Er soll Leute angepöbelt, Abfall hinterlassen und hinter einen Billettautomaten uriniert haben. Das sagt der Bottminger Gemeinderat Ernst Bringold (parteilos) über den Mann, der sich seit einiger Zeit im Leimental aufhält.

Er hat nur noch ein Bein, macht einen alkoholisierten Eindruck und schiebt einen Wagen vor sich her, so weitere Beschreibungen. Und vor allem: Er ist obdachlos. Gesichtet worden ist er im ganzen Leimental – so in Ettingen oder in Oberwil, wo er unter der Rampe der Migros übernachtet haben soll.

Sein bevorzugter Aufenthaltsort scheint aber die Tramhaltestelle Bottmingen der Baselland Transport AG (BLT) zu sein. Im dortigen WC übernachtet er oft. Die Kioskbetreiberin hat sich über ihn beklagt, ebenso einige Tramfahrgäste. «Der Mann hat die Angewohnheit, laut zu werden, das wirkt bedrohlich», sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker, der ihm auch schon persönlich begegnet ist.

Dass der Obdachlose Angst einflösse, habe nicht nur mit seiner Verwahrlosung zu tun, sondern auch damit, dass er aufbrausend sein könne. «Verbal und im Auftreten kann er sehr einschüchternd wirken», so Büttiker.

BLT will keine Wegweisungen

Einige Angestellte der BLT beschlossen kurzerhand, an der Bottminger Tramhaltestelle zwei Sitzbänke abzumontieren, um dem Obdachlosen den Aufenthalt zu erschweren. Doch als Büttiker von der bz davon erfuhr, machte er die Massnahme sofort rückgängig. «Wir bestrafen doch nicht unsere Fahrgäste aufgrund des Verhaltens einer einzigen Person», stellt er klar. Die Aktion seiner Mitarbeiter sei zwar gut gemeint gewesen, löse aber das Problem nicht.

Die BLT kontaktierte neben den Gemeinden Oberwil und Bottmingen auch die Kantonspolizei. Diese empfahl, eine Wegweisungsverfügung zu beantragen. Denn die Tramhaltestelle gehört der BLT. Erst dann habe man eine Handhabe gegen den Mann, so die Polizei. «Doch das wäre nur eine Symptombekämpfung», findet Büttiker. «Dann würde der Obdachlose einfach nebenan auf die Bushaltestelle ausweichen, die der Gemeinde gehört.»

Diese könnte wiederum eine Wegweisung beantragen – doch auf ein solches Katz-und-Maus-Spiel will sich Büttiker gar nicht erst einlassen. Trotzdem ist er überzeugt: «Es besteht Handlungsbedarf, es muss eine Lösung her.» Bei der Gemeinde Bottmingen sind zahlreiche Reklamationen über den Mann eingegangen. Er selber beobachtete, wie der Mann zwei Jugendliche belästigt habe. Andere berichten, er habe an einer Feuerstelle am Waldrand Kinder unangenehm angesprochen.

«Einige Personenkontrollen»

In Oberwil hingegen, wo der Obdachlose offiziell angemeldet ist, scheint er sich anständig zu benehmen. «Es gab keine Beanstandungen», sagt Mediensprecher Lorenzo Vasella. «Im Gegenteil: Ihm wird ein anständiges Verhalten attestiert.» Bei den Sozialdiensten der Gemeinde sei er gut bekannt. Laut Büttiker haben die Behörden ihm Übernachtungsmöglichkeiten angeboten, die er aber abgelehnt habe.

Laut Bringold überlegt sich der Bottminger Gemeinderat ein dauerndes Aufenthaltsverbot für den Obdachlosen. Er sagt zudem, die Polizei habe ihn schon von der Migros Oberwil verscheucht. Dazu meint die Kantonspolizei nur, dass «im Zusammenhang mit einer männlichen Person ohne festen Wohnsitz aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung in der Region Leimental schon einige Personenkontrollen vorgenommen» worden seien. Sie hält aber auch fest: «Solange eine Person sich oder andere Menschen nicht gefährdet, gibt es für die Polizei keine rechtliche Grundlage, irgendetwas zu unternehmen.»

Das sieht auch Bringold so. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Niederlassungsfreiheit als Grundrecht. «Der Mann ist ein tragischer Fall», findet er. Eigentlich sei es ihm egal, wie er lebe – «aber er soll anständig bleiben».