Wie überall in der Region herrscht momentan auch in Breitenbach österliche Stimmung. Wenn auch ein wenig anders, als das im ländlichen Schwarzbubenland zu erwarten wäre. Der im solothurnischen Oberbuchsiten beheimatete Saunaclub Olymp macht im Thiersteiner Hauptort auf seine Dienstleistungen aufmerksam.

Direkt neben dem Begrüssungsschild an der Hauptstrasse, das die Autofahrer in Breitenbach willkommen heisst, wurde ein Plakat des Clubs angebracht. Neben einer nackten Frau mit roten Lippen und goldenen Hasenohren heisst es dort: «Ostern? Eier lecken! Wenn rasiert...» In der Schwarzbuben-Gemeinde hängt eines von insgesamt 18 österlichen Plakaten des Erotik-Etablissements. Die meisten befinden sich auf der anderen Seite des Passwangs in den Kantonen Solothurn und Bern. Im Raum Basel begegnet man neben jenem in Breitenbach auch jeweils einem in den Oberbaselbieter Ortschaften Buckten, Lausen, Liestal und Thürnen.

Gemeindepräsident findet es stillos

In Breitenbach kommt die Werbung des rund eine Autostunde entfernten Clubs überhaupt nicht gut an. Anwohnerin Esther Lawrence war empört, als sie das Poster vor wenigen Tagen zum ersten Mal sah. «Ich bin weder prüde noch humorlos, aber das Plakat geht mir enorm gegen den Strich», erklärt sie. Das Plakat sei nicht kreativ und originell, sondern einfach nur plump und vulgär. Gerade in der Karwoche sei es deplatziert, da es gegen religiöse Gefühle verstosse. Das Niveau der Aktion liege auf dem Humorlevel eines Pubertierenden.

Esther Lawrence wandte sich mit ihrer Kritik gegen das Plakat an die Gemeinde Breitenbach. Dort ist die Verärgerung zwar gross, den Verantwortlichen sind aber die Hände gebunden, da sich das Plakat auf einem Privatgrundstück befindet. «Die Werbung ist geschmacklos», sagt der Breitenbacher Gemeindepräsident Dieter Künzli. Leute, die so auf sich aufmerksam machen, seien stillos. Er wünschte sich, dass der Club diskreter werben würde.

Plakatfläche wird vermietet

Das Gelände, auf dem das Plakat aufgehängt wurde, gehört der Primeo Energie AG. Der Energieanbieter vermiete in der Region mehrere Plakatstellen, wie Sprecher Joachim Krebs erklärt. «Das ist eine Einnahmequelle.» Für die Inhalte sei nicht das Unternehmen verantwortlich und bisher seien auch nie Probleme aufgetaucht. Mit dem Poster des Saunaclubs Olymps hat jedoch auch die Primeo Energie AG ihre Mühe. «Wir sind nicht einverstanden mit dieser Werbung», sagt Krebs.

In einem Einschreiben an die WWP Plakatwerbung AG, welche die Plakatfläche bewirtschaftet, schreibt der Baselbieter Stromversorger: «Mit dieser Art von anstössiger Werbung wollen wir nicht in Verbindung gebracht werden und können sie daher nicht auf unserem Grundstück tolerieren.» Werde das Plakat nicht bis zum 24. April entfernt, sehe man sich veranlasst, das Mietverhältnis aufzuheben.

Saunaclub hat Aufmerksamkeit

Die WWP Plakatwerbung AG mit Sitz in Zürich hat in den vergangenen Tagen mehrere Zuschriften von Menschen erhalten, die sich an den Plakaten stören. Aufgrund der Rückmeldungen werde man künftig an mehreren Orten – darunter auch Breitenbach – keine derartige Werbung mehr aufhängen lassen, sagt Co-Geschäftsführer Walter Wirth.

Die Plakate würden, da am Ostermontag niemand arbeite, am nächsten Dienstag entfernt. Wirth erklärt gleichzeitig: «Unsere Firma hat zwar die Plakate aufgehängt, für den Inhalt sind jedoch der Club selber und die Werbeagentur Ace 2 Ace zuständig, welche die Poster produziert haben.». Bei der genannten Agentur aus Cham war am Donnerstag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Akteure schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Selbst wenn das Plakat nicht mehr lange hängen wird und es fraglich ist, ob viele Schwarzbuben den Weg nach Oberbuchsiten finden werden, hat der Saunaclub Olymp sein wichtigstes Ziel zweifellos erreicht: Aufmerksamkeit.