Was ihn in diesem Zusammenhang immer noch wütend mache, sagt Bruno Schwärzler, «ist der x-mal vorkommende Gummibegriff des sogenannten ‹öffentlichen Interesses›. Wer steht eigentlich hinter diesem öffentlichen Interesse ausser der Kantonalen Denkmalpflege?» Schwärzlers Frust gegen den Kanton sitzt tief: Seit 2010 versucht er, die Genehmigung für eine Solarstromanlage auf dem Dach seines Wohngebäudes in der Hauptstrasse 88 in der raumplanerischen «Kernerneuerungszone» von Zunzgen zu erhalten – vergeblich, wie er gegenüber der bz schildert. Dabei sei das «öffentliche Interesse», nämlich die Gemeinde und seine Nachbarn, durchweg einverstanden mit seinem Vorhaben: «Trotz viel Engagement und Herzblut muss ich leider frustriert feststellen: ausser Spesen nichts gewesen.»

Alternativen abgelehnt

Doch so schwarz-weiss sieht die Chefin der Kantonalen Denkmalpflege, Brigitte Frei, die Sache nicht. Sie sei sogar der Meinung gewesen, Schwärzler habe seine Anlage inzwischen bereits gebaut. Aus ihrer Sicht habe nämlich weder die Denkmalpflege noch die Baurekurskommission (BRK) als zweite Instanz Schwärzler verboten, seine Solaranlage zu montieren. Die Denkmalpflege habe lediglich eine Aufdach-Anlage auf der Strassenseite untersagt. Erlaubte Alternativen wären entweder eine Anlage auf anderen Dächern oder eine Folien-Photovoltaikanlage an der Fassade gewesen; die BRK habe zudem noch eine flache Indach-Anlage auf der Strassenseite zugelassen.

Wenn Frei betont, dass sie sich nur ans geltende Gesetz gehalten habe, ist das in diesem Fall mehr als eine Floskel, weil in der Tat jüngst eine solarfreundlichere Teilrevision des Raumplanungsgesetzes vom Schweizer Parlament verabschiedet wurde. Diese stellt nur noch besondere Gebäude unter Denkmalschutz und formuliert erstmals klar, «die Interessen an der Nutzung der Solarenergie» gehe den «ästhetischen Anliegen grundsätzlich vor». Wie bald die Änderung rechtskräftig wird, hängt davon ab, ob der Schweizerische Gewerbeverband das Referendum ergreifen wird. Deshalb sei es wenig sinnvoll, wenn der Kanton jetzt eine Revision beschliesse und zwei Jahre später eine neue Revision vom Bund komme, erklärt Frei. Sie habe Schwärzler deshalb geraten, so lange abzuwarten: «Das wollte er aber partout nicht.»

Auch SP-Nationalrat Eric Nussbaumer, den Schwärzler anschrieb, hält auf Anfrage den Entscheid der BRK für zumutbar: Mit Auflagen bei Umbauten müsse jeder Bauherr rechnen: «Nur weil es um Sonnenenergie geht, muss man nicht auf Ästhetik verzichten.»

Auch teurere Anlage rentabel

Dabei ist laut Nussbaumer statt Schwärzlers geplanter Aufdach-Anlage auch eine wesentlich teurere Indach-Anlage rentabel, weil es dafür eine entsprechend höhere Vergütung gebe. Schwärzler, der sich nun zwei Jahre lang mit dem Thema beschäftigte, sieht das jedoch anders: «Die überrissenen und wirtschaftlich nicht zu rechtfertigenden Auflagen der BRK sorgten dafür, dass das Vorhaben am Schluss aufgegeben werden musste.»