Im weissen Mantel sei er im Cafe Mühleisen in der Ecke gesessen, habe sein Werk am Liestaler Törli begutachtet und nach einer Pause weitergemalt. Felix Mühleisen erinnert sich. Heute führt er das Café gegenüber vom Törli in der dritten Generation – damals, als Otto Plattner 1949 begann, das Liestaler Wahrzeichen neu zu bemalen, war Mühleisen noch ein kleiner Bube. Der bekannte Liestaler Künstler kehrte in seinem letzten Lebensabschnitt an eine alte Wirkungsstätte zurück: Bereits 1902 hatte Plattner die Fassade vom Törli gestalten dürfen.

Bloss 22 Jahre nachdem Plattner eines seiner letzten Werke vollendet hatte, musste dieses 1972 saniert werden. Abermals 46 Jahre später war es wieder soweit. Die Stadt musste das Törli erneut sanieren. «Wie sich bei den Arbeiten herausstellte, hielt die ursprüngliche Farbe nicht gut auf dem Untergrund», sagt der stellvertretende Denkmalpfleger Walter Niederberger. Dies sei ein Problem des Untergrunds und des Farbmaterials, das Otto Plattner verwendete. «Wir haben gewisse Retuschen gemacht, welche die Farbe besser fixieren.»

Fasnacht hinterliess Spuren

Bei der Restauration 1972 hatte man für die Fassade fälschlicherweise eine Dispersionsfarbe verwendet. Diese bildet einen Film und ist feuchtigkeitsundurchlässig. «Glücklicherweise war sie mehrheitlich abgewittert, weshalb wir die Reste gut wegputzen konnten», sagt Niederberger. Mehr Sorge bereitete dem Restaurator Orangensaft, der vom Fasnachtsumzug an einzelnen Stellen an der Fassade haftete und die Arbeiten erschwerte. Auch die Balken im Törli-Bogen werden von den Chienbesen-Feuern jeweils beansprucht. Gemäss Niederberger seien diese gut geschützt, würden aber durch den Chienbesen weiterhin verrussen.

Dachte die Stadt im März noch, kalte Nachttemperaturen oder feuchtes Wetter könnten die Arbeiten verzögern, war das Problem im Hitzesommer ein anderes. «Wir mussten bei die grosse Hitze beachten und teilweise der direkten Sonneneinstrahlung ausweichen», sagt Mirco Gutzwiler, Mitarbeiter der Buess AG, welche die Restauration ausführte. Am Morgen hätten die Restauratoren im Schatten auf der Stedtli-Seite gearbeitet. Nachmittags wechselten sie die Seite. Besonders die Grundierung für die Vergoldung wäre bei starker Sonneneinstrahlung zu schnell angetrocknet, damit das Blattgold hätte haften können. Trotz heissem Sommer gelang die Restaurierung im angepeilten Zeitplan von rund vier Monaten.

Auch Mühleisen restauriert

Während der stramm dastehende Fähnrich am Eingang des Stedtlis wieder vom Gerüst freigegeben ist, finalisieren Restauratoren die Arbeiten vis-à-vis am Cafe Mühleisen. Wie der Cafebetreiber berichtet, soll der Baselbieter Künstler Plattner kurz vor seinem Tod 1951 – im Auftrag von Felix Mühleisens Eltern –auch die Fassade des Eckhauses bemalt haben. Mühleisen nutzte den Anlass der Törli-Sanierung, um auch die Fassade seines Cafes inklusive der Malereien restaurieren zu lassen. Noch diese Woche dürften Bäcker und Serviertochter – einst von Plattner gemalt – in neuem Licht erscheinen. Mühleisen will somit einen Beitrag an einen frisch gestalteten «Törli-Platz» leisten, den er sich sehnlich als «Baselbieter Volksplatz» wünscht.