistimmen holten wie die stärkste Partei, die SVP.

Deren Präsident Oskar Kämpfer sagt: «Ich bin überzeugt: Gegen Maya Graf hat ein Mann keine Chance.» Daniela Schneeberger sei die bestmögliche Kandidatin, um den Ständeratssitz nach zwölf Jahren wieder ins bürgerliche Lager zu holen, fügt er an. Eric Nussbaumer ist als politisches Schwergewicht geachtet und geschätzt, er erzielte 2015 mit 33'306 Stimmen das mit Abstand beste Resultat auf der SP-Liste. Allerdings gilt er – das räumen selbst Parteikollegen hinter vorgehaltener Hand ein – nicht als sehr populär. Bereits zweimal hat er bei Majorzwahlen im Baselbiet eine Niederlage einstecken müssen.

Entscheidend für die Wahl des Ständeratssitzes ist die Stimmung in der politischen Mitte. Es gebe seitens der CVP «positive Signale» für die Unterstützung Schneebergers, sagt FDP-Chefin Schenker. Heute Dienstag diskutiert der Vorstand der CVP über die Ständeratswahlen. Es lägen Unterstützungsanfragen von Daniela Schneeberger und Maya Graf vor, sagt CVP-Chefin Brigitte Müller. Nicht aber von Eric Nussbaumer. CVP-intern geht man davon aus, dass der Parteitag vom 2. Mai in Tradition der bürgerlichen Zusammenarbeit FDP-Kandidatin Schneeberger offiziell unterstützen wird. Graf könnte aber einige Stimmen erhalten. Nicht definitiv ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich ist zudem eine Ständeratskandidatur von CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter.

Nussbaumer baut auf die Agglo

Vieles spricht also gegen Eric Nussbaumer, der am SP-Parteitag vom 4. Mai noch offiziell nominiert werden muss. Graf und Schneeberger haben dies bereits hinter sich. Auch SP-Präsident Adil Koller anerkennt: Es sei richtig, dass die Frage der Frauenvertretung im Ständerat diskutiert werde, genau wie bei den Regierungsratswahlen. Man habe sich deshalb lange damit beschäftigt und sich schlussendlich entschieden, mit Nussbaumer anzutreten. Er sei schlicht jener Kandidat, der im Ständerat mit seiner Vernetzung die besten Resultate fürs Baselbiet herausholen könne, sagt Koller. «Mit seinem grün-sozialen, progressiv-weltoffenen Profil wird er Stimmen bis weit in die Mitte holen.» Vor allem in der Agglomeration könne er damit punkten, ist Koller überzeugt. Tatsächlich holte Nussbaumer im bevölkerungsreichsten Bezirk Arlesheim 2015 am meisten Stimmen aller Nationalratskandidierenden. Diese Stärken könnten – so die Hoffnung der SP – erst recht spielen, wenn sich im mittleren und oberen Kantonsteil Graf und Schneeberger die Stimmen gegenseitig streitig machen.

Die Konkurrenz im linken Lager sieht Koller sportlich. «Im ersten Wahlgang wird sich zeigen, ob Nussbaumer oder Graf mehr Stimmen erhält. Die besser platzierte Kandidatur wird dann weitergezogen – das ist logisch», sagt der SP-Chef. Damit käme es im zweiten Wahlgang zu einem Stechen zwischen dem oder der Linken mit den meisten Stimmen und FDP-Kandidatin Schneeberger. Grünen-Präsident Csontos mag diesen Deal nicht unterschreiben: «Über den zweiten Wahlgang reden wir dann nach dem ersten», sagt er bestimmt.