Daniel Pedrett, alleiniger Verwaltungsrat und Geschäftsführer der Rohner AG Pratteln, ist ein Entfesselungskünstler. Mehrfach hat die Firma vor dem finanziellen Aus gestanden. Immer wieder fand Pedrett Mittel und Wege, die Gläubiger zu vertrösten und die grössten Löcher zu stopfen.

Ganz düster stand es vor drei Jahren um die Rohner. Das Betreibungsregister zeigte Ausstände von 5,7 Millionen Franken, die Mitarbeiter warteten auf den 13. Monatslohn, bei der Gemeinde waren 500'000 Franken Steuerschulden aufgelaufen und der Kasse der ARA Rhein fehlten gar 1,9 Millionen Franken. Es brauchte eine koordinierte Aktion von Gemeinde und ARA beim Geldeintreiben, um die damals 200 Arbeitsplätze bei Rohner nicht akut zu gefährden.

Pedrett räumte damals Liquiditätsprobleme ein, versprach eine Gesundung, eine Erweiterung des Verwaltungsrates und eine breiter aufgestellte Geschäftsleitung. Personell ist Pedrett weiterhin einziger Verwaltungsrat und das Personalkarussell seines Kaders dreht unvermindert weiter. Anfang dieses Jahres sagte Pedrett dann aber auf Anfrage dieser Zeitung immerhin, die Rohner AG sei schuldenfrei.

Nach vorliegenden Informationen ist sie allerdings nicht frei von Betreibungen. Stand November 2018 lasteten zwanzig offene Betreibungen mit einer Summe von 900'000 Franken auf der Firma. Auf weitere Forderungen in Höhe von 735'000 Franken hat die Rohner AG Rechtsvorschlag eingereicht. Ein Kadermitarbeiter legte im vergangenen Herbst zudem fristlos seine Arbeit nieder, nachdem er Einblick in das Betreibungsregister hatte und ihm drei Monatslöhne «trotz gegenteiliger Zusicherung» nicht bezahlt worden seien, wie er in seinem öffentlich einsehbaren Schreiben erklärt.

Immobiliendeal hilft Rohner

Gemäss dem CreditCheck von Bisnode hat sich die Zahlungsmoral der Rohner AG seit vergangenem Mai jedoch verbessert. Zahlreiche Betreibungen wurden beglichen. Der Bonitätsindex steht zwar weiterhin auf «C», was ein hohes Risiko bedeutet und mit der Empfehlung verbunden ist, Geschäftsverbindungen nur gegen Sicherheiten einzugehen. Überzog die Firma die Zahlungsfristen vor Jahresfrist im Schnitt aber um 35 Tage, waren es im Januar durchschnittlich noch 14 Tage.

Ein strenges Regime führt die ARA Rhein seit Anfang 2017: Abwässer werden vom Chemieunternehmen nur übernommen, sofern die letzte Rechnung bezahlt ist. Sollte es zu einem Verzug kommen, ist das Prozedere festgelegt: Die Rohner AG erhält ein kurzes Zeitfenster, um die Produktion einzustellen, dann wird der Schieber geschlossen und Rohner kann kein Abwasser mehr liefern.

Die finanzielle Entlastung steht nach Marktbeobachtern im direkten Zusammenhang mit dem Verkauf des Areals an die Basler Immobiliengesellschaft Hiag. Diese hat die direkt am Prattler Bahnhof gelegenen Parzellen gekauft und für 15 Jahre an Rohner zurückvermietet.

Pedrett ist kein Chemiker, sondern versteht sich als Firmensanierer, der in einem mittlerweile 13-jährigen Dauermandat versucht, die Rohner auf Erfolgsspur zu bringen. Sein Mandat hatte er von der deutschen Investmentgesellschaft Arques, die 2005 das damals vor der Schliessung stehende Unternehmen zu einem Spottpreis übernehmen konnte. Pedrett baute die Belegschaft zunächst von über 200 Personen auf 140 ab, stockte wieder auf rund 200 Personen auf, beschäftigt heute jedoch nach unbestätigten Informationen erneut rund 140 Personen.

Sanierung als Daueraufgabe

Pedrett ist Rohner erhalten geblieben, nachdem Arques selbst ins Schlingern geraten war. Seit einigen Jahren sind die Besitzverhältnisse unklar, wobei sich Pedrett wie ein Alleineigentümer verhält. Dies tat er allerdings auch schon 2009, als Rohner nachweislich der Wiener ACLA Vermögensverwaltungsgesellschaft gehörte.

Wie stabil die Firma tatsächlich dasteht, weiss wahrscheinlich nur Daniel Pedrett. Wie ein richtiger Entfesselungskünstler hält er aber nicht nur geheim, mit welchen Tricks er sich befreit, sondern auch, wie stark die Stricke eigentlich gebunden sind. Auf Fragen der bz nach den finanziellen Verhältnissen der Rohner AG ist Pedrett nicht eingegangen.