Hildegard Lieberherr nimmt Arnold ganz fest in den Arm und drückt ihn an ihr Herz. «Er ist mein Liebling, denn er kann schnarchen», sagt die Büsseracherin. Nachdem sie mit ihm für die Kamera posiert hat, wandert das Stofftier wieder zurück zu seinen Artgenossen.

Arnold, Tobias, Oskar und wie sie alle heissen, sind Schweine – und für die 61-Jährige so etwas wie Familienmitglieder. Lieberherr sammelt das rosarote Borstentier in allen erdenklichen Variationen und Grössen.

Hildegard Lieberherr, die Säuli-Hildi

Hildegard Lieberherr, die Säuli-Hildi

Musikdosen, Gewürzstreuer, Kaffeetassen und Taschen sind nur einige der Gegenstände mit schweinischem Antlitz. Mittlerweile umfasst ihre Kollektion rund 5000 Stück, wobei aus Platzgründen viele davon in Kisten verstaut sind. Ihre nicht gerade kleine Wohnung im Schwarzbubenland ist nicht gross genug, um alles zeigen zu können. In einem Zimmer hat sie sich ein Museum eingerichtet, das man auf Voranmeldung besuchen kann. Dort können Schweine-Fans die grösste Sammlung der Schweiz begutachten.

Übergewicht wegen Schweinen

«In letzter Zeit habe ich mich schon ein wenig zurücknehmen müssen», erklärt sie. Zudem sei auch der Drang, Schweine zu kaufen, nicht mehr so gross wie Mitte der 1980er-Jahre. Damals hatte sie sich nach einer gescheiterten Beziehung vorgenommen, eine Sammlung anzulegen. «Für das Schwein habe ich mich entschieden, weil ich das Tier sehr mag und es in der westlichen Welt beinahe allgegenwärtig ist.»

Auf Reisen rund um den Erdball hält sie immer Ausschau nach neuen Exponaten. «Irgendwie habe ich es im Gefühl, wenn es irgendwo Stücke gibt, die mir noch fehlen.» In Italien wies sie ihren Ehemann an, eine Passstrasse raufzufahren, da sie im oben gelegenen Bergdorf Schweine vermutete. Und tatsächlich sei sie fündig geworden und mit einer Olivenschale in Schweineform zurück in die Schweiz gereist.

«Es ist auch schon vorgekommen, dass wir wegen Übergewichts am Flughafen mehr bezahlen mussten», erklärt Hildegard Lieberherr. Wobei: Unter ihrem richtigen Namen ist sie im Thierstein und im Laufental vor allem als Hobby-Fotografin bekannt. Wegen ihrer Leidenschaft nennen sie viele einfach Säuli-Hildi.

Auftritte an der Fasnacht

Bei Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern geniesst Lieberherr dank legendärer Auftritte schon lange Kultstatus. Es gibt kaum einen Maskenball in der Region, an dem sie nicht teilgenommen hat. Meist ist sie mit ihren einfallsreichen Schweinekostümen zuoberst auf dem Treppchen gelandet. Häufig veranstaltete sie umjubelte Rennen mit batteriebetriebenen Plüschschweinen und verteilte Popcorn an das Festvolk. «Ich habe gemerkt, dass das Interesse bei der Bevölkerung ein wenig nachgelassen hat», begründet sie, weshalb sie in den letzten Jahren seltener an der Fasnacht anzutreffen war. Sie schliesst jedoch nicht aus, sich wieder zu verkleiden. «Dann gehe ich aber als Magd und nicht wie bisher als Säulibauer.»

Echte Erfahrungen als Schweinehalterin konnte sie Mitte der 1990er-Jahre sammeln, als sie sich für eineinhalb Jahre um ein richtiges Schwein kümmerte. «Als meine Kollektion auf 1000 Stück angestiegen war, schenkte man mir eine Sau.»

Lieberherr zog viel Aufmerksamkeit auf sich, als sie mit dem Tier an einer Leine durch Büsserach spazierte. Nicht nur aufgrund dieser Erlebnisse hat sie dem Konsum von Schweinefleisch abgeschworen.

Sammlung wächst weiter

Auch wenn Hildegard Lieberherr betont, weniger Schweine zu kaufen, liegt genau am Tag unseres Besuches ein neues Sammlerstück in ihrem Briefkasten. «Das Schwein aus Hartplastik, das aussieht wie Marilyn Monroe, stammt von meiner letzten Reise in Australien», sagt sie. Ein Ende der Sammelleidenschaft ist noch lange nicht abzusehen.
Ein Traumobjekt ist ihr jedoch durch die Lappen gegangen: Das Säuli-Drämmli, das einst durch Basel gefahren ist. Dieses ist heute im Schweinemuseum in Stuttgart ausgestellt. «Die Betreiber sind noch schweineverrückter als ich.»

www.piggys.ch