Sie üben sich im Stabhochsprung, testen ihre Reaktion, kräftigen ihre Muskulatur und büffeln Theorie. Die 35 jungen Frauen und Männer aus der halben Schweiz, die sich derzeit in der Sporthalle Stutz in Lausen intensiv mit sporttechnischem Know-how, physischem und psychischem Grundwissen, methodischen Trainingsgrundsätzen, Rhetorik und Sportverletzungen beschäftigen, absolvieren ihre sechstägige Ausbildung zum Jugend+Sport-Leiter (J +S) im Bereich Turnen.

Sie sind Teil von dem, was Regierungsrat Urs Wüthrich am Montag an einer Medienkonferenz am Rande des Trainings als die Basis des Breitensports bezeichnete, die für Spitzenleistungen wie an der Fussball-Weltmeisterschaft oder in Wimbledon erforderlich sei.

Alleine im Kanton Baselland stehen derzeit 4000, meist ehrenamtliche J+S-Leiter im Einsatz, die in über 500 Sportvereinen unterrichten und damit für jährlich rund zwei Millionen Franken Beiträge vom Bund sorgen. Die Aus- und Weiterbildung dieser Leiter sei eine Kernaufgabe des kantonalen Sportamts, rief Wüthrich in Erinnerung.

Dazu gehöre, den Leitern die Kompetenz zum Leiten zu vermitteln und sicherzustellen, dass die Sportler qualitativ guten, attraktiven und innovativen Sport erlebten. Und Wüthrich betonte: «Das ist kein Nice-to-have-Bereich, sondern gesetzlicher Auftrag.» Das Sportamt organisiere deshalb jährlich um die 50 Aus- und Weiterbildungskurse mit 1000 Teilnehmern und werde dabei von über 100 externen Experten unterstützt.

Einer dieser Experten – und das schon seit 35 Jahren – ist der Sportpädagoge Hansjörg Thommen, der auch den laufenden Kurs in Lausen leitet. Er meinte: «Am tollsten ist für einen Leiter, sicher aufzutreten und zu merken, dass er ankommt.»

Thommen machte aber auch auf gesellschaftliche Auffälligkeiten aufmerksam: Der Grundkurs für J+S-Leiter im Bereich Turnen werde vor allem von Frauen besucht, weil sich die Männer mehr der Fussball-Ausbildung widmeten. Doch bei der Weiterbildung seien auch im Turnen die Männer in der Überzahl, weil die Frauen Familienpflichten hätten und oft nicht über die Grundausbildung hinaus kämen.

Thomas König vom Sportamt verwies darauf, dass J+S 1972 mit einem Dutzend Sportarten angefangen habe, heute seien es über 80. Angehende Leiter müssten mindestens 18 Jahre alt sein und «über eine minimale Querschnittkompetenz in den Bereichen Sozial-, Fach-, Selbst- und Unterrichtskompetenz verfügen». Dass gute Leiter unabdingbar sind für die Freude am Sport, weiss Urs Wüthrich auch aus eigener Erfahrung: In jungen Jahren spielte er Eishockey beim SC Langnau und Fussball beim FCZ – nicht Zürich, sondern Zollbrück.