Gebaut wird im Oberwiler Eisweiher noch lange nicht. Die Gemeindeversammlung hat aber einen ersten politischen Schritt eingeleitet, damit auf den 56 000 Quadratmetern mitten im Siedlungsgebiet zwei neue Quartiere entstehen können. Die 225 Stimmberechtigten sprachen nämlich den vom Gemeinderat beantragten Planungskredit von einer Million Franken für die Weiterentwicklung von Eisweiher Plus. Dieses Projekt sieht im Dreieck zwischen Marbach und Birsig einen öffentlichen Stadtpark vor, auf dem auch Anlässe stattfinden sollen. Südlich davon soll ein dichtes Wohnquartier mit sozialen Einrichtungen entstehen, die jung und alt zusammenbringen, so die Idee des Gemeinderates.

Die Neubauten auf dem Langmannwerk südlich der Schulhäuser sollen Familien anziehen. Insgesamt sind mehrere hundert Wohnungen vorgesehen. Die Sportplätze auf dem Areal sollen an den Rand der Siedlung, ins Gebiet Entenwuhr, verlegt werden.

Miet- statt Eigentumswohnungen

Die Gemeindeversammlung winkte das Projekt aber nicht einfach durch. In der zweistündigen Diskussion kam ein Unbehagen zum Vorschein darüber, ob und wie Oberwil wachsen soll. «Der Richtplan sagt, man könne, aber müsse nicht die Talsohle entwickeln», sagte ein Stimmbürger. Es sei nicht Aufgabe des Gemeinderats, das Bauen zu fördern, sagte ein anderer. «Oberwil wächst von alleine. Der Gemeinderat soll lieber dafür sorgen, dass die Infrastruktur das Wachstum abfängt.»

Dass in Oberwil gebaut werde, bestritt auch Gemeinderat Christian Pestalozzi nicht – «aber nicht das, was wir Oberwiler brauchen». Wer als junger Mensch in Oberwil bleiben wolle, brauche nicht teure Eigentumswohnungen. Er verteidigte, dass die Gemeinde bei Eisweiher Plus möglichst lange die Führung in der Hand behalten wolle. Eisweiher Plus bestehe aus Puzzleteilen, die es sorgfältig zusammenzusetzen gelte, «sonst fragen wir uns in 40 Jahren, was hier geplant wurde». Landrat Pascal Ryf entgegnete, der Kahlschlag des Dorfkerns in den 1960er-Jahren sei sehr wohl geplant geschehen sei: «Da hätte sich manch einer weniger Planung gewünscht.»

Doch in der Abstimmung setzten sich mit 118 zu 94 Stimmen diejenigen durch, die in Eisweiher Plus eine «geordnete Verdichtung» sahen. Gelobt wurde zudem mehrfach das umfassende Mitwirkungsverfahren. Tatsächlich ist der Planungskredit nur einer von vielen Schritten hin zur Umsetzung des Projekts. Bereits stattgefunden haben diverse Informations- und Teilnahmeveranstaltungen. Man werde die Bevölkerung weiterhin einbeziehen, betonte Pestalozzi.

Bis frühestens 2020 die ersten Bagger auffahren, hat die Gemeindeversammlung noch einige Entscheide zu fällen: Ob das Land verkauft oder im Baurecht abgegeben wird, über mehrere Quartierpläne (das Areal wird in einzelnen Parzellen entwickelt), über diverse Planungs- und Realisierungskredite, etwa für den Park und zur Verlegung der heutigen Sportanlagen. Zudem wird zu klären sein, was mit dem historischen Pavillon und dem Jugendhaus darin geschieht. Nicht auszuschliessen sind schliesslich Urnengänge.

Ein Referendum gegen den Planungskredit war an der Gemeindeversammlung nicht ausdrücklich ein Thema, ist laut Landrat Pascal Ryf aber nicht ganz auszuschliessen.