Der Basler Kostümverleiher Patrick Schlenker ist Obmann von Rost & Grünspan - und läuft selber mit.

Herr Schlenker, zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg marschieren Sie mit ihrem Verein durchs Laufental. Die neutrale Schweiz war aber gar nie in Kampfhandlungen involviert. Warum der Marsch?

Patrick Schlenker: Halt! Wir gedenken nicht des Kriegsendes, wir gedenken der Opfer des Ersten Weltkriegs - allen Opfern des Kriegs. Übrigens gab es auch in der Schweiz viele Tote: Die Bevölkerung hungerte, bei der Armee kam es zu zahlreichen Unfällen und Suiziden, und nicht zuletzt raffte die Spanische Grippe Millionen von Menschen dahin, darunter auch Tausende in der Schweiz.

Sie marschieren in Original-Uniformen und - nicht mehr funktionsfähigen - Waffen der Schweizer Armee. Wie reagieren Passanten auf Ihre «Truppe»?

Die meisten erfreuen sich an unserem Anblick, nicht wenige sprechen uns an. Viele vorbeifahrende Autofahrer hupen. Und da wir ein langes Stück entlang der Bahnlinie Basel - Delémont marschieren, kommt es immer wieder vor, dass uns Zugführer mit Signalhorn grüssen.

Wo hat der Verein die Uniformen beschafft?

Es gibt einen Markt für alte Uniformen. Das Ziel ist, dass sich jedes Mitglied seinen eigenen Satz anschafft. Wir haben zwar einen Stock an Kleidern, diese Stücke sind aber nur zum Aushelfen gedacht. Dabei kommt uns sicher entgegen, dass ich selber einen Kostüm-Verleih betreibe - ich bin also an der Quelle.

Falls jemand eine Uniform erstehen möchte - wie viel Geld muss man ausgeben?

Das kommt auf die Uniform an. Für eine komplette Schweizer Uniform Infanterie aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, inklusive Patronentasche, Bajonett und so weiter, muss man mit etwa 2000 Franken rechnen.

Was ist besonders an den Uniformen jener Zeit?

Sie sind komplett aus Wolle. Im Sommer schwitzt man - im Winter hat man aber nur mässig warm. Und wenn es regnet, wird der Stoff schwer. Und dann war die Herstellung der Uniformen sicher aufwendiger als heute. Jede Truppengattung hatte ihre eigenen Farben am Kragen, ebenso waren die Dienstgrade «eingewoben». Heute ist das ganz anders. Bei modernen Uniformen ist der Grad und der Name mit Klettverschluss-Schildchen angebracht. Diese lassen sich leicht auswechseln.

Wie sieht es mit dem Helm aus?

Wir tragen beim Marsch den sogenannten «Tschako»-Helm aus Leder und Filz. Die Armee benutzte zu Beginn des Ersten Weltkriegs keine Stahlhelme. Die kamen erst 1918. Dieses Jahr tragen wir übrigens die Ausrüstung des Jahres 1913. Nächstes Jahr die leicht angepasste Version 1914. Wir wollen uns schliesslich historisch weiter entwickeln.