Während der Weihnachtszeit, wenn in hiesigen Wohnungen Tannenbäume in Brand geraten, ist die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV) gefragt. Wer in den vergangenen 22 Jahren mit dieser Versicherung oder dem Baselbieter Feuerwehrwesen zu tun hatte, kam um eine Person nicht herum: Bernhard Fröhlich. Hier setzte er seit 1994 seinen Stempel auf. Gestern Freitag hatte der BGV-Direktor seinen letzten Arbeitstag. Er zieht sich zurück und geht in Pension.

Fröhlich tritt mit ein bisschen Wehmut ab, weil er sich von langjährigen Mitarbeitern verabschieden muss. Er könne damit gut umgehen und jetzt auch loslassen. Bernhard Fröhlich, Ende August 65-jährig geworden, geht aber mit «sehr guten Gefühlen». In seinem Thurgauer Dialekt sagt er: «Ich habe eine befriedigende Tätigkeit, eine ausgezeichnete Zeit gehabt und kann nun einen gut aufgestellten Betrieb meinem Nachfolger übergeben.»

Guten Riecher für die Zukunft

Er hat viel erreicht als Chef der BGV, die heute rund 70 Angestellte beschäftigt. Das Interkantonale Feuerwehr-Ausbildungszentrum in Balsthal – Fröhlich war einer seiner Väter – zusammen mit der Solothurner Gebäudeversicherung gehört zu den Meilensteinen. Es machte die Ausbildung effizienter. Nun profitieren auch die Kantone Basel-Stadt und Jura davon. Das Zentrum wurde später mit dem Bereich Ausbildung in unterirdischen Verkehrsanlagen erweitert, heute europaweit die Nummer 1 in dieser Sparte.

Das Konzept mit den Verbund- und Stützpunktfeuerwehren im Baselbiet stammt von Bernhard Fröhlich, der immer ein Gespür dafür hatte, in welche Richtung es künftig gehen könnte. Bei solchen Vorhaben stiess er immer wieder auf teils heftigen Widerstand. «Es brauchte einige Jahre, bis es richtig akzeptiert wurde», konstatiert Fröhlich. Heute sei dieses Konzept nicht mehr wegzudenken – auch das neue Feuerwehrgesetz nicht, zu welchem der Landrat seinerzeit einstimmig Ja gesagt hat.

«Musste lernen, geduldig zu sein»

Auf Tiefpunkte angesprochen, muss Bernhard Fröhlich lange studieren – bis er antwortet: «Tiefpunkte im ordentlichen Sinn gab es nicht, bloss Umwege.» Damit meint er den politischen Prozess, der manchmal stattfinden musste. Dieser sei seinem Naturell nicht immer entgegengekommen. Beispiele gefällig: Dem Präventionsgesetz, das nun in den Landrat kommt, gingen ein paar Jahre Arbeit voraus. Auch das Feuerwehrgesetz und das damals umstrittene Projekt Futuro, wo die BGV seit Mitte 2009 ihr Domizil hat, benötigten politische Umwege. «Ich musste lernen, geduldig zu sein.» Solche Abläufe hätten aber auch dazu geführt, etwas nochmals kritisch zu überdenken und Kompromisse zu suchen.

National trat Fröhlich als Präsident der kantonalen Gebäudeversicherungen und der Feuerwehrkoordination Schweiz in Erscheinung. «Dort geht ohne Kompromiss rein gar nichts.» Aber das verlangte auch, dass jemand vorwärts geht und den Weg aufzeigt. 26 Kantone unter einen Hut zu bringen war kein Honigschlecken. Fröhlich setzte sich in seinen Spezialgebieten auch international in Szene.

