Nach Weihnachten könnte Maik Langbein jeweils einen Handel für Weihnachtsschmuck eröffnen. Wenn er die Bäume bei seinen Kunden nach dem Fest wieder abholt, hängen Lametta und Kugeln oft noch dran. Maik Langbein nimmt es jeweils mit einem Lächeln, wenn er die Bäume abschmückt und putzt. Nicht ganz so lustig sind die Sünden der Mieter, die er während Monaten oder Jahren ausmerzen muss. «Es sind genau drei Fehler, die man bei Mietbäumen nicht machen darf: nicht wässern, die Spitze abschneiden, um einen Stern oder etwas Ähnliches draufzustecken, und richtige Kerzen.»

Letztere können die Bäume mit ihrer Hitze und dem Wachs lokal massiv beschädigen. Wachs verschliesst die Nadeln, wodurch die Bäume nicht mehr atmen können. Der jeweilige Ast stirbt ab. Das Abschneiden der Spitze sei aber noch schlimmer, erklärt Langbein. Ohne den Leitast wächst der Baum nicht weiter. Oftmals müsse dann ein anderer Ast hochgebunden und zur neuen Spitze gezüchtet und geformt werden. Dieser Ast fehlt dann im obersten Kranz.

Mit Fantasie, ohne Dünger

Zu stark in die Natur eingreifen möchte Maik Langbein aber nicht. «Jeder Baum hat sein eigenes Leben. Es ist Blödsinn, wenn jemand sagt, er könne die Bäume so richten, wie es ihm gefällt.» 700 Tannen wachsen auf seiner Plantage auf der Höhe zwischen Ziefen und Lupsingen. Nicht jeder Baum eignet sich jedes Jahr als Weihnachtsbaum. Zu Beginn bekamen die Kunden alljährlich den gleichen Baum im Topf nach Hause geliefert. Das war auf lange Sicht nicht mehr machbar. Die Natur habe ihre eigenen Gesetze. Diese mit Chemiedünger auszutricksen komme für ihn nicht infrage, stellt der gebürtige Süddeutsche klar. Ihm geht es beim Weihnachtsbaumverleih auch um den Umweltgedanken. Ob der Verleih wirklich ökologischer ist als das Fällen und Verkaufen, ist jedoch umstritten. Maik Langbein jedenfalls ist überzeugt davon. Ist eine Tanne aus der Weihnachtsbaumgrösse herausgewachsen, pflanzt er sie im Wald der Schwiegereltern aus und sorgt dort für willkommenen Nachwuchs.

Um seine Tannen so schön hinzubekommen, wie sie derzeit bei ihm zu Hause in Ziefen zur Auslieferung bereitstehen, braucht es auch mal etwas Fantasie. Weil Vögel auf der Jagd nach Insekten auf die Baumspitzen sitzen und dabei junge, dünne Äste abbrechen, brachte er als künstliche Sitzplätze auf den Bäumen kleine Plastikstangen an. Mit der Natur, nicht gegen die Natur, lautet Maik Langbeins Maxime.

Lieferung an Heiligabend

Auf die Idee des Weihnachtsbaum-Vermietens kam Maik Langbein durch seine Kinder. Jedes Jahr fällte er mit ihnen im Wald seiner Schwiegereltern ob Ziefen für das eigene Fest eine Tanne. «Die Kinder fragten einmal, ob der Baum denn nicht absterbe, wenn ich ihn abschneide. Das gab mir zu denken.» Zu Beginn vermietete er die Bäume nur im privaten Umfeld. 2015 begann er, die Vermietung mit seinem Einzelunternehmen «Freiraumvision» grösser aufzuziehen. Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr. Langbein setzt dabei voll auf Nordmanntannen. «Alle wollen sie. Ihre Nadeln stechen nicht und sie sind mit ihrem dichten Nadelkleid optisch natürlich sehr schön.»

Es sei die weihnächtliche Freude der Menschen, die ihn das Jahr hindurch antreibe. Um das Weihnachtsfest einer Familie zu retten, lieferte er einst am 24. Dezember um 19 Uhr. Eine halbe Stunde zuvor habe ihn der Mann angerufen, er brauche dringend einen Weihnachtsbaum. Als Maik Langbein diesen spontan in Rekordtempo lieferte, sassen die Gäste bereits am Tisch bei Essen. «Die Frau stand leicht grimmig in der Küche. Ich nehme mal an, da hatte der Mann seine Aufgabe, einen Weihnachtsbaum zu besorgen, schlichtweg nicht erfüllt.»