Eigentlich hätten Pächter und Verpächter allen Grund zur Freude. Sie haben einen Betrieb, der sehr erfolgreich ist. Der «Stierenberg» in Bretzwil hat sich in den letzten neun Jahren unter der Pächterfamilie Karrer zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Region gemausert. Die Anzahl Gäste, vor allem auch der wiederkehrenden, ist laufend gestiegen, erreichte in manchen Wochen den Tausendergipfel. Wer es sich dieser Tage auf der Sonnenterrasse gemütlich macht, übersieht es nicht: Die Besucher fühlen sich rundum wohl, loben die Küche und geniessen die herzliche Gastfreundschaft.

Ausserdem hat es sich längst rumgesprochen, dass man auf dem Stierenberg immer auf ein kühles Getränk zählen kann, selbst an den Tagen, an denen der Restaurantbetrieb geschlossen ist. Familie Karrer hat für die Randzeiten ein Kiosk-Häuschen eingerichtet, in dem sich durstige Wanderer und Biker nach den Aufstiegsstrapazen bedienen dürfen. Doch auch die Tiere, die Thomas Karrer im Sömmerungsbetrieb in Obhut nimmt, stehen im Mittelpunkt. Mit täglichen Kontrollen und einem erfahrenen Weidemanagement stellt er sicher, dass die Rinder reichlich Futter haben und dass Krankheiten frühzeitig erkannt werden.

Vom Gemeinderat bedrängt?

Doch bereits seit längerem wird die ländliche Idylle getrübt von harten Auseinandersetzungen zwischen den Vertragsparteien. Die Familie Karrer fühlte sich vom Gemeinderat gar in der Existenz bedroht. Der Ressortverantwortliche der Exekutive hatte angeregt, von der Pächterfamilie mehr Geld zu verlangen. Es wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Obwohl dieses eine Erhöhung von maximal 50 Franken vorschlug, verfügte der Bürgerrat eine Erhöhung von 700 Franken pro Monat. Die Familie konnte sich dagegen zwar wehren und bekam von der Mietschlichtungsstelle recht, dass diese Forderung überrissen ist und nicht durchgesetzt werden kann. Karrer betonte damals, dass seine Betriebsführung auf dem Grundstein basiere, die Preise tief zu halten, um Familien einen schönen Ausflug zu ermöglichen. Dafür investierte er auch aus der eigenen Tasche in Einrichtungen für die kleinen Gäste.

Er richtete nicht nur ein Spielzimmer ein, sondern offeriert den Kindern eine Gaudi auf dem Riesen-Trampolin und lässt sie im Fuhrpark der Spieltraktoren in ihre eigene Welt des Bauernhofes eintauchen. Den Erwachsenen machte er eine Freude mit der Verschönerung von Terrasse und Gaststube sowie mit diversen Erneuerungen bei den Sitzgarnituren. Doch im Hintergrund schwelte der Streit weiter. Manche Amtsinhaber der Gemeinde hätten kaum eine Gelegenheit ausgelassen, ihre Überlegenheit zu demonstrieren, gibt Thomas Karrer auf Anfrage zu verstehen.

«Die Drohung des Rausschmisses bekamen wir des Öfteren zu hören», resümiert Karrer. Seine Anfragen, sich aussprechen zu können, seien ausgeschlagen worden, stattdessen sei spürbar gewesen: «Man wird nicht unterstützt, sondern hat einen Gegner. Das sind schlechte Voraussetzungen, der Öffentlichkeit einen gut funktionierenden Bergbetrieb bieten zu können», verdeutlicht Karrer. Unter solchen Umständen sei eine Zukunftsplanung nicht möglich. Deswegen haben er und seine Frau den Pachtvertrag gekündigt.

Noch bis 2020 am Herd

Unter Einhaltung der Kündigungsfrist werden sie den Gästen noch bis Anfang 2020 zur Verfügung stehen. Wie es in ihrem Leben weitergehen wird, wissen Thomas und Chantal Karrer noch nicht. Der «Stierenberg» war für sie nicht bloss ihre Arbeitsstelle, sondern ihre Passion.

Auch der Bergbetrieb steht nun vor spürbaren Veränderungen. Der Gemeinderat wird sich Gedanken machen, ob er Restaurant und Sömmerungsbetrieb aufteilen kann. In der aktuellen Agrarpolitik des Bundes, in welcher der Boden entscheidend ist für die Direktzahlungen der Bauern, ist die über 40 Hektar grosse Fläche ein begehrtes Gut. Auf dem nahen Meltingerberg ist die Aufteilung zwischen Tier- und Gastbetrieb in diesem Jahr vollzogen und der Sömmerungsbetrieb einem Landwirt aus dem Dorf zugesprochen worden, der übrigens im Gemeinderat Einsitz hat.

Mike Nachbur, Gemeindepräsident von Bretzwil, wollte auf Anfrage keine Stellungnahme zu den Vorwürfen nehmen. Auch zur Zukunft des Betriebs auf dem Stierenberg könne er derzeit nichts sagen.