Ein TLF für fast jedes Dorf

Als fast noch jede Baselbieter Gemeinde ihre eigene Feuerwehr hatte, subventionierte die BGV Materialanschaffungen grosszügig. So kamen viele Feuerwehren zu einem Tanklöschfahrzeug (TLF), was oft Prestige bedeutete. Auch rückblickend findet Bernhard Fröhlich die damalige Subventionspolitik richtig. «Früher waren die Rahmenbedingungen ganz anders. Der finanzielle Druck war noch nicht so gross wie heute und die Personalsituation in den Dorffeuerwehren besser. Zudem war die Autonomie der Gemeinden noch stärker», sagt der scheidende BGV-Direktor. Das Blatt hat sich aber längst gewendet. Hinzu gekommen ist die Internationalisierung von Firmen, die Mitarbeitende eher zurückhaltend fürs Feuerwehrwesen zur Verfügung stellen. Dies führte zu Verbundfeuerwehren.

«Heute ist eine andere Zeit», betont Fröhlich. Es sei eine Generation von Kommandanten am Drücker, die mit Veränderungen gut umgehen könne. Fröhlich gesteht, dass den Feuerwehren heute zu viele Mittel zur Verfügung stehen, weil jede Dorffeuerwehr ihr eigenes Material in die neuen Verbünde mitgebracht hat. Der technische Standard ist hoch, die Verbund- und Stützpunktfeuerwehren sind gut aufgestellt. Dennoch gibt es Überlegungen, auch dies zu überdenken. Eine Frage ist: Wie können die Tagespikette sichergestellt werden?

Mit Kritik und Widerstand geht Bernhard Fröhlich, akkreditierter Mediator und ausgebildet in Konfliktbewältigung und -forschung, positiv um. Er ist ein Freund von Workshops weg von zu Hause, weniger von zwei-, dreistündigen Sitzungen. An mehrtägigen Treffen lerne man sich besser kennen und gelange so in der Regel schneller zu Lösungen, ist Fröhlich überzeugt.

Über das Monopol der Gebäudeversicherung und die tiefen Versicherungsprämien schwärmt Bernhard Fröhlich: «An europäischen Anlässen glaubten mir das Leute aus anderen Ländern zuerst nicht, dass bei uns in der Schweiz ein solches System existiert: versichert gegen Feuer und Elementarschäden 100 Prozent zum Neuwert – und das bis heute ohne Selbstbehalt.» So was gibt es sonst auf der ganzen Welt nirgends. Die tiefen Prämien rühren davon, dass die BGV mit geringen Akquisitionskosten auskommt und die Verwaltung schlank hält.

Mit der interkantonalen Risikogemeinschaft stehen den 17 Gebäudeversicherungen in einem grossen Schadenfall 1,2 Milliarden Franken mit gegenseitiger Verpflichtung zur Verfügung, ohne dafür Prämien zahlen zu müssen. Die Überschwemmungen im Laufental 2007 waren mit 80 Millionen Franken das bisher grösste Schadenereignis im Baselbiet.

Ein weiterer Vorteil der kantonalen Gebäudeversicherungen ist der Risikoausgleich. Damit hat die BGV das Privileg, alle Liegenschaftsbesitzer im Baselbiet zu haben, aber auch alle aufnehmen zu müssen. Laut Fröhlich hat die BGV seit 22 Jahren die Prämien nicht erhöht. Wo gibts das schon?

«Das Geschäft im Griff haben»

Egal, wo Bernhard Fröhlich am Ruder war, er verantwortete immer auch die Öffentlichkeitsarbeit. «Wenn es um Auskünfte geht, will ich eine konzentrierte und klare Meinung des Chefs haben», ist Fröhlichs Devise. Wenn etwas Negatives laufe, müsse ohnehin der Chef geradestehen. Wenn etwas positiv sei, soll er das ebenfalls sagen dürfen. Und jede eingegangene Rechnung ging über sein Pult. Fröhlich will wissen, was wie läuft. «Ich will nicht die Mitarbeiter kontrollieren, sondern das Geschäft im Griff haben.»

Ab Neujahr will sich der Neo-Pensionär vermehrt unter anderem einem Projekt in Marokko widmen. Dort unterstützt er Kinder – «die ärmsten der ärmsten» –, damit sie eine entsprechende Schulbildung erhalten. Bernhard Fröhlich wird auch öfter als Mediator tätig sein, zudem ist er in einem Familienunternehmen als Verwaltungsratspräsident engagiert. Und mehr Golf spielen will er. Aber die Ära BGV ist jetzt vorbei.